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JAN PLEWKA SINGT RIO REISER

Ort: Essen - Grillo Theater

Datum: 21.05.2009

Obwohl Jan Plewka mit SELIG viel um die Ohren hat, nimmt er sich weiterhin die Zeit für ganz großes Theater. Für JAN PLEWKA SINGT RIO REISER. Da ich von Jan und Co. ja nie genug bekommen kann, wäre es schon fast ein Verbrechen gewesen, ihm keinen Besuch abzustatten, wenn er schon in meiner Nähe spielt. Also auf nach Essen und Platz nehmen in Herrn Plewkas Wohnzimmer. Ich weiß, das habe ich letzte Mal schon so geschrieben. Aber wirklich, diese besondere Inszenierung wirkt tatsächlich so, als wenn man in Jans Ruhestätte sitzen würde.

Das Grillo Theater in Essen war fast ausverkauft. Ein bunt gemischtes Publikum nahm um kurz vor Acht seine Plätze ein. Sogar ein paar Punks waren gekommen, um Jan und seiner Band zu lauschen. Wenn ich meiner Uhr vertrauen kann, ging pünktlich das Licht aus und eine angenehme Spannung machte sich breit. „Stiller Raum“, der Opener eines jeden Rio-Abends, wurde von Herrn Plewka durch den Raum getragen. Sehen konnte man ihn noch nicht, aber niemand rührte sich, oder wagte auch nur einen Blick nach hinten. Ich glaube, es ist immer wieder Jans fesselnde Stimme, die Menschen derart in ihren Bann zieht, dass sie es nicht einmal wagen, zu atmen. Zumindest war es in diesem Moment so. Ich glaube, ich habe selbst die Luft für einige Sekunden angehalten. Eine schier endlos wirkende Zeit verging, bis Herr Plewka in einem dunklen Mantel, mit weißem Schal und passendem Hemd auf die Bühne trat. Noch immer ohne Band, allein mit seiner Gitarre und natürlich dem Publikum. Ich könnte diesen Moment unendlich viele Male erleben und wäre dennoch immer wieder begeistert. Langsam wurde es aber auch Zeit für die Mitmusiker. Marco Schmedtje (Wobei ich an dieser Stelle kurz anmerken möchte: Wer ihn nicht kennt, hat etwas verpasst und sollte dies tunlichst ändern…) an der Gitarre, Martin Engelbach (Schlagzeug), Lieven Brunckhorst (Tasten, Sax) und Dirk Ritz am Bass, nahmen ihre Plätze ein. Band komplett, dann kann es ja losgehen. Der Übergang zu „Halt Dich an Deiner Liebe fest“ ist so gesehen fließend. Ich würde auch gerne bis zum Rauch-Haus-Song“ vor spulen, denn der Titel ist einer der vielen Höhepunkte bei dieser Veranstaltung. Jan und seine Musiker versammelten sich ganz vorne am Bühnenrand und das Publikum hatte das Gefühl, als würde es mit ihnen zusammen im Kreis sitzen (zumindest die Besucher in den ersten Reihen). Bemerkenswert ist ja, egal wo Jan diesen Song spielt, der Refrain kommt dem Publikum textsicher über die Lippen. Weil man ja gerade schon so nah ans Auditorium gerutscht war, konnten JP und seine Jungs sich bei „Der Turm stürzt ein“ auch nicht wirklich auf der Bühne halten. Außerdem galt es die zweite Bürgermeisterin von Essen, Annette Jäger, zu begrüßen und um eine kleine Spende zu bitten. Sammeln für einen guten Zweck, für Bier, gehört schon fest zum Programm und sorgt jedes Mal für heitere Stimmung im Saal. Gerade noch zwischen den Stuhlreihen, verlässt Jan bei dem vielleicht etwas sonderbaren Titel „Irrenanstalt“ fluchtartig den Raum. Das Publikum verfolgte über eine zuvor vom Vorhang verdeckte Leinwand gespannt, wohin ihn sein Weg führte. Eines muss ich aber an dieser Stelle mal einwerfen „Ich bin total verrückt“?!. „Ja, Herr Plewka, sind Sie“. Um noch kurz bei Jans psychischer Verfassung zu verweilen. Ich hatte den Eindruck, dass er seit dem Erfolg mit SELIG gelöster und glücklicher wirkt als zuvor. Irgendwie schien er einen sehr guten Tag erwischt zu haben, lachte über seine eigenen Witze und strahlte auch sonst übers ganze Gesicht.

Nach seiner Rückkehr auf die Bühne war Herr P. Neu eingekleidet und trug nun eine rote Stoffhose mit weißem Hemd, was typisch Rio war (sieht übrigens toll aus). Besonders beeindruckend folgte nach einigen anderen Titeln das „Zauberland“. Ein mundbetriebenes Keyboard wandert nach gefühlvoller Einstimmung von Martin zu Jan und dann… ja dann… – Ich habe Jan Plewka ja nun schon einige Male gesehen und man merkt ihm durchaus an, wenn er etwas „im Schilde führt“. So bahnten er und sein kleines Flötenkeyboard sich den Weg bis zu mir. Ehrlich gesagt ist es ziemlich schwierig, den Takt zu halten, wenn man peinlich berührt ist. Aber irgendwie habe ich es dann doch geschafft… Auf „Zauberland“ folgte „Für immer und Dich“, mein absolutes RIO PLEWKA-Lieblingslied. Als er mir dann noch die Hand reichte und „mir“ dieses atemberaubende Lied auf der Bühne sang, war es, glaube ich, endgültig geschehen. Ja jetzt muss ich sagen: Herr Plewka, vielen Dank für diesen Moment. Die schwarz-rote Heilsarmee beglückte das Publikum noch mit „Herbst“ und „Weit von Hier“. „Somewhere over the rainbow“ brachte den Saal dann erneut zum Schweigen. Vergleichbar mit einem Kirchenbesuch ist dieser Moment – nur viel schöner. Tiefe Emotionen schweben durch den Raum, wenn Jan, allein am Klavier diesen atemberaubenden Song spielt. Manchmal hat man das Gefühl, der Geist von RIO REISER würde in ihm schlummern. Als der „Junimond“ aufging, nahte bereits das Ende. Das Publikum war durchweg begeistert und ich bin mir sicher, jeder im Raum wünschte sich, dass dieser Abend ewig dauern würde. Zugaben gab es natürlich auch. „Alles Lüge“, „Keine Macht für Niemand“ und „Nach Hause“ als Finale ließen einen unvergesslichen Abend ausklingen. Die fünf Musiker verabschiedeten sich unter lautem Applaus und man konnte ihnen anmerken, dass auch sie gerne noch länger geblieben wären. Bis zum nächsten Mal Herr Plewka, wir werden uns wiedersehen.

Copyright Fotos: Ramona Schwarz

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