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IRON MAIDEN – IN FLAMES – PAPA ROACH – MASTODON

Ort: Düsseldorf - ISS DOME

Datum: 17.06.2007

Es ist 23 Uhr in einem Düsseldorfer Parkhaus und für gut 45 Minuten geht nichts mehr! Hunderte von Autos stecken in der Ausfahrt fest, aus dem einen schallt lautstark RAGE AGAINST THE MACHINE, aus dem nächsten FREI WILDs „Südtirol“ (BÖHSE ONKELZ-Gedenkmucke) und woanders scheppert die neue MACHINE HEAD aus den Boxen. Ganz klar, hier hat ein großes Metal-Konzert stattgefunden. Aber nun erstmal alles der Reihe nach.

Ursprünglich war geplant, dass die legendären IRON MAIDEN in der Arena des MSV zu Duisburg rocken sollten. Doch „offiziell“ aufgrund von Lautstärkebestimmungen wurde die Show wenige Wochen vor Termin in den brandneuen ISS Dome, der Heimat der DEG Metrostars, verlegt. Wer aber einen Blick auf die doch nicht wenigen freien Plätze in der bei Konzerten sonst über 12.000 Menschen fassende Halle warf, konnte sich eigentlich denken, warum man diesen Wechsel vollführt hat.

Bei Ankunft in der wirklich ansehnlichen Location waren MASTODON schon mächtig bei der Sache. Und wie zu erwarten konnten die meisten der MAIDEN-Anhänger mit den beinharten und komplexen Rock-Songs wie „Blood and Thunder“, „Colony of the Birthman“ oder „Crystal Skull“ nicht besonders viel anfangen. So fielen Kommentare der Marke „Die spielen ja irgendwie jeder für sich und alle aneinander vorbei“. Bei einem etwas verwaschenen Sound sind solche Urteile natürlich nicht verwunderlich, sind die walzenden Dampfhämmer der Amis dann doch eher was für Shows in Club-Ambiente. Dennoch wurden MASTODON nach gut 30 Minuten mit wohlwollendem Applaus entlassen.

Den zweiten Teil des ungewöhnlich zusammengestellten Vorprogamms markierten die CrossOver-Spezialisten von PAPA ROACH! Auch wenn der kommerzielle Erfolg nach dem herausragenden „Infest“-Album doch etwas zu wünschen übrig ließ, haben sich die Schaben in den ganzen Jahren zu einer richtig geilen Live-Band entwickelt. So legten die Amis auch gleich mit „… to be loved“ richtig los. Allen voran natürlich wie immer Shouter Jacoby Shaddix, der wieder einmal wie ein Derwisch über die Bühne fegte und auch mal eben quer durch den Innenraum düste, um mit den gut mitgehenden Fans am zweiten Wellenbrecher ordentlich abzufeiern. Dabei war der stark tättowierte Fronter zu jeder Zeit und bei jeder Action super bei Stimme. Derweilen sorgten seine Bandkollegen für einen fett drückenden Sound, wobei besonders Gitarrist Jerry Horton beindruckte, holt der Mann doch einen Sound aus seiner Axt, über dessen Druck sich so manche Metal-Band freuen würde. Zudem geht der mittlerweile halbwegs langmähnige Gitarrero phasenweise ab wie ein Zäpfchen und lässt dabei auch ordentlich die Matte kreisen. Kreisen ließ Basser Tobin des öfteren sein Instrument während er damit Krachern wie „Getting away with Murder“ und „She loves me not“ ein solide wummernde Grundlage sicherte. Für den zweiten Teil der Show hatte man eine „Old School-Session“ vorbereitet. So knallte man nachdem brachialen „Dead Cell“ gleich die weitern „Infest“-Hits „Broken Home“ und „Between Angels & Insects“ hinterher und dann obligatorisch mit „Last Resort“ ins Finale zu gehen. Die tollen Balladen „Scars“ und „Take me“ ließ man heute leider außen vor. Und auch wenn einige vereinzelte Vollpfosten meinten, ihre halbleeren Bierbecher in Richtung Bühne schleudern zu müssen, waren PAPA ROACH die Überraschung des Abends und konnten mit einer energiegeladenen Show selbst bei vielen eher intoleranten MAIDEN-Fans anerkennenden Applauss ernten. Das muss man erstmal schaffen!

Schon lange geschafft haben es die Schweden IN FLAMES. Auch wenn deren Melodic Death Metal sicherlich ebenso wenig vor ein MAIDEN-Konzert passt, sah man im Vorfeld sehr viele Fans mit Band-Shirts und sogar Schweden-Fahnen durch den Dome wandern. Und diese wurden sogleich mächtig geschwungen, als IN FLAMES mit „Cloud Connected“ durchstarteten. Dabei war ich besonders gespannt, ob die Nordlichter wieder in Stammbesetzung agieren würden und erlebte eine dicke Überraschung. So hatte erstmal der eine Axt-Mann Jesper Strömblad seine Mähne ein gutes Stück gekürzt und sein Kollege Björn Gelotte seine Monstermähne gleich komplett vernichtet. Dies war ein doch etwas sehr gewöhnungsbedürftiger Anblick, sind IN FLAMES doch mehr durch Mosh-Action als durch Bewegung auf der Bühne bekannt. Doch Basser Peter Iwers und der trotz Schnupfens mit richtig guter Stimme überzeugende Fronter Anders Friden glichen dies mehr als wieder aus, wuselte und bangte besonders letzterer bei Krachern der Marke „Leeches“, „Touch of Red“, „Bottled“ oder „Crawl through Knives“ verdammt agil über die Bühne. Zum Bedauern einiger Fans hatten die Deather mit dem grandiosen „Pinball Map“ und dem sogar hier funktionierenden Hüpf-Killer „Only for the Weak“ nur 2 ältere Tracks im Gepäck und besannen sich sonst auf die Hits der letzten 3 Alben, wobei natürlich besonders „Trigger“ und „the Quiet Place“ zündeten und der Titelsong zum aktuellen Werk „Come clearity“ sowie das abschließende „My sweet Shadow“ wahre Gänsehaut-Atmosphäre erzeugten. Doch scheinbar fanden nicht alle Metalheads an diesem Abend die Show so mitreissend wie die Mehrheit, so reichte Sänger Anders zwischen den Songs einem Fan mit einem sarkastischen Kommentar ein Paar Ohrstöpsel und ein Handtuch, damit dieser sich während des Set gut für die Hauptband ausruhen könne. Der Rest allerdings feierte IN FLAMES recht ordentlich ab, wobei als Fazit doch deutlich wurde, dass die Schweden-Granaten in Club-Atmosphäre einfach besser durchschlagen…

Nach einer längeren Pause war es dann endlich soweit. „Doctor, Doctor“ von UFO ertönte als Signal für den Start der IRON MAIDEN-Show. Gab es nach der letzten Tor noch heisse Diskussion um die Setlist der Metal-Legende, welche nur aus wenigen Gassenhauern, aber dafür aus dem kompletten neuen Album „A Matter of Life and Death“ bestand, so sollten heute alle diese Kritiker zufrieden gestellt werden. Zumal auch die neuen Songs live wunderbar funktionieren, wie vor allem das tolle „These Colours don’t run“ an diesem Abend beweisen konnte. Die eisernen Jungfrauen boten an diesem Abend eine routinierte und damit auch sehr gute Show. So war Bruce Dickinson sehr gut bei Stimme und der Herr singt, wenn in Form, auch nach über 25 Jahren noch so ziemlich jeden anderen Metal-Sänger locker an die Wand. So auch an diesem Abend. Dazu war der charismatische Fronter wie immer permanent auf den Podesten und Laufstegen unterwegs, schwang den Union Jack, ärgerte dabei gut gelaunt Drummer Nicko McBrain mit der Fahnenstange und ließ die Spotlights fröhlich durch die Menge schweben. Einer der legendärsten Metal-Frontmänner aller Zeiten bei der Arbeit. Auch seine Kollegen waren natürlich nicht untätig. So war Basser und Chefantreiber Steve Harris ebenfalls dauernd unterwegs, während Axt-Mann Janick Gers wie ein junger Hüpfer über die Bühne tanzte und dabei immer wieder mit seinem Instrument jonglierte. Dazu hat der blonde Gitarrist auch genug Zeit, waren doch wie gewohnt Dave Murray und Adrian Smith für die meisten der auf den Punkt sitzenden Leads und Soli verantwortlich. Zwar hatte man doch nur 4 der angekündigten 5 „Number of the Beast“-Songs im Gepäck, doch unter diesen verbarg sich eine kleine Überraschung. So zockte man, nachdem mit „The Trooper“ der erste Stimmungs-Höhepunkt erreicht war, das seit vielen Jahren nicht mehr gehörte Meisterwerk „Children of Damned“, was so manchen Fan einen Schauder über den Rücken liefen ließ. Nachdem mit dem Single Track vom aktuellen Album und „For the greater Good of God“ das neue Album nun abgehandelt war, brachte man mit den immer noch motiviert und stimmlich top dargebotenen „The Number of the Beast“, „Fear of the Dark“ und „Run to the Hills“ die Stimmung erwartungsgemäß zum Überkochen und der gute alte Eddie läutete mit seinem Panzer zu „Iron Maiden“ das Ende des Hauptteils ein.

Doch bevor es mit dem Zugabenteil losging, machte Bruce Dickinson eine wichtige Ankündigung. So versprach der Brite, dass IRON MAIDEN in der zweiten Hälfte wiederkommen würden, um dann ein Special „Powerslave“-Set zu performen. Dies löste natürlich großen Jubel aus, wonach mit dem einsetzenden „2 Minutes to Midnight“ nochmal richtig die die Post abging. Beim tollen „The Evil that Men do“ stakste der Kollege Soldat namens Eddie nochmal über die Bühne und mit dem Übersong „Hallowed be thy Name“ fand eine tolle, wenn auch viel zu kurze Show, ihr Ende. Denn auch wenn IRON MAIDEN nach gut 30 Jahren alles andere als zu den jüngsten zählen, darf man bei einer so großen Auswahl an klasse Alben und Ticketpreisen von locker über 60 Euronen einfach mehr als eine Standard-95Min.-Show erwarten. Keine Frage sind die Briten noch immer Top Form und bieten tolle Shows, aber ein bißchen mehr darf’s dann schon sein…

Setlist IRON MAIDEN
Different World
These Colours Don’t Run
Brighter Than A Thousand Suns
Wrathchild
The Trooper
Children of The Damned
The Reincarnation of Benjamin Breeg
For The Greater Good of God
The Number of The Beast
Fear of The Dark
Run To The Hills
Iron Maiden

2 Minutes To Midnight
The Evil That Men Do
Hallowed Be Thy Name

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