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INFERNO FESTIVAL 2009 – TAG 1

Ort: Oslo - Rockefeller/ John Dee

Datum: 09.04.2009

Die Entscheidung, recht „früh” gen Bett zu wandern, stellte sich anbetracht des herrlichen Wetters, welches so wohl keiner erwartet hätte – schließlich sah man überall noch Schnee liegen – als gut heraus. Nach einem Frühstück war Entspannen am Meer angesagt, der Hafen rund um die Akershus Festung und Akerbrygge luden zum gemütlichen Spaziergang ein, was sich angesichts der Menschenmassen wohl auch noch eine Menge andere Menschen gedacht hatten. Eine Hungerattacke vor dem Festival sorgte außerdem noch für die Entdeckung einer günstigen Nahrungsquelle, eine norwegische Pizzakette bot über die gesamten Feiertage ein „All You Can Eat” für nur 99 Kronen an – was sich angesichts anderer Preise bei diversen anderen Fastfoodketten, wo man für ein kleines Menü gut und gerne mal 85 Kronen hinblätterte, als ein wahrer Segen für den Geldbeutel herausstellte. Mehr als gut gesättigt, startete nach kurzem Fußmarsch durch die Innenstadt (und mit Verpassen des Openers KRAANIUM) das Inferno Festival.

NEGURA BUNGET

Eine weite Anreise hatten NEGURA BUNGET aus Rumänien hinter sich gebracht. Was zunächst ja schon einmal meine Alarmglocken angehen ließ – Rumänien assoziiere ich automatisch mit Transsilvanien, und die Einbindung dieser mythisch vorbelasteten Region in so manche Band-Bio der Düster-Frakion hat mir das eine oder andere musikalische Werk schon vorab verleidet. Image ist eben doch nicht alles, und auch etwaige musikalische Defizite lassen sich nicht mit Hilfe von Graf Dracula & Co kaschieren. Aber Halt! Diese Gedanken gerieten schon kurz, nachdem NEGURA BUNGET ihr Set auf der Bühne des Rockefeller starteten, ganz weit in den Hintergrund, denn die Truppe, zu der im Übrigen auch tatsächlich eine Frau in Form der Keyboarderin gehört, bot alles in allem eine tatsächlich abwechslungsreiche und durchaus hörbare Show! Los ging es mit einem der Premiere eines neuen Titels mit langem Einleitungspart, der nur von den Keys und der Stimme vom hünenhaften Fronter mit dem fremd klingenden Namen „Hupogrammos Disciple’s“ bestritten wurde. Zwar verstand ich kein einziges Wort, aber die an dieser Stelle intendierte Dramatik war auch so mehr als deutlich zu verstehen. Dann erst betrat der Rest der Band die Bühne und begannen, ihre sehr instrumentallastigen, düsteren und stark atmosphärischen Stücke darzubieten. Gleich beim angesprochenen ersten Song bspw. kam kein einziger weiterer Vocalpart mehr vor. Statt dessen eine Vielzahl verschiedenster Instrumente, die teilweise aber dazu führten, dass der Song etwas überladen und zeitweise gar durcheinander rüber kam. Beim zweiten Titel wurde dann direkt ein weiteres Manko deutlich, denn der darin enthaltene hohe Männergesang misslang vollkommen, ebenso wie der Einsatz der Panflöte. Beides schief und schrill. Angesprochenes Problem tauchte auch im Verlauf des Sets erneut auf, und auch der dann zu verzeichnende Gesangspart des eigentlichen Flötenmannes klang nicht wirklich blumig. Nachdem schon beim vorhergehenden Titel ein weiterer Musiker die Band erweitert und eine Art Glockenspiel bedient hatte, wurde es beim dritten Stück nun richtig eng auf der Bühne: Insgesamt sieben Musiker teilten sich nunmehr selbige, von denen neben dem eigentlichen Drummer auch zwei weitere an zusätzlichen Toms die Sticks und Schlägel in die Hand nahmen und ein – liegt nahe – sehr rhythmisches Stück darboten. Zusätzlich dazu schlug Fronter Hupogrammos auch noch mit einem Hammer auf ein großes hängendes Holzbrett (wer weiß, wie ein solches Ding zu nennen ist, möge es bitte im Forum posten). Hat mir richtig gut gefallen, der Feuereifer der Musiker sprang unweigerlich über! Insgesamt wechselten die Musiker ihre Instrumente noch häufiger in einer Art Rotationsprinzip und immer wieder kamen neue Instrumente hinzu. Interassante Kombinationen ergaben sich daraus, so dass bspw. beim vierten Titel nur Bass, Keys, Glocken und Schlagwerk involviert waren. Die Stücke waren insgesamt jeweils sehr lang und das Publikum zeigte sich deutlich angetan vom Spektakel auf der Bühne. Nach 6 Titeln auf 45 Minuten verteilt verließen NEGURA BUNGET pünktlich um 19h die Bühne. Prädikat: Sehenswert!

EPISODE 13

Nachdem NEGURA BUNGET auf der Hauptbühne die nun doch etwas zahlreicher vertretene Menge so langsam eingestimmt hatte, wurde es im kleinen John Dee richtig schön schwarz. Nachdem die Amis von EYES OF NOCTUM (mit dem Sohn von Nicholas Cage als Sänger – ja, damit brüstet sich die Truppe nach wie vor) abgesprungen waren, hatte man kurzerhand die türkische Black Metal Truppe EPISODE 13 ins Boot geholt. Eine gute Entscheidung, wie sich herausstellen sollte. Im Voraus hatte man die Jungs wohl „vorgewarnt”, dass es passieren könnte, dass sich nicht vielleicht nicht viele ins JD verirren – ob der noch recht frühen Uhrzeit und der wohl nicht allzu großen Bekanntheit – wie der Sänger mir später erzählte. Allerdings zeigten sich derartige Sorgen unbegründet. Der Club war zu Beginn bereits angenehm gefüllt und füllte sich auch weiter. Black Metal aus der Türkei, stellenweise blitzten orientalische Einflüsse durch – eine interessante Abwechslung zwischen all den nordisch geprägten BM Truppen. Auch hier ein: definitiv zu empfehlen, antesten! Gigs in Deutschland sind übrigens auch in Planung. Schnell nach oben zur Hauptbühne, denn dort stand nun der Auftritt von KAMPFAR an, die zudem den Pyro-Wahnsinn, der sich durch das gesamte Festival ziehen sollte, eröffneten.

Setlist EPISODE 13
Pitch Black
The Hunt Season
Ignorance Is Bliss
Pure Malefication
The Path

KAMPFAR

Ach je, wann widmet sich denn eigentlich mal ein Soziologe der anscheinend übermächtigen Anziehungskraft, die ziemlich kleine und ziemlich dünne Männer mit ziemlich engen Hosen und langen Haaren auf manche Frauen ausüben? Auch hier nun wieder scharten sich bereits einige – vermeidlich liebestolle – Damen vor der Bühne, um sich bereits 45 Minuten vor geplantem Beginn einen Platz in der Mitte der ersten Reihe zu sichern und selbigen im Verlauf des anstehenden Gigs mit aller Kraft zu verteidigen. Ts, ts. Ganz genau im Zeitplan begann dann auch das lange Intro KAMPFARs, während Bühne und waldiges Backdrop in dichten Nebel und grünes Licht gehüllt wurden. Das sah ja schon mal ganz trefflich aus! Es war dann inzwischen auch recht voll vor der Bühne und einige ungeduldige Fans versuchten beherzt, die Formation durch Klatschen auf die Bühne zu locken, die Band aber ließ sich Zeit. Und – natürlich – kam Fronter Dolk dann auch schön inszeniert durch Pyros erst nach seinen Bandkollegen aus dem Off hervor. Die Fotographen durften zu dieser Zeit noch immer nicht in den Fotograben, ein Indiz dafür, dass noch so manches Feuerspiel geplant war, und tatsächlich war der Graben erst nach dem dritten Song gefahrlos zu betreten. Oben angesprochene Damen wären sicherlich augenblicklichst dazu bereit gewesen, Dolk aus seiner Stretchbuxe zu helfen, die heute so eng schien, dass Spekulationen über Airbrush hier nicht abwegig wären. Los ging es – wie passend – mit dem Titel „Inferno“, gefolgt von „Dødens Vee“, welches vom Publikum wahrlich gefeiert wurde. Das Licht blieb den ganzen Gig über bei Grün-, Blau- und Weißtönen und auch die Nebelmaschine war im Akkord aktiv, so dass ich oben auf die Empore floh und die Nebelwand anfangs quasi bedrohlich auf mich zuschweben sehen konnte. Glücklicherweise funktionierte die Klimaanlage im Rockefeller gut, so dass ich davon absehen konnte, wie ein toter Käfer auf den Rücken zu fallen. Im Gegensatz zur Luft war der Drumsound glasklar, was mich ebenso freute wie die Tatsache, dass Dolk ab dem vierten Track zumindest vorübergehend mit seinen Ansagen ins Englische über wechselte, so dass auch die vielen ausländischen Besucher endlich mal mitverfolgen konnte, was er so zu berichten hatte. Immer wieder entsandte er auch aufrichtige Dankesgesten an das Publikum, das an diesem Abend wirklich guten Willens war. Grundsätzlich zeigte sich Dolk – der ja nun mal stets ganz deutlich im Zentrum KAMPFARs steht – sehr dem Publikum zugewandt. All die Nettigkeiten haben mich persönlich aber nicht davon ablenken können, dass ich den Song „Hymne“, der natürlich nicht fehlen durfte, nach wie vor als heilloses Gejaule empfinde und erneut befremdet die Stirn kräuselte. Mit „Vettekult“ wurde im Anschluss noch ein weiterer Titel vom neuesten KAMPFAR-Output „Heimgang“ aus dem Jahre 2008 dargeboten, und bereits einige Zeit später wurde der 45-minütige Gig mit einem Großaufgebot an Pyros und einem abschließenden, Mark erschütternden Riesenknaller beendet.

AZARATH

AZARATH aus Polen ballerten danach eine Ladung todesbleierne Schwärze in den kleinen Club. Zeitweise kam man sich im John Dee wirklich wie am Bahnhof vor – ein ständiges Kommen und Gehen. In der Nähe der Tür sollte man also am besten nie stehen bleiben. Das wiederum sorgte aber auch dafür, dass eigentlich keine Band vor einem gähnend leeren Raum spielen musste. Wäre nur schön gewesen, wenn die Bands nicht ganz so nahtlos ineinander übergegangen wären, denn es passierte recht häufig, dass sich der Club kurz vor Ende des Sets merklich leerte, da wohl Einige einen Platz weiter vorne an der Hauptbühne ergattern wollten.

Setlist AZARATH
Devil’s Stigmata
Queen Of The Sabbath
Sacrifice Of Blood
Screamin‘ Legions Death Metal
Azazel
Invocation
Baptized In Sperm
For Satan My Blood

THE BATALLION

Welch angenehme Überraschung! Nach der kurzfristigen Absage von MESHUGGAH konnten auf den letzten Drücker noch schnell THE BATALLION engagiert werden, die bereits ein Jahr zuvor zum Billing des Infernos gehört hatten und auf der traditionellen Kick Off-Party zum diesjährigen Inferno im Februar ebenfalls anzutreffen waren. Hier an diesem ersten richtigen Festivaltag nun sorgte ihr Auftritt dafür, dass sich die Running Order verschob und somit PESTILLENCE zum Headliner des Abends wurden. Der Manager von THE BATALLION kündigte seine Truppe vor dem Gig noch kurz an und gab dem Publikum mit auf den Weg, dass man kein gleichwertiger Ersatz für MESHUGGAH sei, aber durchaus zu rocken wisse. Und mit Letzterem sollte er den Nagel ganz genau auf den Kopf getroffen haben! THE BATALLION betraten die Bühne in fast so engen Stretch-Jeans wie zuvor Dolk von KAMPFAR, komplettierten das Outfit aber noch standesgemäß mit lässigen Cowboyboots und erfüllten den Raum stante pede mit einem Hauch 80er Jahre – auch und gerade musikalisch. Von jetzt auf gleich legten die Norweger zünftig los mit ihrem schnellen Gute Laune-Thrash Metal, Hut ab, genau das war es, was der Abend noch gebraucht hatte! Dass die Herren im noch recht jungen Projekt THE BATAILLION (2006) bereits in anderen mitunter namhaften Bands (OLD FUNERAL, BORKNAGAR, GRIMFIST…) ausreichend Spielerfahrung sammeln konnten, merkte man der gesamten Combo aber besonders auch Fronter Stud Bronson an, der sich auffallend pudelwohl in seiner Position fühlte. Unvergessen werden nicht zuletzt die Momente sein, in denen Bronson mit charmantem Grinsen versuchte, mit – oder eher trotz – Stretch-Buxe in die Knie zu gehen, um etwa sein Getränk zu erreichen, und beim Aufstehen in arge Bedrängnis und bedrohliches Wanken geriet. Musikalisch sind insbesondere „Man to Man (Warfare)”, „Smoke ’em out“ und – natürlich – das glanzvoll titulierte „Spirit of Masculinity“ als Anspieltipps zu nennen. Ein rundum gelungener Auftritt, würde und werde ich mir jederzeit wieder ansehen. Auf jeden Fall ganz weit vorne bei meinem persönlichen Resümee!

Setlist THE BATALLION
Victims
Man To Man (Warfare)
Detonate
Mind My Step
Smoke ‚Em Out
Thickskinned
Hate At Last Sight
March Of The Veterans
20 Paces To Death
Last Dawn
Spirit Of Masculinity
Born In A Grave

RAMESSES

Der Auftritt von RAMESSES, die anschließend im Club doomten, was das Zeug hielt, fiel einem Treffen mit alten Bekannten zum Opfer. Die letzten Töne vom Rausschmeißer „Baptism Of The Walking Dead” konnte ich allerdings noch vernehmen, als ich das Gebäude wieder betrat und das sorgte dann doch dafür, dass ich es fast schon bereute die Truppe nicht gesehen zu haben.

SEPTIC FLESH

Den einen zu bombastisch, für die anderen genau richtig: SEPTIC FLESH. Diese profitierten ebenso wie PESTILENCE vom Ausfall MESHUGGAHs und konnten ihren Fans eine etwas verlängerte Setlist präsentieren. Ein Wahnsinn, welch dichten Klangteppich die Herren da fabrizierten, düster, einnehmend und von der Empore aus angesehen wirkte es umso imposanter. Definitiv eines der Highlights des Tages.

Setlist SEPTIC FLESH
Intro
Unbeliever
Chaostar
Faust
Communion
Virtues Of Tae
Lovecraft’s Death
Sumerian Daemon
Anubis
We The Gods
Gods Cult
Persepolis

UNEARTHLY TRANCE

UNEARTHLY TRANCE betraten als letzte Bands des Abends die Bühne, zumindest die Bühne im Club und doomten sich durch ihr Set. Für meinen Geschmack (und wohl auch ob meiner Unkenntnis des Songmaterials) stellte sich der Sound der New Yorker als eine etwas zu zähe Angelegenheit heraus, weswegen erst mal Kaffeefassen – lang lebe der Kaffeeautomat im Rockefeller – und Ausruhen auf der Tribüne angesagt war.

PESTILENCE

Dass das nicht die schlechteste Idee war, zeigte der folgende Gig der Niederländer von PESTILENCE, die ziemlich deutlich zeigten, dass sie mehr als heiß darauf waren, endlich wieder alles in Grund und Boden zu spielen war doch der Auftritt in Norwegen auch gleichzeitig Tourauftakt. Ein wenig müde wirkte die Menge schon, SEPTIC FLESH hatten aber auch wirklich ordentlich reingehauen – nichtsdestotrotz, ein paar Kräfte konnte man anlässlich des Death Metal Massakers mobilisieren. Nach diesem Gig dachte wohl auch kaum noch jemand an MESHUGGAH, die den Gig (und auch weitere skandinavische Daten) mehr als kurzfristig, 3 Tage vor Festivalbeginn um genau zu sein, aufgrund von Rückenproblemen des Drummers absagen mussten. Die wahnsinnigen Schweden wären nämlich an diesem Tag eigentlich Headliner gewesen. Aber nun, auch wenn ich für meinen Teil nach wie vor dem Auftritt hinterher trauerte, so hatten die Niederländer die neu gewonnene Headlinerposition mehr als passabel gefüllt. Mit einem Knall endete also Tag 1 des etwas anderen Osterfestes.

Im Gegensatz zum Vortag war nun noch ein kurzer Fußmarsch zum Rock In angesagt, das immerhin, oder besser gesagt leider – nur bis knapp 3 Uhr geöffnet ist. Dennoch eine der empfehlenswertesten Metalbars in der Stadt, nicht nur in punkto Mucke, sondern auch was den Spaßfaktor und die Leute angeht. Während der Festivaltage jedenfalls war’s immer ordentlich voll.

Copyright Fotos: Cornelia Wickel

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