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INA MÜLLER – BASKERY

Ort: Halle - Gerry-Weber-Stadion

Datum: 13.07.2013

INA MÜLLER mag den Sommer ja nicht. Deshalb ist er in diesem Jahr auch erst so spät gekommen. Weil die Müllerin der Meinung war, noch zu dick für die luftigen Klamotten gewesen zu sein (was natürlich totaler Quatsch ist). Außerdem sieht sie nicht gern Nordrhein-Westfalen in Sommersandalen. Ob ihr wohl klar war, dass sie an diesem lauen Samstagabend nicht nur in der Gerry-Weber-Halle mehr oder weniger open air spielte, sondern auch in NRW? Dass der Ort, in dem sich ihre heutige Konzertstätte befand, Halle hieß und nicht nur das Gebäude den Zusatz „Halle“ trug, war ihr nach eigenem Bekunden nämlich neu. Da wussten die drei Mädels, die den Support bestritten, eindeutig mehr in Sachen bundesdeutscher Geographie, dabei kamen BASKERY doch sogar aus dem weit entfernten Schweden.

Greta (36, Banjo, Drums, Mundharmonika & Gesang)), Stella (33, Kontrabass & Gesang) und Sunniva Bondesson (30, Gitarre & Gesang)) sind Schwestern und machen seit 2006 unter der Firmierung BASKERY gemeinsam Musik. Das Trio hat sich handgemachtem Alternative Country verschrieben und sich mit seinem mehrstimmigen Gesang auch in dass Herz von Frau Müller gespielt, die BASKERY bereits zu „Inas Nacht“ in den Schellfischposten und jetzt auch auf Tour eingeladen hat. Ein Vorprogramm ist bei INA MÜLLER nicht unbedingt selbstverständlich und so ging die durchaus hörenswerte und mit viel Spielfreude absolvierte halbstündige Show ein wenig im mit 7.000 Besuchern ausverkauften Gerry-Weber-Stadion unter, da die Damen 15 Minuten früher als angekündigt zu spielen begannen und viele Zuschauer zu diesem Zeitpunkt noch bei einem Bierchen die Sonne genossen oder auf der Suche nach ihrem Sitzplatz waren. Anders als bei den sonstigen INA-MÜLLER-Gigs, die aktuell unter dem Motto „live & draußen“ stattfinden, war die OWL-Konzertvenue nämlich bestuhlt und fand in einem mehr oder weniger geschlossenen Raum statt, in dem üblicherweise auch Tennis gespielt wird. Ina hatte darauf bestanden, dass zumindest das Dach geöffnet blieb, auch wenn die Nachbarn das ob der akustischen Nebenwirkungen nicht wirklich zu schätzen wussten. Vielleicht lag hier aber auch der Grund für den etwas vorverlegten Start der BASKERY-Ladies, die bereits um 19.30 Uhr die Stage in Hot Pants und ebenso kurzen roten Jäckchen enterten. Los ging’s mit dem Song „Here To Pay My Dues“, das schon mal ordentlich groovte und die stimmlichen Qualitäten der drei Blondschöpfe unter Beweis stellte. Mit dem knackigen „Shame And Dance“ konnte der flotte Dreier dann auch den einen oder anderen im Auditorium zum Mitklatschen animieren, bevor es mit „The Shadow“ einen brandneuen Track mit viel Rhythmus und E-Gitarre auf die Ohren gab. Cool ging’s mit „Throw A Bone“ zur Sache und mit ihrem finalen Kracher sorgten die Swedish Sisters dann am Ende noch einmal für ausgiebige Akklamationen, während die Geräuschkulisse in der Halle teilweise schon ein wenig störend war. Ein bisschen mehr Aufmerksamkeit hätten BASKERY für ihren frischen Sound durchaus verdient gehabt. Immerhin gab’s für die Mädels am Schluss noch einmal freundlichen Applaus und möglicherweise konnten sie auch ein paar neue Fans gewinnen. Mich hatten sie bereits vorher auf ihrer Seite und ich habe mich gefreut, sie mal wieder live zu erleben, wenngleich die Show im Glanz & Gloria vor vier Jahren naturgemäß deutlich intimer war.

Auf jeden Fall brauchte heuer niemand lange auf den Hauptact des Abends zu warten. Innerhalb weniger Minuten wurde die Bühne geräumt und nahm Inas Live-Band ihre Plätze ein. Die beiden Sängerinnen Ulla und Sarah Jane im Übrigen nicht wie sonst hinten links, sondern vorn rechts – aber im Mittelpunkt wie eh und je: INA MÜLLER, die dank „Drei Männer her“ vom 2008er „Liebe macht taub“ gleich einen gelungenen Start hinlegte und mit reichlich Beifall empfangen wurde. Die norddeutsche Sabbeltasche, die eben erst zur beliebtesten norddeutschen Popmusikerin gewählt worden ist (übrigens dicht gefolgt von ihrem Lebensgefährten Johannes Oerding), war offensichtlich bester Laune und schnackte zunächst einmal mit den beiden Securities Thomas und Jeffrey, die rechts und links der „Showtreppe“ für Ordnung sorgten und Ina zu ihrem ganz persönlichen Whitney-Houston-Moment verhalfen, indem sie ihre 47 kg (ohne Knochen) behände zurück auf die Bühne trugen und sacht auf dem Flügel von Kai Fischer absetzten, wo sie ihr „Hoffentlich ist der Sommer bald vorbei“ (2006 auf „Weiblich, ledig, 40“ erschienen) zum Besten gab. Aufgrund der doch unterschiedlichen Reaktionen im Publikum darf man wohl annehmen, dass nicht alle Nordrhein-Westfalen mit dem Text gänzlich konform gingen, aber da bestimmt ebenso viele Gäste aus dem nahen Niedersachsen zugegen waren, passte das schon. Und mit Sicherheit liebten alle die blonde Kodderschnauze für Sprüche wie: „Und dann hat der liebe Gott gesagt; Hirn ist aus, jetzt gibt’s Titten!“ oder ihre Idee, E.ON möge doch ihre Hitzewallungen in Energie umsetzen. Sie sei nämlich ein kleines, dickes Bio-Atomkraftwerk. So erfuhren die Fans auch gleich noch, dass sie sich ein bisschen wie der Altweibersommer fühle, den es allerdings lt. Wetterfrosch Sven Plöger gar nicht gebe. Wenn es Ende September noch mal warm wird, liegt dies nur daran, dass alle Rentner gleichzeitig die Heizungen aufdrehen. Vorher hielt Frau Müller jedoch noch ihre „Nees im Wind“ – plattdeutsch gefühlvoll versteht sich und machte anschaulich deutlich, welche unschlagbaren Vorteile Männer „Mit Mitte 20“ haben. Die Brücke zwischen „YouPorn“ und „Zalando“ kann vermutlich auch nur jemand wie INA MÜLLER schlagen, die deshalb jetzt ein entsprechendes Geschäftsmodell zum Patent anmelden will und noch eine kleine Gedächtnishilfe parat hatte, damit beim Small Talk You Tube und YouPorn nicht durcheinander geraten: You Tube ist das mit den kleinen süßen Kätzchen und YouPorn das mit den Muschis… „Fremdgehen“ vom aktuellen Studiolongplayer „Das wär’ Dein Lied gewesen“ schlug dann noch einmal leise Töne an, bevor es mit „Mark“ ebenso knackig wie nahtlos weiter ging. Dabei hatte Frau Müller doch noch so viel zu sagen. Etwa, dass sie gern Obst ist. Schokolade zum Beispiel. Ja, nach ihrer Definition ist Schokolade Obst, schließlich wachsen Kakaobohnen auf Bäumen, oder? Nach der Miracoli-Definition ist sie vier Personen und wenn der Herrgott nicht gewollt hätte, dass man nachts isst, hätte er nicht zugelassen, dass es in Kühlschränken Licht gibt – sagt die Frau, die sich selbst als kleine, dicke Biomülltonne ohne Grundumsatz bezeichnet und folgendes Karma ihr eigen nennt: Esse, was gar ist; rede, was wahr ist; trinke, was klar ist; vögel’, was da ist! In diesem Sinne ging’s mit „Auf halber Strecke“ inklusive Gospelsounds wieder in die Vollen und durfte die Zuschauerschaft dem Reggae-Style von „Dumm kickt gut“ auch ein paar Gesänge hinzufügen. „So was passiert mir heut’ nicht mehr“ startete leise, um dann wieder ordentlich Fahrt aufzunehmen – mitsamt fetter Gitarreneinlage von Hardy Kayser. Alle Beteiligten auf der Stage hatten schließlich bei „Das wär’ Dein Lied gewesen“ noch ein Solo, wobei die Mannschaft spielend das ROBBIE-WILLIAMS-Motto „Let Me Entertain You“ (neben weiteren Rockklassiker-Snippets) aufnahm. Als Belohnung gab’s nach 105 Minuten regulärer Spielzeit Standing Ovations und natürlich wurde auch von INA MÜLLER noch einmal amtlich nachgelegt.

Den Anfang machte das emotionsgeladene „1000 Lichter“, bei dem die gebürtige Landwirtstochter aus der Nähe von Cuxhaven am blau illuminierten Bühnenrand Platz nahm, ehe sie mit „Lockiget Hoor“ („Kockin’ On Heaven’s Door“ ließ grüßen) noch mal platt kürte und sich einmal mehr der Hilfe von Sicherheitsexperte Jeffrey versicherte, der sie eigenhändig backstage trug und ein wenig zerzaust zurückkehrte, während Ina ihren Fans mit einem Bier zuprostete. Inzwischen hatte sie ihre hochhackigen Pumps gegen deutlich bequemere gelbe Gummistiefel eingetauscht, um dem gnädigen Wettergott noch ein letztes Dankes-Tänzchen zu widmen (Friesennerz und Südwester blieben derweil am Garderobenständer hängen). Auch für BASKERY fand die sympathische Entertainerin, die am 25. Juli ihren 48. Geburtstag feiert, noch lobende Worte und schon waren zwei Stunden mit ihr wie im Flug vergangen. Ihr Mix aus eingängiger Musik und frechem Mundwerk ist einfach immer wieder absolut unterhaltend und deshalb darf man(n) und Frau sich auch schon auf die kommende Hallentour freuen, die INA MÜLLER erneut in terrorrelevantes Gebiet führen wird. U.a. macht sie in Bielefeld (11.01.2014), Münster (12.01.2014) und Osnabrück (16.02.2014) Station. Bis dahin können die Herren auch noch einmal überprüfen, ob Inas Toilettenlektüre „Unnützes Wissen“ tatsächlich mit der Behauptung richtig liegt, das beste Stück eines Mannes sei immer dreimal so lang wie sein Daumen.

Setlist INA MÜLLER
Drei Männer her
Hoffentlich ist der Sommer bald vorbei
Nees im Wind
Mit Mitte 20
YouPorn
Zalando
Fremdgehen
Mark
Auf halber Strecke
Dumm kickt gut
So was passiert mir heut’ nicht mehr
Das wär’ Dein Lied gewesen

1000 Lichter
Lockiget Hoor

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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