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IN EXTREMO – THE BLACK SHEEP

Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 18.12.2008

Kurz vor Weihnachten bekam der ostwestfälische Musikfan noch einmal die Gelegenheit, sich ordentlich die Ohren durchpusten zu lassen und das von Niemand Geringerem als der Dudelsack Metal Institution IN EXTREMO. Diese dürften sich mittlerweile in Bielefeld auskennen, war man doch immerhin bereits das dritte Mal seit September 2005 am Start. Während der mentalen Vorbereitung auf dem schlussendlich gefundenen Parkplatz war Zeit, die vorbeitigernde Meute zu begutachten. Ergebnis: Die wilden Spielleute verfügen über eine sehr heterogene Fanbasis. Gestandene Metaller gehobenen Alters gaben sich ein Stelldichein mit szenetypisch gewandeten Gruftifrauen und jungen Em(o)us, was letztendlich die große Halle des Ringlokschuppens sehr ordentlich füllte (ca. 1.800 Zuschauer). Nach den eher stumpfen KRIEGERn der vorherigen Gastspielreise stand heuer ein recht interessanter Support Act in den Startlöchern, insbesondere da nahezu unbekannt und vollständig weiblich.

THE BLACK SHEEP aus Köln sind 4 junge Damen im Alter von 18 bis 22 Jahren, die immerhin seit dem Jahre 2005 miteinander musizieren. Die Bühnenbretter teilen sich die Schwestern Charly (Gesang) und Johanna an der Gitarre mit ihren „Sisters“ Trish (Schlagzeug) und Aurora am Bass. Das Quartett ist immerhin bei Roadrunner zuhause, bildet dort aber ganz sicher das softe Ende der Fahnenstange verglichen mit Labelkollegen wie SATYRICON. Über Kontakte der Plattenfirma zu IN EXTREMOs Micha lief dann auch die Verpflichtung als Opener für zumindest einen Teil der Sängerkrieg-Tournee. KORPIKLAANI als Gegenstück in der letzten Dezember Woche könnten musikalisch wohl kaum kontrastreicher sein. Optisch allerdings auch nicht. Von vorneherein stand fest, dass die Domstädterinnen einen schweren Stand beim Gros der Zuschauer haben würden, da ihr Sound trotz druckvollen Gitarrenspiels härtetechnisch nicht unbedingt mit dem Headliner harmoniert. Insofern schon mal Respekt, sich der Meute zum Fraß vorzuwerfen und abgesehen von einigen „Ausziehen“-Rufen (die nun einfach dazu gehören) konnte man sich zumindest einen gewissen Respekt erspielen. Dazu trug die sehr starke stimmliche Darbietung der wirklich nett anzusehenden Frontfrau ihren Teil bei, während man insgesamt den Mädels natürlich schon eine gewisse Nervosität beim Stage Acting ansah. Aktuell existiert noch keine „vollständige“ CD der schwarzen Schäfchen, die wird dann unter dem Titel „Not Part of the Deal“ im Frühjahr 2009 erscheinen. Lediglich eine 2-Track Single wurde vor Ort von den Damen selbst feilgeboten. Man hat auch bereits 2 Songs für einen Soundtrack beigesteuert („Lauf um dein Leben“) und songwriterisch mit Henning Wehland-Intimus Jan Löchel zusammen gearbeitet. Dieses Stück fehlte allerdings auf der Setlist, die dafür Titel wie „No Answer“, „You can’t push me“ oder passend zum Abschluss „Game over“ enthielt. Gefällige Rock-Nummern mit emotionaler Schlagseite, einmal auch von Charly am Keyboard begleitet, die es möglicherweise ins Radio schaffen könnten. Ein insgesamt durchaus gelungener Auftritt, der allerdings im Vorprogramm von beispielsweise DIE HAPPY sicher besser aufgehoben gewesen wäre. Dafür präsentierten sich die Musikerinnen im Nachhinein überaus sympathisch am Merch und waren froh darüber, dass eine vorab im Internet angekündigte Burger King-Verschwörung gegen die Zitat „Bratzen aus Köln“ letztendlich nur ein Sturm im Wasserglas war. Mal sehen, was die Zukunft der All Girl Truppe aus dem Rheinland noch so alles bescheren wird.
(TK)

Um kurz nach 21:00 Uhr war dann auch schon die Zeit für den Hauptact gekommen, der die Bielefelder (und mindestens eine Münsteranerin) so zahlreich hat erscheinen lassen. Nachdem die Lichter gedimmt wurden, flackerte während des Intros zunächst mal ein kleines Animationsfilmchen zum „Sängerkrieg“ Covermotiv über den Vorhang, bevor sich dieser unter lautem Pyro-Getöse von dannen machte. Beim Eröffnungsstück „7 Köche“ erschienen die pfeifenden Protagonisten danach hochoben auf einer Empore in exponierter Stellung, auf die sie sich im Verlaufe des Abends über ein paar Stufen immer mal wieder zurückziehen sollten. Die Halunken-Hymne „Frei zu sein“ sorgte danach gleich für die richtige Stimmung zu Beginn, bevor Sänger Micha kurz Hallo sagte und auch die Zuschauer auf der Balustrade begrüßte. Beim nachfolgenden „Liam“ schnallte er sich dann erstmals an diesem Abend seine Cister um, während Kollege Dr. Pymonte zur Harfe überwechselte. Beide konnten aber nicht verhindern, dass der Sound noch etwas zu basslastig daherkam. Das änderte sich jedoch schnell und beim Titeltrack des aktuellen Albums durfte das Auditorium (passend zur Vorweihnachtszeit) mit einem kräftigen „Ho-Ho“ einstimmen, zu dem immer mal wieder Flammenbälle emporstiegen. Überhaupt wurde mit pyrotechnischem Beiwerk nicht gegeizt, da scheint das örtliche Löscheinsatzkommando großzügig mit einer Genehmigung gewesen zu sein. Sei es nun etwa Yellow Pfeiffers Funkenregen sprühender Jonglierstab bei „Ai vis lo lop“, grelles Bengalfeuer zu „In diesem Licht“ (wozu auch sonst?) oder sich kreuzende Raketen während „Ave Maria“, bei dem die Bühne komplett in grünes Licht getaucht war und es noch Hoffnung für die Jungfrau zu geben schien, die dann aber durch das Feuerwerk zunichte gemacht wurde. Es darf spekuliert werden, ob dessen Einsatz auch der Grund für die Bandagierung am linken Oberarm des Fronters gewesen ist. Vielleicht ist es aber auch abends zuvor in Köln, wo die sieben Spielleute eine DVD aufgenommen haben, einfach zu übermäßigen Anstrengungen gekommen.

Mit „Nymphenzeit“ hatte es zumindest auch ein eher selten gespielter Titel in die Setlist geschafft, in dessen Folge Micha ankündigte, für die ersten Reihen eine Runde Bier beim durch die Halle flitzenden Tablettträger bestellen zu wollen. Umgesetzt werden konnte dieses Vorhaben zwar letztlich nicht, dafür wurden zwischendurch immer mal wieder kleine Fläschchen Wasser von der Bühne gereicht. Weitere Höhepunkte waren die standesgemäßen „Poc vecem“ unter Einsatz von Trumscheit und Drehleier oder der „Vollmond“ mit Harfenintro von Dr. Pymonte. Für „En esta noche“ forderte Das Letzte Einhorn das Publikum zu spanischem Rhythmusgeklatsche heraus, zu dem dieses ihm auch bereitwillig folgte. Weniger bereitwillig waren IN EXTREMO allerdings, auf die Rufe einer kleinen Gruppe einzugehen, die vehement „Erdbeermund“ forderte. Auch die wenig kooperative Ansage, dass man diesen heute nicht spielen werde, förderte die Einsicht der Begeisterten, die weiter hartnäckig bleiben sollten, nicht. Statt dessen folgte auf die beiden neuen Songs „Zauberspruch“ (mit Feuerzeug-Einlage bei den Zuschauern) sowie „In diesem Licht“ mit „Flaschenpost“ eine andere schöne Uptempo-Nummer, bevor sich der reguläre Teil des Sets allmählich seinem Ende zuneigte. „Omnia sol temperat“ bot noch einmal „Duelle“ der Sackpfeifer und Gitarristen vorne am Bühnenrand zwischen diversen Flammen auf, ehe der Rausschmeißer „Auf´s Leben“ angestimmt wurde. Den Fans war natürlich noch an mehr druckvollem Rocksound mit Mittelalter-Elementen gelegen, was durch Applaus und entsprechende Rufe auch lautstark kundgetan wurde. Der Zugabenteil konnte dann mit Stücken wie „Küss mich“ und „Wind“, bei dem Raketen quer über das Publikum geschossen wurden, weiter punkten. Das lebendige „Villeman og magnhild“ markierte dann aber das obligatorische Finale, doch konnte hier ein letztes Mal richtig abgegangen werden. Die brennenden Drumsticks vom Morgenstern und energisches Trommeln am Bühnenrand taten ihr Übriges. Anschließend war zwar Schluss mit Wein, Weib und Gesang, allerdings bleibt die Erkenntnis, dass die rockende Spielmannszunft zwei Stunden lang amtlich abgeliefert hat.
(gerrit [pk])

Setlist IN EXTREMO
Intro
7 Köche
Frei zu sein
Liam
Hiemali tempore
Sängerkrieg
Nymphenzeit
Ave Maria
Spielmannsfluch
Poc vecem
Vollmond
En esta noche
Ai vis lo lop
Zauberspruch
In diesem Licht
Flaschenpost
Mein rasend Herz
Mein Sehnen
Omnia sol temperat
Auf´s Leben

Küss mich
Krummavisur
Wind
Villeman og magnhild

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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