Konzert Filter

IVY QUAINOO – VALENTINA

Ort: Bielefeld – Ringlokschuppen

Datum: 10.01.2014

2014. Das erste Konzert. Gute Vorsätze. Nicht immer die gleichen ausgelutschten Acts ansehen. UNHEILIG, SCHANDMAUL, EISBRECHER? – Nein an diesem Freitag wollten wir uns einer neuen musikalischen „Herausforderung“ stellen. IVY QUAINOO heißt die Dame, die bekanntermaßen die erste Staffel von „Voice of Germany“ für sich entscheiden konnte. Casting Shows? Da war doch was – schlechter Leumund, kaum musikalische Substanz, doch es gibt tatsächlich Ausnahmen wie vorgenannte Sendung, in der wirklich einige ausgezeichnete Stimmen zu Gehör kamen. Ivy entschied das Rennen letztlich durch eine perfekte Gesangsleistung gepaart mit einer beeindruckenden Präsenz. Vor allem, wenn man bedenkt, dass sie auch heute erst 21 Lenze zählt. Es folgte mit dem selbsbetitelten Album die erste musikalische Selbstverwirklichung, kombiniert mit einer Tour und einem Top 2-Single Hit (dem VOG Siegertitel „Do you like what you see“). Danach wurde es zwar etwas ruhiger um die Dame aus Berlin-Neukölln, doch im Vergleich zu anderen Flitzpiepen der DSDS-Liga blieb sie immer im Rampenlicht und konnte 2013 mit „Wildfires“ einen zugegebenermaßen nicht ganz so erfolgreichen Zweitling nachlegen. Also auf in den Ringlokschuppen und sich überraschen lassen, wie viele Fans Frau Quainoo denn beim aktuellen Tourauftakt ziehen kann, wie der typische Ivy-Fan ausschaut und wer zum Teufel eigentlich der Opener VALENTINA ist, der uns vorab avisiert wurde…

Informationen waren vorab rar, doch intensive Recherchen (und eine Presseinfo des Veranstalters) sorgten für ein paar erhellende Fakten. Valentina Merkle ist eine kasachisch-stämmige junge Dame, die ihre Kindheit in Offenburg bei Freiburg verbracht hat und nach einem längeren Aufenthalt in Australien als eine von nur 8 Stipendiatinnen in der Pop Akademie Baden Württemberg aufgenommen wurde. Live durfte die noch etwas schüchtern wirkende Künstlerin auf Mitglieder der PHILIPP POISEL-Band zurückgreifen, darunter Andi und Dave Mette an Gitarre und Schlagzeug. Schnell wurden VALENTINAs Stärken deutlich, ihr Singer/ Songwriterpop in Verbindung mit einer herausragenden Stimme sorgte für andächtiges Zuhören in der kleineren Halle des Schuppens. Die allermeisten der ca. 350 überraschend eher älteren Besucher zeigten sich ob der 6 dargebotenen Stücke begeistert und verziehen problemlos das noch etwas Backfisch-artige Verhalten zwischen den Liedern, die Titel trugen wie „Wind“, „My Arms“ oder „Dreamer“. So fand dann auch am Ende des Abends die taufrische EP (mit 5 Tracks) der Dame reißenden Absatz, mehr als 10 Prozent aller Besucher dürften hier zugeschlagen haben. Insofern ein lohnender Abend für beide Seiten!

Setlist VALENTINA
Wind
Home
Invisible Blood
My Arms
Dreamer
Giant

Nach einer nicht allzu langen Pause (die Instrumente waren bereits allesamt on stage) war es dann Zeit für den Hauptact des Abends, dessen bzw. deren Name bereits den ganzen Abend über das Backdrop zierte. Mehr an Tand brauchte es nicht auf der Bühne., nur 5 weitere musikalische Mitstreiter, neben einer Background Sängerin auch die Formation THE RUFFCATS, die laut Eigenwerbung „hardest-working Backing Band“ in Deutschland. Für diverse Künstler aktiv, hat man sich besonders als langjährige Mitstreiter von FLO MEGA einen Namen erspielt. Für instrumentale Qualität war also gesorgt – und auch für Vielfalt, beispielsweise bediente Johannes Weisgerber neben seinem „ordinären“ Bass noch den Kontrabass, den Sampler und die Synthies. Außerdem erinnerte er optisch an einen jüngeren Bruder von LETZTE INSTANZens Benni Cellini, aber das nur am Rande. Mit einem Akustik Set ging es rein ins Vergnügen, die Opener „300 Years“/ „After All This Time“ stammten beide vom aktuellen „Wildfires“-Werk, mit „Glass Houses“ folgte der erste Ausflug zum Debüt. Ähnliche Erkenntnisse wie beim Support: Tolle Stimme, (leicht) schüchtern wirkende Künstlerin, was ob des Tourauftakts und der „rauen“, ungewohnten ostwestfälischen Umgebung durchaus verständlich war. Die haartechnisch an GRACE JONES erinnernde Diva präsentierte sich in Sachen Outfit 80er-orientiert und ansonsten sehr sympathisch, ohne allzu viel mit den Anwesenden zu kommunizieren. Das FLORENCE + THE MACHINE-Cover „Shake It Out“ war eine wunderbare Hommage an den gemeinsamen Auftritt mit deren Sängerin Florence Welch im Voice of Germany-Finale. Kurz danach wurde es dann richtig elektrisch und in Teilen auch erstaunlich rockig. Zugegebenermaßen war mein Wissenstand in Sachen IVY vorab relativ niedrig und so zeigten meine Begleitung und ich uns doch sehr positiv überrascht über die interessanten, treibenden Song Strukturen und die hin und wieder ordentlichen krachen Jam Parts. Wenngleich die meisten Besucher während der Songs eher regungslos verharrten, war der Applaus danach umso stärker. Auch ein mittlerweile fast Standard zu nennendes Springspielchen wurde bestens angenommen. Mit der „Atomic EP“ und dem gleichnamigen Titelsong hatte man auch gleich noch ein sehr aktuelles musikalisches Ausrufezeichen in der Setlist, die gegen Ende natürlich den VOG-Siegersong und den Titeltrack des 2ten Langspielers aufbot.

Donnernder Applaus. Kurze Pause. Zugaberufe. Rückkehr. Sichtlich zufrieden kamen Ivy und Co. noch mal nach vorn, um 2 weitere Stücke zu performen, „You Don’t Know Me Now“ war dabei im Grunde der erste richtig „ruhige“ Titel des Abends. „You Got Me“ beschloss den Auftritt dann aber noch mal knackig-groovig und so konnte sich der Sechser bestens gelaunt von den Bielefeldern verabschieden. Erstaunlich unterhaltsames Konzert, erstaunlich erdig und erstaunlich „ehrlich“ vor dem Hintergrund eines „Casting-Show-Talents“. Ivy darf gerne wiederkommen.

Setlist IVY QUAINOO (ohne Gewähr)
300 Years
After All This Time
Glass Houses
Shake It Out (FLORENCE + THE MACHINE Cover)
Paint Your Love
Curse
Atomic
Supernatural
Burial
Empty
Hey Caesar
Walk Man
Dancing Dynamite
Do You Like What You See
No Way
Wildfires

You Don`t Know Me Now
You Got Me

Copyright Fotos: Karsten Thurau

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu IVY QUAINOO auf terrorverlag.com

Mehr zu VALENTINA auf terrorverlag.com