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IN FLAMES – KILLSWITCH ENGAGE – HEAVEN SHALL BURN – EVERY TIME I DIE – MAYLENE & THE SONS OF DISASTER

Ort: Berlin - Columbiahalle

Datum: 06.12.2009

Let’s put the world IN FLAMES!!! Nachdem mit diesem Spruch schon in Großbritannien kräftig eingeheizt wurde, zog die Taste of Chaos Tour nach good old Germany, um pünktlich zum Nikolaus für die deutsche Hauptstadt die weihnachtliche Metal-Keule schwingen zu lassen. Ein Mini-Festival sollte uns erwarten, bestehend aus MAYLENE & THE SONS OF DISASTER, EVERY TIME I DIE, als Special Guest HEAVEN SHALL BURN, KILLSWITCH ENGAGE und als Headliner IN FLAMES. Da geht selbst dem Weihnachtsmann der Arsch auf Grundeis. Um dies aber lieber doch nicht mit ansehen zu müssen, kletter ich mal eben mit Björn von IF in den Tourbus, um mit meinen versauten schwedischen Sprüchen zu prahlen und mich mit brandaktuellen Tour-News aufzuwärmen.

Party on, Wayne! Party on, Garth! Vorwärts mit Gebrüll heißt es nun für die Opener von MAYLENE & THE SONS OF DISASTER. Wow, lange nicht mehr so eine gute Vorband gesehen. Mit einem feurigen Crossover aus Southern Rock, Hardcore und irgendwie auch Grunge-Einflüssen können die Jungs beim Publikum sofort punkten und der erste Moshpit lässt nicht lange auf sich warten. Fronter Dallas Taylor tänzelt stöhnend durch die Gegend und wirkt teilweise nicht ganz bei Sinnen, während ein Teil der musizierenden Jungs so kreuz und quer über die Bühne springt und dabei die witzigsten Verrenkungen macht, dass man meinen könnte sie hätten zuviel am Cola/ Energy-Sponsor genippt! Auge und Ohr sind begeistert – prima, Jungs!!!

Weiter geht’s mit Southern Metal Core der Marke EVERY TIME I DIE. Während ein Großteil des jüngeren Publikums sich besonders die Finger nach Keith „Balls“ Buckley und Co. leckt, kann ich diesen Hype eher weniger nachvollziehen. Mit typischen Growls und billigem Geknüppel heben sich die Jungs nicht annähernd von einem Haufen anderer Bands ab, die man den Sommer über so zu hören bekommt. Wer braucht schon 08-15-Metalcore? Doch das Publikum wirkt schüchtern. So muss Fronter Balls die Meute erst darum bitten, die Angst abzulegen und sich als Übung für IN FLAMES schon mal warm zu moshen – Befehl ausgeführt und ein fetter Circle Pit folgt geschwind. Zugegeben, die moshende Crowd zu beobachten ist um einiges aufregender als den Jungs von EVERY TIME I DIE beim Musizieren zuzuschauen!

Zeit für den heutigen Special Guest. Mit der Wahl der Saalfelder Jungs von HEAVEN SHALL BURN hat man wirklich einen bierfesten Metaldaumen bewiesen. Kurz vor der Show bricht plötzlich ein ohrenbetäubender Jubel aus – wow, was ist hier denn los? Ein großes Loch entsteht mitten in der Masse, alles geht auf Position (zum großen Leid der Securities; sind Metal-Aktivitäten wie Moshen oder Crowdsurfen doch ausdrücklich untersagt). Mit dem ersten Chord startet die halbe Columbiahalle zu einer gewaltigen Wall of Death – vom Balkon der Halle besonders genial anzusehen. Plötzlich ist alles außer Rand und Band, die Meute dreht durch, Crowdsurfer nehmen Kurs auf, der Tanzsaal droht regelrecht aus allen Nähten zu platzen. Man genießt hier definitiv einen Heimvorteil und einfach alles wird dem Erdboden gleich gemacht. Solche Moshpits konnte man selbst bei In FLAMES heute nicht mehr sehen! Monströser Death trifft auf fetten Thrash Metal, dazu ein paar melodische Hooklines und das Publikum liegt einem zu Füßen! Vorhang auf für Schlachtrufe à la „Forlorn Skies“ und „Weapon The Fear“. „Black Tears“ bringt einen Crowdsurfer nach dem anderen hervor, bevor Fronter Marcus sogar selber reinhüpft! Beide Daumen hoch für HEAVEN SHALL BURN!!!

KILLSWITCH ENGAGE können mit diesem Power-Programm eindeutig nicht mithalten – weder auf Seiten des Publikums noch auf der der Musiker. Worauf die Jungs mit ihren Capes und Sporthosen verweisen wollen, ist mir echt ein Rätsel. Gitarrist Adam rennt wie ein Duracell-Häschen von einem Bühnen-Ende zum nächsten und ergreift die Kommunikation zum Publikum. Doch Sprüche wie „It feels so good to be inside of you again“ und „german beer is the best in the world“ haben definitiv ihre Glanzzeit bereits abgesessen. Nun ja, aber wem besser ein Song widmen als Bier? Auch wieder wahr – perfekte Überleitung zu „Reckoning“. So baden wir uns in einer weiteren Metalcore-Aufführung, bis es nach guten drei Stunden endlich Zeit für die gute alte Göteborger Schuld wird!

Die Sitz-Metaller erheben sich, die Pommesgabel wird herausgeholt und das Haar ordentlich durchgeschüttelt. Mit „Cloud Connected“ präsentieren sich die Schweden gleich mit ganz großen Szenen – so ein Blödsinn, stehen Absacker hier doch sowieso nie auf dem Programm! So streichen wir den letzten Satz – In FLAMES ziehen konstant eine Mördershow vom Brett, knüppeln die fettesten Metalbrocken an den Mann und lassen die Haarschuppen tanzen. Visuell spielt man natürlich auch heute wieder in der obersten Liga mit! Farbenreiche LEDs erhellen uns, besonders geil auch die Live-Projektion der Musiker an der LED-Wand! Die Columbiahalle wird zu einem einzig bangenden Haarknäuel – sauber! Nach „Pinball Map“ und „Delight and Angers“ (bei beiden Mitschrei-Alarm!!!) bekommt das Köpfchen doch erst einmal eine Pause – Moshpits frei Haus!!! Doch was ist das denn? Anders holt plötzlich einen Fan mit Kamera auf die Bühne, der mal ganz spontan diese Riesensause für immer und ewig auf Video festhalten soll. So zeigt sich Berlin mit folgendem „Trigger“ von seiner besten Seite, während die Musiker fleißig für die Home-Cam posen – niedlich! Weihnachten wird übrigens mal ganz nebenbei völlig ignoriert. Anders, der heute besonders sarkastisch wirkt, kickt die Weihnachtsmannmütze mit dem Kommentar „ah, it’s too early for that“ schnell weg und widmet sich wieder dem Metal-Publikum. Dies spuckt nämlich auf Weihnachten und hat nur eines im Sinn: Circle Pits – auch völlig gleich ob Musik spielt oder nicht. So bangt man sich einfach weiter einen Wolf und beweist bei bspw. „Come Clarity“ unerschütterliche Textsicherheit (oder bin ich selber einfach zu laut gewesen?) Auf typische IN FLAMES-Klassiker muss natürlich niemand verzichten, so prasseln neben Songs der aktuellen Scheibe, auch immer wieder die Haarspitzen des Vordermanns bei z.B. „The Quiet Place“ (überwältigend) oder „Only For The Weak“. Mit „My Sweet Shadow“ endet diese einzig große Ekstase leider auch schon wieder. Zugaben erspart man sich heute auch an dieser Stelle.

Fazit: Spitzenmäßiger Abend, an dem der Metal-Liebhaber gewaltig auf seine Kosten kam. Dennoch zwei Bands weniger hätten es ehrlich gesagt auch getan. Dem Nikolaus sei Dank werden die Fans nun noch reichlich mit Rockstar Energy/ Cola beschenkt. Vielen Dank – tack – und nicht vergessen: Put the world IN FLAMES!!!

Setlist IN FLAMES
Cloud Connected
Embody The Invisible
Pinball Map
Delight And Angers
Disconnected
The Chosen Pessimist
Trigger
I’m The Highway
Only For The Weak
Artifacts Of The Black Rain
March To The Shore
Come Clarity
Leeches
Alias
The Mirror’s Truth
The Quiet Place
Take This Life
My Sweet Shadow

Copyright Fotos: Enrico Ahlig

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