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JÄNNERWEIN – UWE NOLTE

Ort: Rübeland - Kreuzmühle

Datum: 06.02.2016

„Bald erhoben sich die nackten Felswände an beiden Seiten, ein schmaler Fußpfad lief an dem engen Flussbett entlang, ich war in Rübeland, ein Name, den man von „Räuberland“ herleitet, weil hier in allen Zeiten auf einem der Felsen eine Räuberburg lag, die aber jetzt bis auf die Wallgräben verschwunden ist.“ (Hans Christian Andersen: Reiseschatten (1831)

Selbst im tiefsten Harz war es nicht kalt, geschweige denn lag auch nur ein Krümelchen Schnee, als wir Freitagabend eintrafen. Wenn man sich schon mal in den Herz aufmacht, muss auch neben der Kultur ein wenig Natur sein. Nach einer gemütlichen Abendrunde ging es am nächsten Tag erst einmal auf die Weide, um die Pferde der Schlafgäste zu füttern und den Stall auszumisten. Danach eine schöne Wanderung durch den Wald… naja, nicht ganz angemessen, aber dafür umso spaßiger mit dem Quad. Und irgendwie war es dann auch schon wieder Abend. Also schnell den Bauernschick abgelegt und rein ins elegante Schwarz – los geht es in das benachbarte Rübeland.

Nach einem erfolgreichen und sehr stimmungsvollen Winterkonzert von JÄNNERWEIN vor zwei Jahren war es Zeit für eine Neuauflage. Am Ende des kleinen Örtchens Rübeland lag die Neofolker-Dichte auf der Straße bei ziemlich genau 100 Prozent. Wir kamen gegen 19 Uhr an, und bis dahin hatte sich schon der Großteil der Gäste eingefunden. Wie bei einem solchen „Familientreffen“ üblich, galt die nächste Stunde vorrangig der Begrüßung von und dem Austausch mit Freunden und Bekannten. Es waren aber auch erstaunlich viele gänzlich unbekannte Gesichter dabei. Insgesamt fanden sich etwa 100 Besucher in der liebevoll restaurierten ehemaligen Mühle ein. Beheizt wurde der L-förmige Raum von Kaminen, und überhaupt war das gesamte Ambiente perfekt urig. So nach und nach ließen sich die Gäste auf ihre Plätze nieder, und es wurde dunkel und still im Saal.

UWE NOLTE betrat die Bühne mit etwas Verspätung. Der Merseburger dürfte jedem in der Szene hinlänglich bekannt sein, hat er als Kopf und Stimme von ORPLID doch grandiose Stücke im deutschsprachigen Neofolk geschaffen. Dass Nolte zudem auch noch als Lyriker (und das nicht weniger mit Herzblut) in Erscheinung tritt, ist ebenfalls kein Geheimnis. Und so hörten wir heute von ihm kein Konzert sondern eine Lesung, oder vielmehr eine Mischung aus beiden. Denn seine Präsentationen aus seinem Tirol-Gedichtband „Wilder Kaiser“ sind unterlegt von Ambient-Klängen und Field Recordings, mal sonnenklar aber auch donnergrollend wild. Seine Texte über Natur, Freiheit, Heimat, Verbundenheit und „fern vom städtischen Geseier“ trug Nolte mit einem Enthusiasmus vor, der auch die Zuschauer in ihren Bann zog. Grandios, so hätten das wohl viele nicht erwartet. Als Vorprogramm konnte man den Auftritt wohl nicht bezeichnen.

Nach eine kleinen Pause und einer Erfrischung in Form von regionalem Whisky, folgte der Auftritt von JÄNNERWEIN. Das Salzburger Quintett bedarf ebenfalls keiner langen Worte. Mit ihren bisher drei Alben haben sie mehr Neofolk-Hymnen geschaffen, als ein einziger Auftritt fassen kann. Durch ihren klassischen, vorrangig akustischen Stil sind die fünf Jungs ein gern gesehener Live-Act und ideal für einen so persönlichen Auftritt am Kaminfeuer in einem alten Haus in den Bergen. Und genauso kam es dann auch. Akustische Gitarren, Bass, Akkordeon, Einhandflöte („Nicht der Lässigkeit geschuldet, sondern einer Verletzung an der anderen Hand.“), Trommel und der wundervolle Einzel- aber auch Chorgesang der Jungs bescherten vielen Besuchern eine Gänsehaut und ließen den Abend tief in das Gedächtnis der Anwesenden einbrennen.

Im Anschluss gab es noch den Winternachtstanz, der bis spät in die Nacht in einem feucht-fröhlichen Tanz- und Saufgelage mündete. Wer weiß, was das Jahr konzert-technisch noch bringen wird, aber dieser Abend mit seinen beiden Akteuren und den Besuchern bleibt unvergessen. Hier noch ein großen Dank an den Veranstalter, Teil dieser wundervollen Veranstaltung gewesen sein zu dürfen.

Setlist JÄNNERWEIN (ohne Gewähr)
In der Nacht
Durch jede Stunde
Komm mit mir
Sturm
Freisaal
Quell
?
An den Mistral
Sommer
Wehmut
Schweigen
Kämpfe
Blühen und vergehn
Klage
Den Berg empor

Copyright Fotos: Kai-Uve Altermann

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