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INCUBUS – FIN.

Ort: Köln - Lanxess Arena

Datum: 19.11.2011

„If not now, when?“ dachten sich letzten Samstag die nicht ganz 10.000 Zuschauer, die die Chance nutzten, INCUBUS endlich wieder einmal live sehen zu können und strömten in die Lanxess Arena nach Köln. Nachdem es in den letzten Jahren etwas ruhiger um die Kalifornier geworden war, brachten sie anno 2011 das neue, eingangs zitierte Studioalbum heraus und präsentierten dieses bereits im Juni in Berlin. Nun ist die Band um den sympathischen Brandon Boyd auf großer Welttournee und macht für einige Dates auch Halt in Deutschland.

Zunächst gab es aber pünktlich um 20 Uhr als Support die Briten von FIN. Seit November 2008 ist das Quartett, das live durch eine Keyboarderin/ Gitarristin verstärkt wird, in den Clubs ihrer Heimatstadt London unterwegs und erweiterte nun den Radius ihres Werkens, um ihre in den Startlöchern stehende Debut-CD schon einmal live zu promoten. Musikalisch machen FIN. alternativen Rock und das sogar richtig gut, was auch zu anerkennendem Applaus seitens des Kölner Publikums führte. Viel Neues gab es musikalisch nicht, aber in Anbetracht der Tatsache, dass die Mitglieder FIN.s erst knapp über 20 sind, war der Auftritt vor so großer Kulisse bereits sehr routiniert und abgezockt. Da die Band hierzulande noch recht unbekannt ist, bautensie als bekannten Coversong noch „Suds & Soda“ von DEUS ein. Insgesamt gab es unterhaltsame 40 Minuten, die die Wartezeit auf INCUBUS angenehm verkürzten.

Nach kurzer Um- bzw. Abbaupause war es dann endlich soweit: INCUBUS stürmten auf die Bühne und gaben zu „Megalomaniac“ von Anfang an richtig Gas. Das neue Album hatte bei Presse und Fans unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Zwar haben die Kalifornier seit jeher Balladen im Repertoire, doch ist die neue CD insgesamt ruhiger ausgefallen und es fehlen die rockigeren Songs, was vielfach angeprangert wurde. So schien die Band in Köln von Anfang an klarstellen zu wollen, dass man auch immer noch beides kann und spielte ein insgesamt sehr abwechslungsreiches Set mit Songs all ihrer CDs. Den Bühnenhintergrund stellte eine große LED-Leinwand dar, auf weitere Bühnen- oder Show-Elemente verzichteten INCUBUS an diesem Abend vollkommen. Auf der Leinwand wurden die gerade gespielten Songs visuell untermalt. So gab es zu „Megalomaniac“ das collagenhafte Video des Songs auf der Leinwand, später dann verschiedene visuelle Effekte, in die immer wieder live gefilmte Bilder der gerade stattfindenden Show eingebaut wurden, was somit auch den Zuschauern auf den hinteren Tribünenränge erlaubte, die Show optisch mit zu verfolgen. Angenehmerweise blieb die Leinwand aber einige Male auch einfach dunkel und diente somit wirklich nur als Untermalung, ohne die Fans mit visuellen Reizen zu überfordern. Im Vordergrund stand also weiterhin die Musik der Kalifornier und neben der nahezu perfekt gestalteten Setlist wurden die Songs auch mit großer Perfektion live präsentiert. Nach dem rockig-funkigen Beginn kam dann mit „Promises, promises“ die erste Single des neuen Albums und ein ruhiger Song, der seitens des Publikums lauthals abgefeiert wurde. Die Fans präsentierten sich an diesem Abend so unterschiedlich und abwechslungsreich wie die Band selbst und würfelten sich aus allen Altersschichten zusammen. Zumindest akustisch klar dominierend waren an diesem Abend jedoch die weiblichen Zuschauer, die Brandon Boyd lauthals zujubelten. Nicht umsonst gilt dieser ja als Frauenschwarm. Brandon zeigte jedoch eindrucksvoll, dass er eben nicht nur gut aussieht, sondern „nebenbei“ auch noch hervorragend singen kann. Es war wirklich beeindruckend, fast schon erschreckend, wie perfekt seine Stimme auch live in allen Tonlagen und sowohl laut als auch leise, schnell wie auch langsam funktionierte. Natürlich wusste er auch, was er seinen weiblichen Fans schuldig war, und so fiel erst das Sakko, dann das T-Shirt. Brandon spielte die zweite Hälfte der Show mit nacktem Oberkörper und kam dabei manches Mal ein wenig wie eine Reinkarnation von Jim Morrison daher. Vielleicht kein Zufall als dann bei „Are you in“ eine Passage von „Riders on the storm“ der DOORS gesungen wurde? Gerade der eingebaute Akustikteil, den Brandon nur mit Gitarre begleitet mit den Songs „Defiance“ und „Love hurts“ bestritt, bescherte Gänsehautmomente. Zwar wünschte man sich INCUBUS in diesen Momenten zurück in die intime Atmosphäre von kleineren Clubs, doch zeigte die Band im gleichen Moment, dass sie eben auch die großen Arenen bespielen können und es schaffen, allein mit ihrer Musik die Halle komplett zu vereinnahmen.

Da Publikum dankte es ihnen und unterstützte die Band selbst aus Leibeskräften, gerade Songs wie das gegen Ende gespielte „Drive“ wurden lauthals gesungen. Mit „Wish you were here“ wurde dann nach gut 90 Minuten das reguläre Set beendet und die Band verließ die Bühne, kehrte aber schnell durch die Zugaben-Chöre gerufen wieder zurück. Es folgten abschließend noch „A certain shade of green“ und „Tomorrow´s food“, bevor das Konzert endgültig vorbei war. Bleibt zu hoffen, dass INCUBUS nicht wieder so lange auf sich warten lassen und bald zurück in deutsche Hallen oder auf die Festivals der Republik kommen. Live sind und bleiben die Herren ein unvergessliches Erlebnis.

Setlist INCUBUS
Megalomaniac
Pardon me
Adolescents
Promises, promises
If not now, when?
A crow left to the murder
Anna Molly
Nowhere fast
Vitamin
In the company of wolves
Defiance (acoustic)
Love hurts (acoustic)
Are you in
A kiss to send us off
Echo
Switchblade
Nice to know you
Drive
Wish you were here

A certain shade of green
Tomorrow´s food

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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