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INFERNO FESTIVAL 2009 – WARMUP

Ort: Oslo - John Dee/ Garage

Datum: 08.04.2009

Das Inferno Festival hat sich im Laufe der Jahre zu einem wichtigen Termin im Kalender der (Black) Metaller gemausert. Nicht nur die Presse war zahlreich anwesend, mit Journalisten aus einer beeindruckenden Menge von 50 verschiedenen Ländern, auch das gesamte Publikum war mehr als buntgemischt. Jeder, der keine Lust auf das übliche Ostereiersuchen hatte und stattdessen lieber einen „Urlaub” mit metallischer Unterhaltung suchte, war hier an der richtigen Stelle. Selbst das Wetter zeigt sich nach einem verregneten Warm-Up-Mittwoch für die folgenden 3 Tage des Festivals von seiner allerbesten Seite. Sonne satt, viel Metal, eine Menge netter Leute, was will man mehr? Statt fand das Ganze, wie auch in den vorangegangenen Jahren wieder im Rockefeller und dem kleineren John Dee Club, der sich im Untergeschoss des gleichen Gebäudes befindet. Im Gegensatz zu den Vorjahren gab es hier allerdings selten wirklich arge Platzprobleme – ausverkauft war es nämlich nicht.

Anders aufgeteilt als im Vorjahr war’s auch – die Metalexpo, die sich im Vorjahr im Sentrum Scene auf der gegenüberliegenden Straßenseite befunden hatte, war 2009 ins Rockefeller verlegt worden, aufgrund der geringeren Anzahl an Ständen. Ebenfalls vor Ort war ein Tätowierer, der an allen Festivaltagen die Nadel glühen ließ… im wahrsten Sinne des Wortes, denn egal wann man dort vorbeiging, es war immer ein Tattoowilliger unter der Nadel. Wer sich nicht ganz so permanent verschönern lassen wollte, konnte sich am Stand direkt nebenan auch kunstvolle Frisuren zaubern lassen – an veränderungswütigen Langhaarigen soll’s nicht gemangelt haben. Für alle Interessierten (Pressevertreter) gab es zusätzlich noch die Möglichkeit zur Teilnahme an der INFERNO MUSIC CONFERENCE, kurz IMC, an der man für 100 Euronen zusätzlich Beiträgen über diverse Themen des Musikbusiness lauschen konnte und zudem eine Black Metal Stadtrundfahrt beiwohnen konnten, die Ziele wie die wiederaufgebaute Holmenkollen Kapelle und weitere Sehenswürdigkeiten der norwegischen BM Geschichte ansteuerte. Soviel also zum Drumherum, beginnen wir mit dem Warm-Up Tag.

Nachdem ich bereits am Dienstag angereist war, begann am Mittwoch ohne große Hetzerei nach ein wenig Sightseeing (sofern das beim verregneten Wetter so genannt werden kann) das Inferno Festival mit seinem Warm-Up Tag. Über die gesamte Innenstadt verteilt spielten in 6 verschiedenen Locations (Subscene, John Dee, Rock In, Bla, Garage und Victoria) 16 verschiedene Bands – die Qual der Wahl also!

SARKE

Meinereiner entschied sich nach einem Hin und Her Überlegen für die Indie Recordings Labelnight mit SARKE, MENCEA und SAHG im John Dee, in dem am folgenden Tag auch das Festival steigen sollte. Bis auf Letztere also mehr oder weniger Newcomer (2008 gegründet). Weswegen ich „mehr oder weniger Newcomer” sage, wird gleich beim Opener ersichtlich, denn SARKE haben mit Nocturno Culto (DARKTHRONE) sicherlich kein unbekanntes Gesicht in ihren Reihen. So war es auch nicht weiter verwunderlich, dass der Club bereits zu Beginn ordentlich gefüllt war. Alle Anwesenden waren gespannt auf den ersten Livegig der Truppe, die hier ihr Debüt „Vorunah” zum Besten gab und wunderbar rotzig-rockig-thrashiges zum Warmwerden zum Besten gab. Das sollte man auf alle Fälle mal antesten!

Setlist SARKE
Primitive Killings
The Drunken Priest
Cult Ritual
Frost Junkie
Old
Vorunah

MENCEA

MENCEA sorgten im folgenden mit ihrem Prog Death für eine 180 Grad Wendung, die aber nicht minder überzeugend war, auch wenn das Publikum leicht dezimiert war – wahrscheinlich war der Sound manchen etwas zu technisch, wobei sie meiner Meinung nach absolut im grünen Bereich blieben. Bei der Vorband hatte wohl Mr. Nocturno Culto für genügend Zuschauer gesorgt. Passenderweise reicht die Spielzeit, um beinah das komplette Debütalbum „Dark Matter Energy Noir“ zu präsentieren. Und damit konnte ich eine weitere Band auf die Liste empfehlenswerter Bands setzen – mittlerweile war ich mir sicher, die richtige Entscheidung für den Club Abend getroffen zu haben.

Setlist MENCEA
The Passing
Forbidden
Deep In The Under
The Holy Cast
Ardad
When Strife And Greed Collide
Eminence

SAHG

SAHG hatten an diesem Abend einen Platz im Billing erhalten, da sie seit eben jenem Tag neu im Roster von Indie Recordings waren und damit quasi ihren Einstand beim Label feierten. Allzu unbekannt dürfte die Doomtruppe nicht mehr sein, befinden sich doch Mitglieder von MANNGARD, AUDREY HORNE und GORGOROTH in ihren Reihen. So furchtbar doomig oder langatmig war der Auftritt, der mit „Ascent To Decadence” eingeläutet wurde, aber keinesfalls, im Gegenteil, das Material kam äußerst schmissig rüber und sorgte gar bei einigen Norwegern für Kopfnicken. Das genau dieses Kopfnicken bei Einigen schon das höchste der Gefühle in Punkto „Mitgehen” war, sollte sich im Verlauf des Festivals noch so einige Male herausstellen. Wenn man Konzerte in Deutschland gewohnt ist, ist es immer wieder seltsam, keine Crowdsurfer, selten Moshpits und nur vereinzelte Headbanger im Publikum zu sehen. Ob es am (noch) zu niedrigen Alkoholpegel lag oder sich alle einfach nur ihre Kräfte für das Festival aufsparen wollten, man weiß es nicht. So oder so war die Stimmung bei letzten Song „Pyromancer” wirklich gut.

Setlist SAHG
Ascent To Decadence
Echoes Ring Forever
Star-Crossed
The Executioner Undead
Godless Faith
Soul Exile
Pyromancer

BENEA REACH

Da im John Dee bereits gegen halb 12 Schicht im Schacht war, entschieden wir uns, uns auf den Weg zur Garage zu machen, die mehr oder weniger um die Ecke lag und gegen 0:15 mit BENEA REACH noch einen richtigen Leckerbissen zu bieten hatte. Diese Band dürfte definitiv jeden Anhänger von Prog Death (mit leichtem Metalcore Einschlag) freudig stimmen. Ein Mitglied von EXTOL mischt ebenfalls mit, nur mal so als Randbemerkung, um die Band in etwa im norwegischen Band-Dschungel zu verorten. Keine leichte Kost um diese Uhrzeit, aber hier kam mal ein wenig Bewegung ins Publikum. Diese 4 Bands waren kein schlechter Einstand für den ersten Tag. Gegen 2 Uhr war allerdings fürs Erste ein Rückzug zum Hotel angesagt, schließlich wollte man nicht gleich am ersten Tag erst kurz vor Festivalbeginn aus dem Bett fallen.

MANHATTAN SKYLINE

Während meine Kollegin ihre Zeit also bis zum Zapfenstreich im John Dee verbrachte, entschied ich mich, schon einen Deut früher ins Garage über zu wechseln, um mir dort die norwegische Formation MANHATTAN SKYLINE anzuschauen. Mit dieser Wahl hatte ich mich bewusst für eine mir vollkommen fremde, vermeintlich dem Untergrund Oslos entwachsene und dort vermutlich nach wie vor mehr oder minder umher tingelnde Band entschieden, die ihr Debütalbum „Curses“ im Gepäck hatte. Dass meine Entscheidungen nicht immer die Besten sind, ahnte ich in diesem Falle erst kurz vor Beginn der Show, als mir bei Ansicht eines Flyers auffiel, dass das Genre der Band nicht nur einfach eine der gängigen „-core“-Varianten umschließt – womit ich gut hätte leben können – sondern gar dem „Mathcore“ zuzuschreiben ist. Oje – Dissonanzen, kuddelmuddelige Soundstrukturen. Und – soviel sei verraten – die Jungs mit dem charmant missglückten Retro-Kleidungsstil sollten den Prämissen genannten Genres mehr als gerecht werden und sorgten bei mir mit ihrem musikalischen Wirrwarr und der riesengroßen Portion progressiver Elemente für erhöhten Blutdruck. Gerade auch dem subjektiv viel zu hohen, sehr monotonen Gesang des Fronters – wirklich ohne jedwede Variation – war mitunter schwer zu lauschen. Um einem Herzklabaster zu entgehen, konnte ich auch wahrlich nicht bis zum Ende durchhalten! Im Internetauftritt MANHATTAN SKYLINEs ist jedenfalls zu lesen, man habe „[an] interest in […] generally sound as laboratory material“, und genau das hört man deutlich. Eine sehr ambitionierte Truppe, aber im Stageacting sicherlich zu theatralisch und eine gehörige Spur zu übereifrig, und musikalisch schlichtweg nicht meine Wellenlänge. Freunde genannter Stilrichtung sollten aber getrost mal ein Ohr riskieren. Was mir von diesem Konzert aber sicher hängen bleiben wird, das ist der wirklich mutige Schnauzbart des Sängers, mit dem sich der Durchschnittsmann sicherlich nicht mal nachts zur Tankstelle trauen würde. Respekt, da gehört echt schon eine gehörige Portion Humor (und ein Beruf fernab des Kundenkontakts) hinzu, um auch im realen Leben so rum zu rennen!

Copyright Fotos: Cornelia Wickel

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