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IN THE NURSERY – GOJA MOON ROCKAH

Ort: Bielefeld - Forum

Datum: 17.11.2011

Eine Legende in Bielefeld – Wann gibt es so was schon mal in der ostwestfälischen Provinzstadt zu bestaunen? IN THE NURSERY existieren bereits seit 30 Jahren und haben Genres wie Martial Industrial als auch Neoklassik nicht unbeträchtlich mitgeprägt. Also mitten in der Woche auf ins Forum, das sich seit unserem letzten Besuch offensichtlich verändert hat, Stichwort Raucherraum et al. Der Zuschauerandrang hielt sich fast erwartungsgemäß in Grenzen, dafür tummelten sich unter den ca. 150 Anwesenden auch ein paar lokale musikalische Größen. Und alle zusammen erwartete zunächst eine recht eigenwillige Vorband, die im Terrorverlag schon die eine oder andere Spur hinterlassen hat.

GOJA MOON ROCKAH aus Wismar haben schon ein paar Alben und Konzertreisen hinter sich, so war man beispielsweise mit UNHEILIG (!) unterwegs, ohne davon finanziell profitiert zu haben, im Gegensatz zu einigen anderen Kollegen. Sehr sympathisch das. Ebenso sympathisch das Auftreten des Trios (Herr Buh/ Gitarre, Herr Ja Gesang/ Elektronische Klangerzeugung – auch MENICHAL SERVANTS – und das blonde „Schreck“-Gespenst am Bass), die mit einem gewissen dilettantischem Charme ihren Minimal Wave Post Punk Lo Fi Electro unter das Volk brachten. Das Volk, das einen gehörigen Sicherheitsabstand zur Bühne einhielt und überwiegend eher desinteressiert schien. Die Gojas haben einen gehörigen Stilbruch hinter sich, weg vom trashigen NDW Genre-Potpourri hin zu 4-Spuriger Melancholie, somit wurde auch kein Song der bisherigen Alben präsentiert, die ja doch den einen oder anderen kleinen Szenehit ihr Eigen nennen. Stattdessen alle 3 Songs von der neuen 7inch „Invasion“ sowie 4 Titel der auf 50 Stück limitierten/ selbstbetitelten Tape-VÖ, beides Jahrgang 2011. Nicht einmal eine halbe Stunde währte der Auftritt, der zumindest uns durchaus Spaß bereitete. Vielleicht sieht man sich mal auf einem Kernkrach Festival wieder?

Setlist GOJA MOON ROCKAH
Kalt
3 Uhr 10
Hollywood
Walkman
P.S.
Ninja
Invasion
Robert Schmidt
Warten

Es sollte nicht allzu lange dauern, bis die Humberstone-Zwillinge nebst Anhang vor ihre Fans traten, welche sich nun ein wenig geschlossener und deutlich weiter vor die Künstler wagten. Für Stimmung war jedenfalls gesorgt, als man mit „Crepuscule“, einem Track des neuen Albums „Blind Sound“ adäquat durchstartete. Für ihr Alter sehen die Herren Klive & Nigel noch sehr passabel aus, während der eine rechts vorne Synthies und Saiteninstrumente bediente, sorgte der andere an diversen Drums für einen martialischen musikalischen Subtext. Das Ganze mit vollem Körpereinsatz und diversen „Sprüngen“. Dazu bediente ein Herr zur linken weiteres Schlagwerk, was insgesamt zu einem sehr kräftigen Sound führte, der nicht ganz so leicht einzuordnen ist. Manch ein Track wirkt tanzbar, so besaß „Cobalt“ gar einen gewissen PRODIGY-Einschlag. Der Opener der aktuellen Scheibe hingegen („Artisans of Civilisation“) kam sehr düster rüber, dazwischen allerlei Beats und Bytes, Samples, neoklassische Elemente und natürlich bisweilen auch Gesang, der überwiegend von der langjährigen Muse Dolores Marguerite C stammte. Diese handelte zudem aber auch noch ein Tamburin oder beteiligte sich an Percussion/ Keyboard-Klängen. Hin und wieder wurde auch das Publikum adressiert, so teilte man mit, dass es sich bei der Inszenierung von „Crave“ um eine Live-Weltpremiere handeln würde und fragte nach der Anwesenheit beim letzten Konzert in Bieletown. Alles in allem sehr majestätisch, kraftvoll und Bewegungseinladend, hier waren eindeutig echte Könner am Werk. Ein Wermutstropfen allerdings die Spielzeit. So beendete man nach gut 50 Minuten bereits das reguläre Set mit „L’Esprit“, nur um dann mit 2 Zugaben (die erste davon instrumental) auf eine knappe Stunde zu kommen, was den einen oder anderen Besucher überraschte.

Insgesamt also nur knapp 90 Minuten Bühnenbeschallung heute im Forum, was angesichts der späten Urzeit aber auch nicht wirklich problematisch war. Wer nicht genug kriegen konnte, sollte bereits 2 Tage später beim November Noir-Festival in Augsburg die Möglichkeit erhalten, IN THE NURSERY wieder zu begegnen, dann als Headliner mit so illustren Kollegen wie ORDO ROSARIUS EQUILIBRIO oder ROME im Schlepptau. Auf die nächsten 30 Jahre!

Setlist IN THE NURSERY
Crepuscule
Hymn Noir
Bombed
Mystere
Crave
Sixth Sense
Cobalt
Artisans of Civilisation
Blueprint
A Rebours
L’Esprit

New Religion
Compulsion

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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