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JAMES BLUNT – RON POPE

Ort: Halle (Westf.) - Gerry Weber Stadion

Datum: 10.08.2014

Ein anstrengendes Wochenende sollte im Gerry-Weber-Stadion entspannt abgerundet werden, und wer wäre da besser geeignet als „Schmusebarde“ JAMES BLUNT, von einer Bekannten despektierlich auch „Jammerlappen“ genannt. Dass dem nicht so ist, konnten wir bereits 2011 an gleicher Stelle erfahren, denn da rockte der Brite doch ganz anständig die Hütte. Jene war an diesem immer noch recht schwül-warmen Sonntag-Abend mit über 5000 Besuchern sehr ordentlich gefüllt, wobei ich mich durchaus etwas über die Bestuhlung im Innenraum wunderte. James würde sicher auch – oder sogar besser – stehend funktionieren. Sei es drum, die Fans hielt es eh nicht lange auf ihren Sitzen. Aber dazu später. Bevor die „Moon Landing“-Tour (passend zum aktuellen Studioalbum) ihren Protagonisten begrüßen durfte, stand noch ein interessanter Support Act auf dem Programm. Der in New York ansässige Singer/ Songwriter RON POPE ist ein wahrer Selfmade-Musiker, der seit 2008 bereits 10 verschiedene Alben veröffentlicht hat und das Ganze überwiegend ohne Label. Sein aktuelles Werk hört auf den Namen „Calling off the Dogs“, das mir zugegebenermaßen wie der Rest seine Oeuvres vorab nicht geläufig war. Zusammen mit 4 Mitstreitern gab der Sänger im Jesus-Look eine sehr passable und recht rockige Visitenkarte ab, die sicherlich eher in verrauchten Clubs denn in einer Arena funktioniert. Wobei sich der Herr begeistert ob der Location zeigte, so etwas war ihm wohl noch nicht untergekommen. Seine teils ordentlich tätowierten Band Member könnten auch problemlos in einer Hardcore Kapelle agieren und gaben dem emotionalen Rock-Gemisch den richtigen Druck, was zu sehr wohlwollenden Reaktionen im noch nicht vollzählig anwesenden Rund führte. Für die letzten 2 Songs seiner 30 minütigen Performance wechselte Herr Pope ans Keyboard und präsentiert neben „Wherever you go“ zum Abschluss auch den Internet-Hit „A Drop in the Ocean“, der nicht zuletzt durch den Einsatz der Kopfstimme sehr gefühlvoll rüberkam. Ein gelungener Einstieg in den Abend, von RON POPE möchte man gerne mehr hören, und das ist in diesem Fall keine Floskel.

Doch nun zu „something completely different“, JAMES BLUNT, die Hauptperson des Abends, konnte mit seinen bisherigen 4 Alben in Germany immer mindestens Platz 2 der Charts holen, von daher kann man ihn wohl problemlos als Konstante im Pop Business bezeichnen. Dementsprechend dürften sich unter den Besuchern viele Wiederholungstäter befunden haben, ebenso wie einige seiner Landsleute der hier in der Gegend stark vertretenen britischen Truppen. Pünktlich zur besten Tagesschau-Zeit betraten der eher klein gewachsene Sänger plus seine 4 Kompagnons die recht spacig angelegte Bühne, wobei die Musiker jeweils auf verschiedenen Plattformen agierten, ähnlich einer früheren DEPECHE MODE-Bühnenkonstruktion. In Anlehnung an den Namensgeber der Tour hatten sich alle in Raumanzüge geworfen, komplett mit dem Union Jack auf dem Ärmel, wobei Schlagzeuger Karl Brazils Outfit eher an einen Guantanamo-Insassen erinnerte, wie James süffisant anmerkte. Nicht der letzte unterhaltsame Spruch des Fronters in den folgenden gut 100 Minuten. Auf der riesigen Leinwand im Hintergrund flimmerten derweil Bilder von Mondlandungen, Astronauten, fernen Planeten etc. – alles eben bestens abgestimmt auf das Tour-Motto, da hat sich mal jemand Gedanken gemacht. Die ersten beiden Songs („Face the Sun“ und „I’ll take everything“) klimperte James dynamisch am Piano, danach wechselte er fürs erste an die Gitarre, leider durften wir ihn an dieser Stelle nicht mehr ablichten. Derweil gab Basser John Garrison im Hintergrund die coole „Sau“ mit Sonnenbrille, „Top Gun 2014“ anyone?

Die Setlist ließ sich nicht lumpen und enthielt alle wichtigen Hits der BLUNT-Diskographie, dementsprechend textsicher agierte das Publikum in weiten Teilen. Gerade in den vorderen Reihen hielt es die Anwesenden schon nach kurzer Zeit nicht mehr auf den Stühlen und es wurde geklatscht – und in einem besonders auffälligen Fall auch gesprungen -, was das Zeug hielt. Witzige Anekdote am Rande: Die Journaille war direkt vorne links am Bühnenrand auf drei separaten Stuhlreihen platziert worden und so cool sarkastisch wie wir eben sind, agierte unser Trupp eher stoisch unterkühlt. James erkannte dies von oben sofort und adressierte uns mehrfach auf sehr amüsante Weise. Wir müssten doch Journalisten sein, wieviel Punkte wir denn bis dato seinem Konzert geben würden etc. etc. Der Höhepunkt sollte noch folgen, als er nach einem Ausflug ins Auditorium einem Schreiber in der ersten Reihe einen dicken Schmatzer auf die Wange gab. Meine mitgereiste „Kollegin“ ärgerte sich derweil, dass sie weiter hinten Platz genommen hatte… Das alles jedenfalls außerordentlich sympathisch und unterhaltsam. Genau wie die Musik, die neben den Erfolgssingles der aktuellen Scheibe wie „Heart to heart“ natürlich auch Klassiker à la „Goodbye Lover“ enthielt, von JAMES BLUNT sehnsuchtsvoll am Piano interpretiert. Stimmlich gab sich der Herr keine Blöße, auch die schwierigen Kopfstimmen Parts wie etwa bei „High“ bereiteten ihm keine Probleme. Zu „Satellites“ griff er zu einer Art Ukulele, passend zu seiner eigenen Körpergröße wie der Sänger verschmitzt zum Besten gab, im Bett sei er aber „größer“ erwähnte er noch beiläufig…

Ein weiteres Highlight folgte in Form der SLADE-Coverversion „Coz I love you“, das von hunderten Kehlen mitgesungen wurde und sehr dynamisch rüberkam. Im Takt geklatscht wurde mittlerweile sowieso durchgängig, wobei das an manchen Stellen eher „musikantenstadl-mässig“ für mich wirkte, aber ich bin ja auch auf der Meta-Ebene unterwegs… Richtig stimmungsvoll wurde es bei „Same Mistake“, bei dem die Zuschauer aufgefordert wurden, ihre Handy Displays anzuschalten. Mittlerweile dämmerte es auch draußen und so gab es nun wunderschöne Lichteffekte zu bestaunen, wirklich sehr romantisch das Ganze. So langsam fand das Haupt-Set dann auch ein Ende, das allseits bekannte „You’re beautiful“ und das fast schon prog-rockige „So long Jimmy“ zeigten am Ende noch mal beide Seiten des BLUNTschen-Soundkosmos‘ auf, bevor es unter tosendem Applaus in eine kleine Pause ging. Diese nutzten die Musiker offensichtlich zu diversen Outfit-Korrekturen, so kam James nun in einem noch abgefahreneren Anzug inkl. Helm zurück, den er aber kurz danach absetzte, und Schlagwerker Karl hatte sich in ein Glitzerteil geworfen. Garrison hingegen hatte einfach seinen Overall heruntergekrempelt, um mit weißem Shirt möglicherweise noch etwas mehr Eindruck auf die Damenwelt zu schinden. 3 Songs fehlten noch, allesamt Top 5 Hits in Deutschland. „Stay the Night“, das rhythmische „Bonfire Night“ und zum Abschluss das abermals leicht melancholische „1973“ beendeten die musikalische Rundreise des British Army-„Veteranen“.

Wie bereits 2011 ein sehr bodenständiges Konzert mit perfektem Sound, im zweiten Teil der Show schönen Lichteffekten und einem bestens aufgelegten JAMES BLUNT, der überaus locker und spontan rüberkam und dabei keinesfalls nur den weinerlichen „Schmacht-Jodler“ gab. Das hatte dann schlussendlich auch das Gros der stoisch dreinblickenden Pressemeute in Wallung gebracht. „Moon Landing Successful“.

Setlist JAMES BLUNT
Face the sun
I’ll take everything
Blue on blue
Billy
Wisemen
High
Carry you home
Satellites
These are the words
Postcards
Goodbye my lover
Coz I love you (SLADE Cover)
Heart to heart
Same mistake
You’re beautiful
So long Jimmy

Stay the night
Bonfire Heart
1973

Copyright Fotos: Karsten Thurau

2 Kommentare

  1. Andrea Jutzi sagt:

    Der Drummer ist Karl Brazil, ein wenig mehr Recherche wäre nicht schlecht.
    Ansonsten ein guter Bericht.

  2. Karsten Thurau sagt:

    Besten Dank für die intensive Recherche und das kleine Lob 🙂 Text wurde angepasst – der Autor

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