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JESUS ON EXTASY – END OF GREEN – ESCAPE WITH ROMEO

Ort: Leipzig WGT Parkbühne

Datum: 10.05.2008

Zum Auftritt der Melancholie-Rocker ESCAPE WITH ROMEO lässt sich leider nicht allzu viel berichten. Als zweiter Act des Tages betraten sie die Parkbühne pünktlich an diesem für mein Empfinden viel zu heißen Nachmittag und lieferten – sagen wir einmal – eine solide Show ab. Mehr aber leider auch nicht. Mich selbst konnten die Kölner nicht wirklich erreichen mit ihrer Performance, wenngleich ich viele ihrer Songs an sich sehr gerne mag und man bspw. mit „Anteroom for your love“, „Glitter on the snow“, „Somebody“ und dem grandiosen „It’s loneliness“ eine ganze Kollektion schöner Kompositionen im Gepäck hatte. Vielleicht lag es daran, dass das Auftreten ESCAPE WITH ROMEOs ziemlich leidenschaftslos rüber kam: Man erfüllte irgendwie seinen Job und lieferte den erwarteten Gig im Umfang von etwas über einer halben Stunde ab, aber mehr auch nicht. Die Parkbühne war zur Hälfte mit Besuchern gefüllt, wobei in den Rasenflächen um den Veranstaltungsort die üblichen Geschwader an Festivalbesuchern saßen, bei dem schönen Wetter im Schatten unter den Bäumen entspannten und nebenbei den Klängen lauschten, die aus der Parkbühne herüber schallten. Und genauso entspannt plätscherte der Auftritt ESCAPE WITH ROMEOs an mir vorbei. So ein wenig wie Hintergrundmusik, die fernab vor sich hin dudelt, während man mit den Gedanken ganz wo anders ist. Meine Aufmerksamkeit wurde jedenfalls nicht stringent vom Geschehen auf der Bühne okkupiert, und so verlor ich mich zwischendurch im einen oder anderen Gespräch. Schade, ich hatte mich wirklich gefreut und eigentlich etwas mehr erwartet.

Nach einer kurzen Pause draußen im Grünen kehrte ich in die Parkbühne zurück, als ich die ersten Klänge von END OF GREEN vernahm. So langsam senkte sich jetzt gegen Viertel vor sechs ein wenig mehr Schatten im inneren Bereich der Parkbühne, der nunmehr ganz ordentlich gefüllt war. Der Sound war leider ein wenig Wischiwaschi. END OF GREEN boten diverse Stücke ihres 2005-Albums „Dead end dreaming“ feil, darunter „Sick one“, „She’s wild“ sowie „Drink myself to sleep“. Besonders letztgenannter Titel führte beim Publikum zu rhythmischem Mitklatschen und begeistertem Applaus. Darüber hinaus gehörten auch „Tragedy Insane“ sowie einige Songs vom anstehenden Werk „The Sick’s Sense“ – welches im August erscheinen soll – von denen ich bis dato nur „Demons“ benennen kann. Der Auftritt hat mich wie schon der von ESCAPE WITH ROMEO nicht sonderlich vom Hocker gehauen; da erinnere ich mich an denkwürdigere Auftritte der Herren, wie etwa 2006 beim Wacken. Beim nächsten Mal wird’s aber sicherlich wieder anders sein – hoffe ich.

Noch bevor die Herrschaften von JESUS ON EXTASY die Parkbühne um 18:30h betraten, wurden ordentlich Nebelschwaden auf selbige gepumpt und wummernde Beats durchzogen die Luft. Klang ja an sich schon mal viel versprechend. Und ein wenig gespannt war ich ja tatsächlich, denn die Formation aus Richtung Pott ist in letzter Zeit zweifelsohne recht deutlich in den Musikmedien angepriesen worden. Nun wollte ich mir endlich selbst ein Bild davon machen, ob dies berechtigt ist. Entsprechend Bandnamen sowie Styling auf den diversen Promo-Fotos hatte ich eine eher Elektro-lastige Ausrichtung der Band erwartet. Dementsprechend überrascht war ich, als sich die Stilrichtung als sehr viel rockiger entpuppte, wenngleich mit vielen synthetischen Elementen. JESUS ON EXTASY eröffneten ihren Gig mit dem Titel „Drowning“ vom 2007er Debütalbum „Holy Beauty“. Eingangs sprangen ein Ton- und ein Kameramann auf der Bühne herum und machten Nahaufnahmen der Musiker, was sehr nervig war. Beim zweiten Song „Beloved Enemy“ erkannte das Publikum binnen weniger Sekunden das Keyboard-Intro und freute sich zu meiner Verwunderung schneeköniglich. Mit dem nachfolgenden „Direct injection“ wurde ein weiterer Titel von der neuen VÖ präsentiert, wobei mir die Anfangs-Beats sehr gut gefallen haben. So müsste das immer klingen, war mein erster Gedanke. Im Laufe des Songs schwand meine vorübergehende Euphorie dann jedoch wieder. Anscheinend können sich JESUS ON EXTASY nicht entscheiden, ob sie eher die (Synth-)Rockschiene oder das EBM-Genre bedienen wollen – nur leider klingt die selbst gebraute Schnittmenge aus Beidem in diesem Falle nicht stimmig: Während ich so den Klängen lauschte, überlegte ich mir beispielsweise., wozu JESUS ON EXTASY eigentlich die zweite Gitarre brauchen. Denn zumeist spielen beide haargenau die gleichen Noten – und wirklich wuchtig klingt es dadurch dann auch wieder nicht. Abgesehen davon – und ja, das muss ja auch nicht immer sein – ist das Gitarrenspiel ohnehin nicht gerade sonderlich anspruchsvoll. An sich sind die Stücke generell alles andere als einfallsreich. Musste hier zwangsläufig an SONIC SYNDICATE denken, die vor ein, zwei Jahren selbst dem ungeneigten Musikfreund bis zum Abwinken von ihrem Label aufgezwängt wurden – und die außer einem feschen Styling ebenso wenig musikalische Qualitäten zu bieten haben/ hatten wie nun JESUS ON EXTASY. Ganz ab von mangelnden Innovationen im Sektor Songwriting und banalem Herumgeklimpere auf den Gitarren hat auch Sänger Dorian Deveraux stimmlich ein großes Defizit. Was im Studio ja noch einigermaßen fein abgemischt werden kann, lag hier nun nur allzu häufig deutlich neben der Tonspur. Besonders abturnend fand ich zudem das affige Gepose von Gitarristin Alicia Vayne, der man mit etwas Böswilligkeit direkt unterstellen könnte, das Zeug aus dem Bandnamen vermutlich in rauen Mengen eingeworfen zu haben. Abgesehen davon, dass ihr Outfit – `tschuldigung – auch einfach extrem scheiße aussah. Beendet wurde der Gig nach etwa 50 Minuten mit „Church of Extasy“. Fazit: Provokant-lustiger Name, Rockstar-Styling, tüchtige Marketingmaschinerie im Hintergrund. Musik: Zum Einschlafen. Ich fand’s definitiv nicht aufregend. Nächstes Mal gucke ich mir lieber was Anderes an.

Copyright Fotos:
Dani Vorndran (ESCAPE WITH ROMEO)
Sandro Griesbach (JESUS ON EXTASY)

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