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IMPERIAL STATE ELECTRIC – BLOODLIGHTS

Ort: Münster – Sputnikhalle

Datum: 09.11.2010

Mittlerweile dürfte es den meisten aufgefallen sein: Nicke Andersson, der ehemalige Sänger der HELLACOPTERS, hat sich mit seinem neuen Projekt IMPERIAL STATE ELECTRIC und dem gleichnamigen Erstling im Mai dieses Jahres zurückgemeldet. Zwei Jahre nach dem Ende der HELLACOPTERS beglückte uns deren ehemaliger Kopf nun mit einem Besuch in terrorrelevantem Gebiet und hatte im Gepäck nicht nur eine feine Rock´n´Roll-Scheibe, die gepaart mit Powerpop und einem Touch Siebziger, gar nicht so furchtbar weit von den HELLACOPTERS entfernt ist, sondern auch einen weiteren Skandinavien-Export, bei dem man zunächst einmal ein Auge darauf hatte, wo der Fronter früher die sechs Saiten bearbeitete. Die Rede ist von Arne Skagen aka Captain Poon, der bis zu ihrer Auflösung vor fünf Jahren bei GLUECIFER aktiv war und jetzt seit vier Jahren den BLOODLIGHTS vorsteht.

Die Herrschaften in den knallengen schwarzen Jeans verfügen inzwischen über zwei Platten, nachdem Anfang des Jahres der zweite Silberling „Simple Pleasures“ das Licht der Plattenläden erblickt hat. Gespielt wurden jedoch in gleichem Maße auch energiegeladene Tracks des selbstbetitelten Debüts sowie Songs, die bisher noch gar nicht veröffentlicht wurden. Darunter auch eine Nummer, die vermutlich den Namen „Far of Your Heart“ (oder ähnlich) trägt und in deren Genuss die rund 200 Anwesenden so ziemlich als erste Deutsche kamen. Im Übrigen bot der norwegische Vierer straighten Rotzrock, der umgehend ins Ohr ging und jede Menge Spaß machte. Da verloren sogar die Westfalen ihre Scheu und rückten beim zweiten Lied „Bullshit On Your Mind“ (vom 2007er Album) nach Aufforderung von Captain Poon auch näher an die Stage. Als Belohnung gab’s ordentlich was auf die Ohren und auch die Show konnte sich neben ihren Protagonisten durchaus sehen lassen. Es wurde viel mit dem Licht gespielt und überhaupt präsentierten sich die BLOODLIGHTS in bester Laune am letzten Abend ihrer Deutschland-Tour mit IMPERIAL STATE ELECTRIC. Der dunkelhaarige Frontmann Arne stellte zudem unter Beweis, dass er die deutsche Sprache durchaus beherrscht und auch der blonde Kollege Howie B wurde verpflichtet, brav ein paar deutsche Brocken aufzusagen. Der langmähnige Gitarrist versteht sich jedoch zweifelsohne besser auf sein Instrument, wie er spätestens bei seinem Solo zum finalen „Addiction“ zeigen konnte. Auch die Kollegen am Stahlsaiter und hinter der Schießbude bewiesen ebenso wie der Chef noch im Einzelvortrag ihr Können, ehe die 50-minütige Aufwärmübung um 22.00 Uhr mit jaulenden Gitarren zu Ende ging. Wer jetzt noch nicht die nötige Betriebstemperatur erreicht hatte, war auf jeden Fall selbst Schuld, denn besser hätte der Abend gar nicht beginnen können.

Setlist BLOODLIGHTS
Perfect But The Opposite
Bullshit On Your Mind
Hammer And The Wheel
Simple Pleasures
City of The Death
Far of Your Heart (ohne Gewähr)
Ultimate High
Never Built To Last
Heart of The City
Where The Stars Don’t Shine
Bloodlights
New Rose
Addiction

Nach einer guten halben Stunde waren die nötigen Umbauarbeiten auf der Bühne abgeschlossen, auch wenn der eine oder andere sich vielleicht gefragt haben mag, ob die Stagehands versehentlich das BLOODLIGHTS-Drumkit stehen gelassen haben, denn auf der Stage standen immer noch zwei komplette Batterien. Doch wer genau aufgepasst hatte, war natürlich im Bilde, dass das BLOODLIGHTS-Emblem fehlte und da Nicke Andersson ja auch mal als Schlagzeuger bei den schwedischen Death Metallern ENTOMBED unter Vertrag war, durfte man sich darauf freuen, dass der stets gut behütete Nick Royale neben seiner Langaxt auch die Drumsticks in die Hand nähme. Bis dahin sollte jedoch noch eine Stunde vergehen, in der die vier Oberlippenbartträger (die Schenkelbürste scheint ein Aufnahmekriterium für die Band zu sein, sogar der ISE-Techniker trug eine Schnottenbremse) es amtlich krachen ließen. Bei bislang einer Platte, die rund 40 Minuten Spielzeit hat, musste natürlich Material „zugekauft“ werden, sodass die Setlist gleich einmal mit einem CHEAP-TRICK-Cover begann. „Hello There“ bot einen knackigen Start, dem sich „A Holiday From My Vacation” nahtlos anschloss, ehe Dolf de Borst (THE DATSUNS/Bass&Vox)), Tobias Egge (THE OBJECTS/Gitarre & Vox) und Tomas Eriksson (CAPTAIN MURPHY/Drums) mit “Lord Knows I Knows That It Ain’t Right“ unbeirrt weitermachten. Viel geredet wurde bei IMPERIAL STATE ELECTRIC nicht; lieber nutzte das Quartett die Zeit, um bei „Redemption Gone” ausgiebig zu frickeln und zu gniedeln, bevor es zum Schluss wieder was auf die Mütze gab oder mit „Resign“ Rock’N’Roll pur serviert wurde. Mit viel Drive und Schmackes rollte die R’n’R-Dampfwalze dann auch über die Zuschauer hinweg, unter denen sich übrigens auch Teile der DONOTS befanden, die ja im benachbarten Ibbenbüren zu Hause sind und sich wohl den begnadeten Doppelgig der Kollegen aus dem Hohen Norden nicht entgehen lassen wollten. Dank „Déjà Vu” gab’s für alle Anwesenden blitzschnelle Gitarrenläufe um die Ohren gepfeffert, während „I Got All Day Long“ ein wenig Tempo rausnahm und stattdessen mehr Richtung Southern Rock changierte, um schließlich mit „Throwing Stones“ das reguläre Set nach einer knappen Stunde mit allem Zipp und Zapp zu beenden. Es ging noch mal so richtig in die Vollen, doch damit war’s natürlich noch nicht getan, schließlich habe ich ja auch noch einen Nick Royale hinter der silbernen Schießbude versprochen.

Selbige nahm Nicke Andersson bei der Boogie-Nummer „Leave My Kitten Alone“ unter Beschuss, um es gemeinsam mit Tomas Eriksson gewaltig krachen zu lassen. Zum KISS-Cover „Take Me“ war er aber schon wieder am Sechssaiter aktiv, während am Bühnenrand eine Puppe in typischer KISS-Maskerade auf und ab tanzte. Ob das gute Stück noch aus Spanien stammt, wo IMPERIAL STATE ELECTRIC unlängst für die geschminkten Hardrocker eröffneten, ist nicht bekannt, aber wie es scheint, ist das gute Stück zum festen Teil der Bühnenshow geworden. Wichtiger als derlei Schnickschnack war allerdings die Mucke, die sich schnörkellos im Hirn festbiss und schlicht und ergreifend Laune machte. In Kombination mit den BLOODLIGHTS, die definitiv mehr waren als eine x-beliebige Vorband, war dieser skandinavische Abend der lauten Art ein voller Erfolg!

Setlist IMPERIAL STATE ELECTRIC (ohne Gewähr)
Hello There (CHEAP TRICK Cover)
A Holiday From My Vacation
Lord Knows I Knows That It Ain’t Right
Redemption Gone
Resign
Alive
I’ll Let You Down
I Don’t Know What I Want
Déjà Vu
Day Or Night
Wail Baby, Wail
I Got All Day Long
Lee Anne
Throwing Stones

Leave My Kitten Alone (LITTLE WILLIE JOHN Cover)
Take Me (KISS COVER)
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Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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