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INSOMNIUM – GHOST BRIGADE

Ort: Hamburg - MarX

Datum: 20.05.2010

Eines sei diesem Bericht vorangestellt: Bereits im Vorfeld hatte der Verfasser dieser Zeilen das Gastspiel der beiden aufstrebenden Metal-Vetreter aus dem Land der tausend Seen als sein persönliches Highlight des Monats auserkoren. Dementsprechend groß war die Vorfreude und sie sollte nicht enttäuscht werden. Aber der Reihe nach:

Pünktlich um 21.00 Uhr betraten GHOST BRIGADE zu den wabernden Klängen des sphärischen Bühnen-Intros die bereits üppig eingenebelten Bretter, die die Welt bedeuten. Von der ersten Minute an überzeugte nicht nur die sehr motiviert wirkende Band, sondern auch (nicht unbedingt selbstverständlich für den kleinen Nebenraum der Markthalle) der sehr transparente Sound, der die Feinheiten der eigenwilligen Musik der fünf jungen Finnen gut zur Geltung brachte. Dargeboten wurden an diesem Abend hauptsächlich Songs vom aktuellen Album „Isolation Songs“, das ebenso wie das 2007 erschienene Debüt „Guided By Fire“ vor intelligenten Riffs und schwelgerischen Melodien nur so strotzt. Spätestens beim bereits an dritter Stelle in die gut gefüllten Reihen geschmetterten Überhit „Into The Black Light“ waren die Reaktionen des Publikums dann auch weit mehr als nur anerkennend, so dass sich Sänger Manne Ikonen sogar zu einem freudigen Lächeln hinreißen ließ. Auch im weiteren Verlauf des Sets begeisterte die Truppe mit einer ausgewogenen Mischung aus bedrohlich wabernden, mitunter gar Postrock-inspirierten Songs und treibenden Nackenbrechern. Nach der für einen Support sehr amtlichen Spielzeit von 55 Minuten und dem furiosen „A Storm Inside“ forderte das Auditorium so vehement eine Zugabe, dass diese dann auch in Form des mit BLACK SABBATH – Versatzstücken gespickten, sehr doomigen „Deliberately“ bereitwillig gewährt wurde, bevor nach einer vollen Stunde dann endgültig Schluss war und man keineswegs das Gefühl hatte, hier lediglich einen gut gewählten Anheizer gesehen zu haben sondern eine hoch ambitionierte und kreative Band, von der man auch in Zukunft noch einiges erwarten kann.

Nach einer kurzen Umbaupause von 20 Minuten enterten dann die selbsternannten „finnish hippies on the road“ von INSOMNIUM die Bühne und wurden vom Publikum begeistert empfangen. Die derzeit vielleicht melodischste aller Melodic Death Metal – Bands legten von Beginn an eine unglaubliche Spielfreude an den Tag und sorgte dadurch für fliegende Haarprachten bis in die hinteren Reihen. Schade nur, dass sie im Gegensatz zu GHOST BRIGADE unter einem altbekannten Problem des MarX zu leiden hatten: einem eindeutig zu lauten und dadurch übersteuerten und intransparenten Sound, der leider das wichtigste Element der Musik der vier Finnen nicht richtig zur Geltung kommen ließ: die wunderbaren Melodiegitarren der Herren Friman und Vänni, die diese Band so einzigartig machen. Aber dennoch: Songs wie „The Killjoy“, das unglaubliche „The Day It All Came Down“ oder „Where The Last Wave Broke“ zogen die schwitzende Meute unweigerlich in ihren Bann. „Eine finnische Sauna ist ein Scheiss dagegen“ schnaufte ein fleißiger Headbanger neben mir bereits nach wenigen Minuten, nur um daraufhin sofort wieder den Propeller anzuwerfen. Nach einer knappen Dreiviertelstunde sollte das reguläre Set dann mit dem grandiosen „Devoid Of Caring“ bereits beendet sein, was so natürlich nicht hingenommen werden konnte, so dass die Herren zu zwei weiteren Songs nochmals auf die Bühne kamen. Nach dem zehnminütigen Epos „In The Halls Of Awaiting“ und insgesamt einer knappen Stunde war dann aber wirklich Feierabend und den vier sichtlich dankbaren Musikern blieb nach ihrer allerersten (!!) Headliner-Show in deutschen Landen nur noch, anzukündigen, dass man sicherlich bald wiederkommen werde. Ja bitte, machen Sie das, meine Herren, und bringen Sie doch vielleicht dann noch ein paar mehr von diesen wunderbar pathetischen Melodien mit, die man auch auf dem Heimweg noch fröhlich vor sich hin pfeift! Bis dahin wird die Erinnerung an dieses trotz der etwas mageren Spielzeit großartige Konzert immer mal wieder für ein heimliches, seliges Lächeln sorgen. Wunderbar!

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