Konzert Filter

J.B.O. – HASSLIEBE

Ort: Lennestadt – Sauerlandhalle

Datum: 15.05.2010

Lennestadt – kleine Perle im Sauerland… Kann es einen besseren Ort für ein J.B.O.-Konzert geben? Die Terrorabordnung, die sich heuer auf den Weg quer durchs Bergische Land Richtung Rothaargebirge gemacht hatte, meint nein! Wo, wenn nicht in der pittoresken Umgebung der Volksbankarena (auch bekannt als Sauerlandhalle, in der der Schützenverein Altenhundern üblicherweise residiert) könnte das Wirken der Erlanger Spaß-Metal-Kapelle besser zur Geltung kommen? Also wurde das Auto vollgetankt, gleich zwei Navis aufgefordert, eine geeignete Über-Land-Strecke zu errechnen und sicherheitshalber auch noch eine gute, alte Straßenkarte zu Rate gezogen.

So präpariert, erreichten wir genau in dem Augenblick unser Ziel, als die Kirchenglocken achtmal schlugen. Aus Sorge, die Bürgersteige könnten just in diesem Moment auch hochgeklappt werden, eilten wir schnurstracks in die großzügige Venue des heutigen Abends, wo (Pünktlichkeit ist ein Zier) auch schon die Augsburger Combo HASSLIEBE loslegte. Die drei Herrschaften an Gitarre, Drums, Bass & Gesang trugen ihre regionale Herkunft in Form von wadenschmeichelnden Krachledernen zur Schau und machte auch ansonsten eine Menge Krach, den sie erst Anfang des Jahres in ihrer Debüt-Langrille „Niemandsland“ für die Ewigkeit konserviert haben. Seit inzwischen fünf Jahren macht das Trio Metalpunk mit viel Druck und Spielfreude und supportete bereits Bands wie DIE TOTEN HOSEN, LIFE OF AGONY, RISE AGAINST oder auch DORO. Die Sauerländer taten sich zunächst ein wenig schwer mit der Interaktion, belohnten die Schwaben jedoch immerhin mit freundlichem Applaus und tauten schließlich doch noch auf. Das lag vielleicht auch am vierten Mann, der mit einer Posaune bewaffnet, den mir unverständlichen Dialekt von Rastamann Daniel Frisch bei zwei Songs begleitete. Stilecht natürlich in den entsprechenden Beinkleidern, während der Sound gerade beim zweiten Blechinstrumenten-Track eher Richtung Ska changierte. Im Anschluss gab’s mit „Wo bist du“ allerdings wieder das volle Gitarrenbrett, für das Kollege Manuel „Kurt“ Gläser verantwortlich zeichnete, der bisweilen auch zum Mikro griff. Mit dem Tempo von „Wie ein Märchen aus 1001 Nacht“ kam auch das überwiegend männliche Auditorium in Schwung, um beim wilden Gebretter von „Schwarzer Engel“ klatschend die richtige Betriebstemperatur für J.B.O zu erreichen.

Setlist HASSLIEBE
Schöne neue Welt
Niemandsland
Mein letzter Wille
Stopp die Zeit
„Bayerischer“ Blues
Mundart-Song
Wo du bist
Wie ein Märchen aus 1001 Nacht
?
Schwarzer Engel

Lange musste die Landbevölkerung auch nicht auf die rosafarbene Fun-Fraktion warten, denn nach nur 15 Minuten Umbaupause wurden die Halbliter-Flaschen Krombacher auf der Stage gegen die J.B.O.-Hausmarke getauscht und das Spektakel konnte beginnen. Immerhin befindet sich das Quartett anlässlich des 20. Bandjubiläums, das 2009 gefeiert wurde, weiterhin auf Geburtstagstour und war keineswegs angetreten, um zum Senioren-Tanztee aufzuspielen. Auch das Publikum schien plötzlich ganz neue Kraftreserven zu mobilisieren und ging gleich mit dem Opener „I Don’t Like Metal“, der gleichzeitig auch der Tour und dem achten Studioalbum (# 6 der Charts) der Franken den Namen leiht, in die Vollen. Getreu dem Motto „Wer den Spaß hat, hat die Macht“ ließ es das ehemalige JAMES BLAST ORCHESTER mit Hilfe eines Gastsängers im Hintergrund nicht nur bei „United States of Blöedsinn“ krachen. Man rockte vielmehr mit viel Elan und sehr zur Freude der Fans neue („Dio in Rio“) wie alte („Bolle“) Tracks. Wie Gründungsmitglied „Hannes „G. Laber“ Holzmann richtig erkannt hatte, wollten die Anwesenden insbesondere den alten Scheiß hören und dieser Wunsch wurde ihnen gewährt, wenngleich auch vom aktuellen Silberling fünf Nummern zu hören waren, die durchgängig abgefeiert wurden. So richtig kochte jedoch die Stimmung, wenn’s ans Eingemachte ging. Ganz egal, ob nun „Kuschelmetal“ mit Dope von Joanna und einer Reihe weiterer Verdächtigter, denen unter Lichtgewittern ein Medley gewidmet wurde auf dem Programm stand, bei „Gänseblümchen“ der zu erreichende Lärmpegel beim Frauen-gegen-Männer-Wettschreien getestet wurde oder mit „Ich liebe dir“ den Damen ein Liebeslied nach J.B.O.-Art verehrt wurde, für das der langmähnige Vito C., welcher ebenfalls seit Beginn an zur bonbonfarbenen Metal-Macht zählt, sogar seine elektrische Langaxt gegen ein akustisches Modell eintauschte. So wie die Herrschaften irgendwann ihren vollständigen Namen einbüßten, weil die Plattenfirma von JAMES LAST Angst vor Verwechslungen hatte, gibt es auch eine ganze Reihe von Lieder, die es aus rechtlichen Gründen nicht auf CD gibt, die aber live gespielt werden dürfen und deshalb ganz besonders von der Anhängerschar geliebt werden. Keine Frage, dass die spaßbetonte Variante des Kirchentags-Klassikers „Danke“ in dieser Aufzählung ebenso wenig fehlen darf, wie RAMMSTEINs erster großer Erfolg von 1982. Irgendwie ging „Ein bisschen Frieden“ seinerzeit auf das Konto von NICOLE, keine Ahnung, wie es zu diesem Missverständnis kommen konnte. Und warum die beiden Dänen von LAID BACK mit unseren bösen Buben nicht in Verbindung gebracht werden wollten – man weiß es nicht. Dabei ist der „Rammstein Reggae“ doch so ein entspannter Song, der in der Sauerlandarena auch gleich zum kollektivem Arme schwenken führte. Nach vereinzelten Crowdsurfern entwickelte sich bei „M.E.T.A.L.“ (die einzig legitime Antwort auf OTTAWANs 1980er Hit „D.I.S.C.O.“) ein kleiner Moshpit, dem Schlagzeuger Wolfram Kellner mit einem amtlichen Drumsolo einheizte. Diesen Moment hatte die Saitensektion zu einer kleinen Verschnaufpause im Off genutzt und offensichtlich wollten die Herrschaften zunächst ihr Publikum ein wenig arbeiten lassen. Zu diesem Zweck wurde die mit gut 1.000 Zuschauern gefüllte Mehrzweckhalle in zwei Hälften geteilt und zum Singen aufgefordert, ehe es mit „Geh mer halt zu Slayer“ einen weiteren Disco-Kracher im neuen Gewand gab. Erinnert sich noch jemand an den 1990er Sommerhit „Ritmo de la Noche“ von CHOCOLADE? Bei J.B.O. wurde daraus ziemlich starker Tobak, der jede Menge Pommesgabeln provozierte, ehe „Fränkisches Bier“ zu spontanem Massenklatschen und vereinzelten Syrtaki-Tänzen führte. Schlager-Metal funktioniert halt immer. Genau wie der „Ich sag J.B.O.“-Rap, für den Hannes sein Instrument beiseite legte, um am Ende ganz von der Bühne zu verschwinden. Die gehörte nämlich allein Vito und seiner Wanderklampfe, der mit „Ein guter Tag zum Sterben“ einen absoluten Klassiker der J.B.O.-Diskografie einläutete, ehe die Kollegen wieder ihre Plätze einnahmen und es zum finalen Pogo kam. Nicht nur für die Hardcore-Fans kam mit „Verteidiger des Blöedsinns“ zum Ende der regulären Spielzeit noch eine volle Breitseite, die visuell von einigen großen und natürlich pinkfarbenen Luftballons unterstützt wurden.

Das Sauerland war in Feierlaune und erging sich nach diesen ersten 100 Minuten in lautstarken J.B.O.-Gesängen, die nicht nur die Franken wieder auf die Stage zurücklockten, nein, auch der HASSLIEBE-Posaunist und Sänger Daniel fanden sich zu „Bimber Bumber Dödel Die“ noch einmal im Rampenlicht ein. Letzterer sogar im chicen Dirndl, das ihm ganz ausgezeichnet stand und sich im wilden Tanz auf das Lieblichste bauschte. Weitere Maskeraden brachte der zweite Zugabenblock, den das „Glaubensbekenntnis“ eröffnete. Ganz wie es die spezielle J.B.O.-Liturgie verlangt, selbstverständlich mit Weihrauch schwenkenden Messdienern und Vito als Priester im rosa Talar, der sich zum abschließenden „Ein Fest“ allerdings seiner Amtstracht schon wieder entledigte, während im Hintergrund langsam ein riesiger, luftgefüllter J.B.O.-Schriftzug Form annahm. Nach mehr als zwei Stunden endete auf diese Weise und mit dem Versprechen, in 15 Minuten am Merch-Stand Rede und Antwort zu stehen, ein basslastiger Abend (ein Dank an Stahlsaiter Ralph Bach, der für die akustische Massage meines Kehlkopfes zuständig war). Zumindest war für uns hier Schluss mit lustig, denn wir hatten ja noch eine längere Heimfahrt durch das wild-idyllische Sauerland vor uns, während die Einheimischen sich noch auf eine After-Show-Party freuen konnten, für die am anderen Ende der Halle bereits DIE KOCHS Aufstellung genommen hatten.

Setlist J.B.O.
I Don’t Like Metal
United States of Blöedsinn
Dio in Rio
Bolle
Kuschelmetal (Gimme Dope Joanna)
Gänseblümchen
Ich liebe dir
Du bringst mich um
Das Eine
Danke
Ein bisschen Frieden
Rammstein Reggae
M.E.T.A.L.
Geh mer halt zu Slayer
Fränkisches Bier
Ich sag J.B.O.
Ein guter Tag zum Sterben
Verteidiger des Blöedsinns

Bimber Bumber Dödel Dei
Arschloch und Spaß dabei

Glaubensbekenntnis
Ein Fest

Copyright Fotos: Uli Klenk

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu HASSLIEBE auf terrorverlag.com

Mehr zu J.B.O. auf terrorverlag.com