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ITCHY POOPZKID – NEVERSTORE

Ort: Osnabrück - Kleine Freiheit

Datum: 06.02.2009

Irgendwie hatte ich an diesem ungemütlichen Februar-Freitag-Abend zunächst wenig Elan, mich auf den Weg in die Kleine Freiheit und zu ITCHY POOPZKID zu machen, doch da die Lust ja bekanntlich beim Arbeiten kommt, raffte ich mich auf und erreichte die Location gegen 20.45 Uhr. Als ich den Club betrat, fühlte ich mich nicht nur aufgrund meiner Müdigkeit alt, sondern auch beim Anblick des überwiegenden Teils des Publikums, das sich größtenteils in der Altersklasse 15 bis 20 bewegte.

Auch auffallend (zumindest für Osnabrück) war, dass zu diesem Zeitpunkt sich bereits alles vor der Bühne am Absperrgitter drängte. Zumal mit den Schweden NEVERSTORE nun wirklich keine bekannte Vorband an den Start gehen sollte. Oder etwa doch und nur in meiner Generation nicht bekannt? Auf jeden Fall gingen die Jungs aus der Kleinstadt Skövde kurz nach 21 Uhr Uhr in einer zu ca. 2/3 gefüllten Kleinen Freiheit auf die Bühne und legten gleich ordentlich los.

Das Publikum schien in Feierlaune zu sein und sorgte mit ordentlichem Applaus und mächtig Action vor der Bühne dafür, dass sich die Schweden recht gut gefühlt haben dürften. Empfangen wurde sie auf jeden Fall besser als manch Headliner bei anderen Konzerten. Entsprechend selbstbewusst traten NEVERSTORE dann auch auf, forderten das Publikum zum Mitklatschen auf und stimmten bereits beim zweiten Song ein kleines Mitsingspielchen an, bei dem die eine Hälfte des Publikums einen Part, die andere Hälfte den anderen singen sollten, was hervorragend klappte. Mutig bei einer doch relativ unbekannten Band und so früh am Abend, doch gerade eben dieser Mut wurde an diesem Abend besonders belohnt und so genossen die Jungs offensichtlich die positive Resonanz und posten in der Folgezeit umso mehr. Musikalisch erfanden die schwedischen Jungspunde das Rad bzw. den Punk nicht neu: melodischer Pop-Punk, eigentlich nichts Besonderes, aber nett anzuhören, solide Ohrwürmer und auch live durch die Performance des Dreiers gut anzusehen. Die Feierlaune des Publikums tat ein übriges dazu, dass die viel zu kurzen 35 Minuten Spielzeit wie im Fluge vergingen und die Band mit großem Applaus verabschiedet wurde.

Nach einer recht kurzen Umbaupause drängelte sich die punkbegeisterte Jugend direkt an die extra aufgestellten Absperrgitter (was für den Fotografen in der Kleinen Freiheit an diesem Abend ein besonderer Luxus war und bisher in diesem Club einzigartig, aber wie sich im Laufe des Abends zeigen sollte, durchaus nicht unberechtigt). Als dann zum nicht gerade originellen, aber immer wieder gern genommenen Intro ITCHY POOPZKID auf die Bühne kamen, brach ein ohrenbetäubender Jubel los. Ab dem ersten Ton ging das Publikum mit, sang textsicher und mehr laut als schön jeden Song und tanzte ab der ersten Minute. Selbstbewusst begannen die Jungs mit ihrem doch (zumindest für meine Generation, die bei dem Titel immer noch mit Tränen der Nostalgie in den Augenwinkeln an die grandiosen GLUECIFER denken muss) mit „Kings of rock“, ließen direkt „Say no“ folgen und schmissen „Pretty me“ hinterher, um die Stimmung zum Kochen zu bringen. Das schafften sie in der recht niedrigen Kleinen Freiheit problemlos und nach kurzer Zeit musste sich der Veranstalter ein weiteres Mal Sorgen um seine tief hängenden Diskokugeln machen, die den ein oder anderen Diver abbekommen sollten.

Lediglich die recht langen und teilweise doch eher gequält witzigen Ansagen nahmen hin und wieder das Tempo aus dem Konzert und ließen das Publikum zwischen den Songs zur Ruhe kommen. Ein Umstand, der Sänger Sibbi zu der Frage veranlasste, warum man denn so leise sei und ob überhaupt jemand anwesend wäre. Dann kommen die üblichen Phrasen, wer denn alles so saufen wolle, dass man das beste Publikum bisher sei usw. Wirkliche Entertainerqualitäten sollten ITCHY POOPZKID noch mal üben und mal bei OLLI SCHULZ in die Lehre gehen. Was aber (und das ist ja bei einer Band dann doch die Hauptsache) super klappte, waren die Songs und die Interaktion mit den Fans, gerade wenn Sibbi oder Panzen sich direkt ans Gitter begaben oder sich posend auf eben dieses stellten. Bereitwillig machte das Publikum dann auch alles mit, klatschte, sang und ließ sich dann auf eine beeindruckend aussehende WALL OF DEATH ein (kurze Zeit später kam jemand mit einem Handtuch mit Eiswürfeln an den Kopf gedrückt an uns vorbei). So punkten sich ITCHY POOPZKID durch diesen Freitag Abend, ließen neben den eigenen Songs auch mal geschickt das RUN DMC Cover „Tricky“ samt Scratching-Part von Gitarrist Panzer einfließen und sorgten für jede Menge Begeisterung, triefnasse Hemden und die Gewissheit, dass der Punk noch lange nicht tot ist und der Nachwuchs sich gerade erst warm tanzt.

Setlist ITCHY POOPZKID
Kings of rock
Never be the same
Say no
Pretty me
Learn to drown
Take me back
Say hello
Last goodbye
Lyrically happy
Tricky
And I´ll walk away
The Lottery
Personality
Like it
You don´t bring me down
Waiting for the waves
Left right wrong
The living
21 years
Another song the DJs hate
Silence is killing me
As long as I feel fine

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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