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JENNIFER ROSTOCK – ICH KANN FLIEGEN

Ort: Osnabrück – Rosenhof

Datum: 09.11.2011

Auf in die nächste Runde unseres November-Konzertmarathons, dieses Mal ging es in die schöne Hasestadt Osnabrück, der Weg in den Rosenhof war allerdings von Nebel und ausgedehnter Parkplatzsuche geprägt, so dass wir erst in den letzten Minuten der Vorband ICH KANN FLIEGEN am Ort des Geschehens eintrafen. Dieser war bestens gefüllt (ca. 700 Besucher würde ich tippen), wobei der durchschnittliche Besucher heute sehr jung und sehr weiblich war, anwesend auch einige Jennifer Weist-Lookalikes.

Nun denn noch kurz ein paar Worte zum Support Act. Dieser stammt aus Hannover, hat bereits einige namhafte Künstler begleiten dürfen (SILBERMOND, die SPORTFREUNDE STILLER oder auch BIFFY CLYRO), aber erst eine EP namens „Achtung Traumwelt“ veröffentlicht. 4 junge Herren in Karohemden, die Indie Pop Rock irgendwo zwischen REVOLVERHELD und MADSEN zelebrieren und dabei einen ganz sympathischen Eindruck hinterließen. Mit einem Song namens „Es ist noch nicht vorbei“ (oder so ähnlich) verabschiedete man sich dann auch schon wieder und machte Platz für den sehnlichst erwarteten „Star“ des Abends.

Und auch wenn es sich hier natürlich um eine BAND handelt, so steht doch ganz klar die „abgefuckte“ Fronterin im Vordergrund, die neben Metall und Körperbemalung auch mit einem recht gewagten Outfit glänzen konnte. So sieht also das Role Model für unseren weiblichen Nachwuchs aus… Wobei in den ersten Reihen ein Transparent davon zeugte, dass nicht alle Fans mit der neuen Haarfarbe konform gehen, was Frau Jennifer natürlich mit einem aparten „Fuck you“ quittierte. Die männlichen Begleit-Musiker zeigen sich optisch uneinheitlich. Während Keyboarder Johannes eher den „braven“ Konfirmanden gibt, ist Gitarrist Alex ganz der Coole, der später auch mal mit Kippe im Mund ein Solo raushauen durfte. Dazu die beiden quirligen und eher zur Sängerin passenden Christophs an Bass & Schlagzeug. Mit den drei bisher erschienenen Alben hat man sich kontinuierlich nach oben gearbeitet, das letzte Werk „Mit Haut und Haar“ (auch der Schriftzug auf dem Backdrop) konnte immerhin Platz 4 der Charts entern. Und das nicht zu Unrecht, ist der Electro NDW Punk Rock doch wirklich überwiegend unpeinlich und mitreißend. Natürlich wurden am heutigen Abend einige Stücke davon präsentiert, die aus vielen (weiblichen) Kehlen mitgesungen wurden, während ein paar Chauvi-Herren eher mit blöden Sprüchen auf sich aufmerksam machten. Stichwort „Chauvi“: Auch Frei Weist hat diesbezüglich einiges drauf, abgesehen von ihren „Zicke Zacke“-Sprüchen scheinen „Titten“ in ihrer Welt eine große Rolle zu spielen, und Alkohol natürlich. So sollten sich die Zuschauer beim programmatischen „Du willst mir an die Wäsche“ ihrer BHs und Unterhosen entledigen, die dann einem gewissen Wäsche-Werner auf der Bühne anvertraut wurden. Neben uns kam eine junge Dame dieser Aufforderung nach, die Herren der Schöpfung hielten sich eher zurück. Für den in der Mitte des Sets platzierten dreiteiligen Akustik-Block (siehe Setlist) holte man sich 6 junge Menschen nach oben, die in quasi Lagerfeuer-Romantik mit spendiertem Bier in der Hand ein wenig mitschunkeln durften. Musikalisch übrigens sehr gelungen, singen kann die über und über tätowierte Dame definitiv. Und nicht nur sie, auch ein Fan namens „Königin Annika“ zeigte sich bester Stimme, als sie zentrale Gesangsparts bei „Feuer“ übernahm. Und dies ausgezeichnet – Respekt! Ein weiteres junges Ding, von JW zärtlich Mausi getauft (im wahren Leben Regina), durfte sich per Schlauchboot und mit einer Flasche Sekt im Gepäck zu „Der Kapitän“ über die Köpfe der Anwesenden tragen lassen, was bis auf eine unglückliche Flugeinlage ganz gut funktionierte. Also ordentlich was los im Rosenhof, während sich die musikalische ROSTOCKer Reise langsam dem Ende näherte. Aber es fehlte natürlich noch eine Zugabe, die dreiteilig ausfiel und neben dem wohl bekanntesten Track „Kopf oder Zahl“ auch das ältere „Kind von dir“ sowie meinen „Liebling“ „Es war nicht alles schlecht“ aufbot. Ein richtiges Brett mit derben Shout Parts, die ein von hinten nicht identifizierbarer Herr zelebrierte. Dazu gab es dann noch eine kleine Wall of Death-Einlage von Herren mit nacktem Oberkörper.

Sex, Drinks und Gute Laune – So könnte man den Gig auf einen einfachen Nenner bringen. JENNIFER ROSTOCK haben ihre Fans perfekt bedient, auch wenn möglicherweise ältere Anwesende sich ein wenig fehl am Platze gefühlt haben. Aber etwas Freakshow kann im heutigen Show Biz ja nicht schaden, und das Song Material der Berliner weiß fast durchgehend zu überzeugen. Für uns war es nun an der Zeit, uns durch das nebelige Osnabrücker Outback nach Ostwestfalen durchzuschlagen, der nächste Arbeitstag schon in Sichtweite…

Setlist JENNIFER ROSTOCK
Intro
Meine bessere Hälfte
Leben Auf Zeit
Himalaya
Mein Mikrofon
Lügen haben schöne Beine
Du Willst Mir An Die Wäsche
Es tut wieder weh
Insekten im Eis
Hier werd ich nicht alt
Wo Willst Du Hin? (Acoustic)
3 Millionen Schatten (Acoustic)
Ich will hier raus (Acoustic)
Der Kapitän
Mach dich aus dem Staub
Der Horizont
Ich kann nicht mehr
Feuer
Nenn Mich Nicht Jenny

Kopf oder Zahl
Kind von dir
Es War Nicht Alles Schlecht

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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