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IN EXTREMO – FIDDLER’S GREEN

Ort: Bremen - Pier 2

Datum: 20.04.2011

Eigentlich war dieser sonnige Mittwoch viel zu schade, um ihn im dunklen Pier 2 bei einem Konzert zu verbringen. So konnte man an der Promenade des nebenan liegenden Einkaufscenters eine Menge überwiegend dunkel gekleideter Gestalten in der Sonne chillen und Bier trinken sehen. Doch je näher man dem Konzertbeginn kam, desto mehr und desto schneller strömten dann doch alle in die Konzerthalle. Denn wenn eine Band wie IN EXTREMO, deren neues Album „Sterneneisen“ es direkt auf Platz 1 der deutschen Charts geschafft hat, auf Tour geht, um die neuen Songs live zu präsentieren, dann muss die Sonne eben auch mal in den Hintergrund treten. Umso mehr, wenn als Support der Tour nicht nur irgendeine Vorband, sondern die grandiosen FIDDLER‘S GREEN verpflichtet werden konnten.

Einen besseren Support hätte man kaum wählen können, sind die fidelen Fiedler aus Süddeutschland doch seit nunmehr 20 Jahren ein Garant für schweißtreibende Konzerte. So wurden sie dann auch mit lautstarkem Applaus in der gut gefüllten, aber nicht ausverkauften Halle begrüßt. Der Stimmung tat das keinen Abbruch und auch das Problem, dass gerade bei der Vorband öfter der Platz vor der Bühne frei bleibt, trat an diesem Abend nicht auf. Mit dem ersten Ton kamen die Fans nach vorne und feierten kräftig mit. Mit ihrer Mischung aus Irish Folk und Punk und Rock Elementen und einer hervorragenden Songauswahl war die Band auf der sicheren Seite und hatte alles richtig gemacht.

Nach der ersten Hälfte des Sets trat die Band bei „Rose in the heather“ einmal kurzzeitig etwas auf die Bremse, aber auch hier durfte mitgeschunkelt werden und die Empore wurde mit einer La Ola von der Band mit einbezogen. Dann kam der große Auftritt des Geigers Tobias, der alleine die dunkle Bühne betrat und mit einem von LED-Licht erleuchteten Geigenbogen ein beeindruckendes Solo spielte, bevor zwei seiner Bandkollegen mit ebenfalls beleuchteten Drums sich zu ihm gesellten. Doch genug geschunkelt und gestaunt dachten sich FIDDLER‘S GREEN und forderten beim nun folgenden „The rocky road to Dublin“ eine Wall of Folk, bei der sie den Raum teilten und die Zuschauer aufforderten bei jedem Refrain die Seiten zu wechseln. Klappte hervorragend und kam bestens an. Mit den beiden abschließenden Songs konnte man dann wohl auch den letzten Zweifler überzeugen, denn „The night Pat Murphy died“ konnte lauthals von allen mitgegrölt werden und „Folks not dead“ ist lange schon offizielle Hymne der Band und bot den geeigneten Abschluss. Nach viel zu kurzen 40 Minuten mussten FIDDLERS GREEN dann unter tosendem Applaus leider die Bühne verlassen.

Setlist FIDDLERS GREEN
Life full of pains
Highland road
Mrs. McGrath
Irish air
Rose in the heather
Violin Solo
The rocky road to Dublin
The night Pat Murphy died
Folk´s not dead

Schließlich gab es da ja „noch“ die eigentliche Band des Abends und ca. 20 Minuten später ertönte das Intro zu IN EXTREMO und auf einer Leinwand flog passend zum Cover der neuen CD ein animiertes Flugzeug, bevor dann mit einem Countdown (von 7 heruntergezählt) die Band auf die Bühne kam und mit dem Titeltrack „Sterneneisen“ eine ungefähr 2 Stunden dauernde Show begann. In diesen 120 Minuten gab es eine muntere Auswahl von Songs aller Alben und in allen Sprachen. Und es gab wieder einmal jede Menge Feuer, welches zum ersten Mal beim vierten Song „Liam“ in Form von großen Flammenfontänen zum Einsatz kam, welche eine Hitzewelle quer durch die Halle schickten.

Sprühten FIDDLER‘S GREEN bei ihrem Auftritt allerdings vor Spielfreude, so wirkten IN EXTREMO irgendwie an diesem Abend ziemlich müde. Gerade Sänger Michi „Das letzte Einhorn“ stand bei den Ansagen manchmal etwas neben sich, schien müde und lustlos und vergas auch schon mal, einen Satz zu beenden. Die lange Tour schien da doch ihre Spuren hinterlassen zu haben und nach ca. 2/3 des Sets versuchte sich Michi an einer Erklärung, irgendetwas sei beim Auftritt gestern abgeraucht, die Ersatzteile kämen erst morgen und man müsse etwas improvisieren und habe die Setlist kurzfristig ändern müssen, aber das sei eben Rock´n`Roll. Für den äußeren Betrachter gab es aber keine ersichtlichen Einschränkungen, schon gar nicht bei der Show. Hier geizte die Band nicht mit Effekten und so kamen neben den Flammen weitere Pyros zum Einsatz und nicht selten wurde Glitter oder Papier in die Luft geschossen. Beim Sound gab es eher zu viel als zu wenig und so war der letzte Auftritt von mir gesehene Auftritt von MANOWAR lautstärkemässig ein Witz gegen IN EXTREMO an diesem Abend. Doch hier wäre dann etwas weniger doch ungleich mehr gewesen, denn manches Mal verschwanden einzelne musikalische Elemente dann leider im lauten Geballer.

Doch diese kleinen Mankos konnten die Zuschauer nicht davon abhalten, ihre Band auch an diesem Abend abzufeiern und wenngleich Micha bei den Ansagen etwas müde wirkte, so war seine Stimme doch voll einsatzfähig und brachte alle Hits der Band souverän rüber. Gerade mit den alten Klassikern konnten IN EXTREMO punkten und die Fans überzeugen, doch auch bei den neuen Songs zeigten sich alle extrem textsicher (vielleicht auch und gerade, weil diese leichter zu erlernen sind als manch alter lateinischer Songtext). Optischer Leckerbissen und Eyecatcher war, ist und bleibt bei jedem Auftritt natürlich die Dudelsackfraktion der Band, die manches Mal eine perfekt eingeübte Performance bot und sichtbar Spaß daran zeigte, in eingeübten Kreisen aneinander und umeinander herum zu tanzen oder in einer Polonaise über die Bühne zu ziehen.

Natürlich wurde ein Ende des Konzertes nach 90 Minuten nicht akzeptiert, egal wie müde manch einer wirkte, schlafen konnte man gern später, nun wurde die Band mit großen Applaus noch einmal auf die Bühne geholt für den Zugabenteil. Und dieser begann mit weiteren Effekten bei Lied „Gold“, bei dem es nicht nur Gold regnete sondern bei dem auch Dr. Pymonte mit einer Schubkarre voller Gold über die Bühne fuhr und heftig ins Publikum warf. Nach „Rasend Herz“ kam dann mit „Omnia sol temperat“ der krönende Abschluss des Konzertes, dass trotz angesprochener Schwächen ein richtig gutes war und kurzweilige Unterhaltung bot.

Setlist IN EXTREMO
Sterneneisen
Frei zu sein
Liam
Erdbeermund
Zigeunerskat
Vollmond
Unsichtbar
Herr Mannelig
Horizont
Ai vis lo lop
Stalker
Ave Maria
In diesem Licht
Spielmannsfluch
Küss mich
Viva la vida
Rotes Haar
Sängerkrieg
Aufs Leben

Zugabe:
Gold
Rasend Herz
Omnia sol temperat

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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