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IN EXTREMO – FIDDLER’S GREEN

Ort: Bielefeld – Ringlokschuppen

Datum: 17.04.2011

Wenn sonntags kein Tatort kommt, kann man die Kiste getrost auch mal auslassen und den Abend anderweitig nutzen. Zum Beispiel für ein Konzert. So machte sich eine Abordnung des Terrorverlags an diesem sonnigen Frühlingstag auf den Weg in den Bielefelder Ringlokschuppen, um das Wochenende mit Irish Speedfolk von FIDDLER‘S GREEN und anständigem Mittelalter-Rock (Metal?) von IN EXTREMO ausklingen zu lassen. So dachten zum Glück nicht nur wir, ergo war der RLS bei unserer Ankunft schon gut gefüllt mit zumeist schwarzen Gestalten aller Altersklassen. Gut auch, dass wir überpünktlich den Ort des Geschehens betraten, denn anscheinend hatte man es eilig und begann gut 15 Minuten vor offiziellem Konzertbeginn.

Den Anfang machte ein Ansager im Schottenrock und mit Schafskopf (eine Bandeigene Tradition), der in bester Boxring Manier die sechsköpfige Formation aus Erlangen auf die Bühne beorderte, wo diese nach kurzer Mannschaftsaufstellung direkt mit „Life full of pains“ loslegte. War die Halle zu diesem Zeitpunkt noch vergleichsweise leer, füllte sie sich nun zusehends und spätestens zu „Highland Road“ hatte man das Publikum auf seiner Seite. Eins muss man FIDDLER‘S GREEN ja lassen, Stimmung können sie und waren somit die perfekten Anheizer für IN EXTREMO. So dachte wohl auch Das Letzte Einhorn, der sich kurzzeitig unter die Zuschauer mischte, um „seine“ Vorband zu begutachten. Weiter ging es mit „Mrs. McGrath“ und „Irish Air“, dazwischen immer wieder launige Ansagen und eine Spielfreude, die man heutzutage nicht mehr so häufig zu sehen bekommt. Keine Spur von langweiliger Routine und das dankte ihnen auch das Auditorium mit wildem Tanz während und reichlich Applaus nach den Songs. „Rose in the heather“ kündigte man dann als verkapptes Liebeslied an und es wurde kurzzeitig ein bisschen ruhiger, aber auch NUR kurzzeitig und eben auch NUR ein bisschen. Im Anschluss hatte man dann noch eine besondere Showeinlage in petto. FIDDLER‘S GREEN verließen die Bühne, es wurde dunkel und dann hatten Tobias Heindl und seine Geige ihren großen Auftritt. Es folgte eine Solo-Einlage in der Finsternis, die von einem mit LEDs beleuchteten Geigenbogen durchbrochen wurde. Einige Zeit später gesellten sich dann auch 2 seiner Kollegen wieder zu ihm, ebenfalls mit beleuchteten Percussion-Instrumenten (sowie einem alten Eimer über dem Mikrophon als weiteres Schlag“opfer“). Durchaus schön anzuschauen und auch anzuhören. So langsam ging es dann aber dem Ende zu und man gab noch „The night Pat Murphy died“ und „Folk´s not dead“ zum Besten. Inklusive eines mir neuen Mitmachspiels namens „Wall of Folk“, das im Gegensatz zu einer „Wall of Death“ wohl eher friedlich und harmlos ist (man versucht lediglich von der einen zur anderen Seite zu rennen, ohne größeren Schaden zu nehmen). Das Ganze wurde wunderbar angenommen und so konnten sich die 6 Herren zufrieden und unter großem Beifall verabschieden und IN EXTREMO das Feld überlassen.

Setlist – FIDDLER’S GREEN
Life Full Of Pains
Highland Road
Mrs. McGrath
Irish Air
Rose In the Heather
Solo
The Rocky Road To Dublin
The Night Pat Murphy Died
Folk’s Not Dead

Schon mutig von den EXTREMisten, sich so eine Vorgruppe ins Boot zu holen, die Applaus-technisch annähernd Headliner-Status vermelden konnte. Doch selbstbewusst können die Mannen um „Das letzte Einhorn“ nach so vielen erfolgreichen Jahren in der Szene sein, konnte sich doch auch ihr neues Werk „Sterneneisen“ wieder Platz 1 in den Charts sichern. Bevor das eigentliche musikalische Treiben losging, wurde auf dem vorderen Backdrop zunächst ein kleines Filmchen gezeigt, in dem das lustige Flugvehikel vom aktuellen Album eine Rolle spielte ebenso wie das zackige Bandlogo, zu dem dann auch eine kleine Einleitung gesprochen wurde („Dieser Stern hat sieben Zacken…“). Mit einem lauten Knall fiel der Vorhang und die Sicht ward frei auf die Bühne, welche links und rechts von beleuchtbaren IN EXTREMO-Ständern begrenzt wurde. Quasi im Oberrang musizierte Drummer Specki T.D. (ehedem bei der LETZTEn INSTANZ), noch dahinter befand sich eine Leinwand, die mal kleine Einspieler (wie etwa Wald-Motive bei „Herr Mannelig“) und mal die Protagonisten des Abends in Nahaufnahme präsentierte, für die hinteren Reihen sicher ein Gewinn. Nach dem Tourtitelgebenden Opener folgte mit dem Dreier „Frei zu sein“, „Liam“ und „Erdbeermund“ direkt ein Klassiker-Trio, das die Stimmung natürlich bestens unterfütterte, wohl dem, der so viele Hits sein Eigen nennen kann. Da stört es auch nicht, dass Micha nicht gerade der Alleinunterhalter vor dem Herren ist. Seine manchmal etwas unbeholfenen Ansagen nach so vielen Jahren im Business wirkten irgendwie charmant, wenn er denn die Ringlok-typischen Bediensteten mit den balancierenden Getränketabletts bestaunte oder auch die Trinkfestigkeit der Vorgruppe, die am Vorabend wohl noch halbtot im Tourbus herumlag. Dazu sorgten ausgiebige Pyro-Effekte für wohlige Wärme im Auditorium. Die Setlist bot zum einen die ersten 8 Stücke des „Sterneneisen“-Albums aber auch genügend Raum für älteres Material, das erfahrungsgemäß noch mehr bejubelt wurde. Wobei man festhalten muss, dass die neuen Sachen die Grenze zum Metal mehr als nur ankratzen, „Stalker“ etwa mit den Stakkato-Riffs oder auch diverse Double Bass-Einlagen brachten die Hartwurstfans unter den Anwesenden zum seligen Kopfnicken. Demgegenüber bekamen auch die mittelalterlichen Instrumente genügend Raum, um zu wirken (siehe etwa eine Dudelsack-Polonäse beim „Spielmannsfluch“). Eine rundum gelungene Mischung also, die zum Ende hin mit „Küss mich“ und dem sehr gut aufgenommenen „Viva La Vida“ wieder richtig Fahrt aufnahm, bevor das abschließende „Aufs Leben“ dem Ganzen eine leicht wehmütige Note verlieh.

Doch für Gefühlsduselei war nicht lange Platz, so trollten sich die Herren nach vehementen Zugabenrufen schnell wieder nach oben und nahmen das neue Stück „Gold“ zum Anlass für einen netten Show-Effekt. Die Bühne wurde mit güldenem Konfetti berieselt, bis die Akteure allesamt eine Hauptrolle in Bonds „Goldfinger“ hätten einnehmen können. Es ist eben nicht alles (echtes) Gold, was glänzt, wobei dieses Motto keineswegs zur Performance von IN EXTREMO an diesem Abend passte. Mag auch der Opener in Punkto Spielfreude die Nase vorn gehabt haben, das Septett bewies ein weiteres Mal, warum man in seinem angestammten Genre seit Jahren die Nr. 1 ist!

Setlist IN EXTREMO (ohne Gewähr)
Sterneneisen 
Frei zu sein 
Liam 
Erdbeermund 
Zigeunerskat 
Vollmond 
Unsichtbar 
Herr Mannelig 
Horizont 
Zauberspruch VII 
Siehst du das Licht 
Stalker 
In diesem Licht 
Hol die Sterne 
Spielmannsfluch 
Küss mich
Viva La Vida 
Die Flaschenpost
Sängerkrieg 
Aufs Leben 

Gold 
Mein rasend Herz 
Omnia Sol Temperat 

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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