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JIMMY KELLY

Ort: Bielefeld - Bunker Ulmenwall

Datum: 14.12.2008

JIMMY KELLY??? Ist der nicht von der… ja er ist es. Eine auf den ersten Blick sicher ganz und gar nicht Terror-relevante Veranstaltung. Aber was macht er im Bielefelder Bunker Ulmenwall, der eher für ein Programm mit gewissem Anspruch und auch fachkundigerem Klientel steht? Diese Ansetzung hat eine kleine Einheit des Terrorverlags dann doch bewogen, sich vor Ort (inkognito natürlich) mal blicken zu lassen. Eine kurze Internetrecherche zuvor hatte nämlich ergeben, dass er sich auf seiner „Roots“-Tour dann doch abseits der leidlichen Spuren seiner Familie bewegt und neben eigenen Folk-Stücken auch einige Traditionals und Songs zum Besten geben wird, die ihn als Musiker und Songwriter geprägt und inspiriert haben.

Back to basics und damit auf den zweiten Blick gar nicht mehr völlig daneben. Außerdem hat irgendwie jeder eine zweite Chance verdient. Das dachten sich an diesem dritten Advent auch ca. 120 bis 150 andere Interessierte, die das unterirdische Gewölbe dann bis auf den letzten bestuhlten Platz füllten. Für intime Atmosphäre war demnach gesorgt, zumal sich die Zuschauer gleich von drei Seiten um die kleine ebenerdige Bühnenfläche scharten. Dieser Umstand ließ Jimmy dann zu Beginn auch etwas planlos erscheinen, wie er sich dort denn nun zu verhalten habe. Ohne große Umschweife legte er daher lieber direkt mit dem ersten Stück, einer spanischen Komposition, los. Das minimalistische Bühnenbild wurde dabei noch komplettiert von Nick Nikitakis, einem in Köln ansässigen gebürtigen Griechen, der an diesem Abend seine flinken Finger über die Gitarrensaiten fliegen ließ. Der weitere Einstieg in das Set verlief dann zunächst recht folkrockig, unter anderem mit dem schon von Größen wie BOB DYLAN oder BRUCE SPRINGSTEEN eingespielten „Eyes on the prize“.

Insgesamt war die Songauswahl ziemlich international gehalten und basierte im Wesentlichen auf amerikanischen, irischen und spanischen (wo Jimmy geboren ist) Traditionals sowie Folksongs, vorgetragen im Singer-/ Songwriter-Stile, mit kleineren Ausflügen in Blues-, Country- und Gospelgefilde. Die nicht vorhandene Rhythmus-Sektion fiel kaum ins Gewicht, dank einiger äußerlich eher unsportlicher Damen in der ersten Reihe, die regelmäßig fast wie auf Kommando zur Unterstützung kräftig in die Hände klatschten. Bei genauerer Betrachtung der Anwesenden konnte dann auch zumindest eine Handvoll „typischer“ Kelly-Fans ausgemacht werden. Der 37-jährige, der eigentlich James heißt, ließ sich davon aber nicht beirren und zeigte vor allem stimmlich vollen Einsatz und versetzte sich regelrecht in die Texte hinein, was gelegentlich auch einen leicht irren Blick bei ihm hinterließ. Wenn er nicht sang, nahm er alternativ eine Mundharmonika zur Hilfe, so wie zum Beispiel im angeblich „ersten Rap-Song der Weltgeschichte“ mit Herkunft aus dem beschaulichen Irland. Kurz darauf wurde nach etwa 55 Minuten zu unserer Überraschung aber erstmal eine viertelstündige Pause eingelegt.

Nach der Unterbrechung legte Nick mit einer von ihm solo vorgetragenen Nummer wieder los, bevor gemeinsam das dem Gospel entstammende „Jesus is on the mainline” dargeboten wurde. Ein weiterer traditioneller Folksong folgte in Form von „God’s gonna cut you down”, das auch schon von JOHNNY CASH und MOBY intoniert worden ist. Ein gewisser religiöser Aspekt kam zum Ende hin auch im Song „Go down, Moses (Let my people go)” sehr zum Tragen, ein alt-amerikanisches Gospellied, bei dem sich Jimmy noch einmal richtig reinsteigerte. Als Zugabe gab’s schließlich noch das Kelly-Fans nicht unbekannte „Cover the road“, bevor um kurz nach 22 Uhr die „Roots“-Tour ein vorläufiges Ende fand. Alles in allem ganz nett, die riesengroße Euphorie ist jedoch nicht aufgekommen. Auch persönlich hat es uns (sprichwörtlich) zwar nicht vom Hocker gerissen, dazu ist es dann doch noch ne andere Baustelle und im zweiten Teil waren mir einige Stücke auch etwas übermäßig in die Länge gezogen. JIMMY KELLY aber scheint bei der Suche nach seinen eigenen Wurzeln auf dem richtigen Weg zu sein und geht an diese Aufgabe auch mit viel Herzblut heran. Das wird man ihm nicht absprechen können…

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