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JOE COCKER – JARLE BERNHOFT

Ort: Bielefeld - Seidensticker Halle

Datum: 21.11.2010

Hard knocks 2010 Tour

Mit JOE COCKER machte am letzten Sonntag nicht mehr und nicht weniger als eine der größten noch lebenden Musiker-Legenden Halt im westfälischen Bielefeld. Zum ersten Mal seit 2007 kam der englische Bluesrocker wieder in deutsche Gefilde, um sein am 1. Oktober erschienenes und direkt auf Platz 1 der deutschen Charts eingestiegenes Album „Hard knocks“ den Fans live zu präsentieren. Ein wenig enttäuschend ist es da, dass „nur“ ca. 4000 Anhänger den Weg in die Seidenstickerhalle fanden, die bei einer Kapazität von 7000 Zuschauern im hinteren Bereich etwas leer wirkte.

Doch bevor JOE COCKER begrüßt werden durfte, kam erst einmal der Norweger JARLE BERNHOFT auf die Bühne. Die Wahl der Vorband bei solchen Größen ist ja nicht immer ganz einfach, denn meistens wartet das Publikum eh nur auf seinen Star. Mit JARLE BERNHOFT allerdings ward eine gute Wahl getroffen. Dieser saß allein, aber dabei ganz und gar nicht verloren auf der großen Bühne und begann auf einer Gitarre spielend sein Set. Die große Überraschung folgte sogleich. War da nicht noch eine zweite Gitarre? Eine zweite Stimme? Vielleicht sogar playback? Nein, im Gegenteil. JARLE BERNHOFT spielte in seinen Songs immer einen Takt, nahm diesen per Fußpedal auf und legte ihn in eine Endlosschleife, spielte dann die nächste Gitarrenmelodie, fügte mal ein Solo ein, sang einen Refrain, klopfte einen Takt auf der Gitarre und legte all diese Spuren übereinander. Dabei begannen die Songs recht leise und steigerten sich dann mit der Anzahl der Spuren. Die soulige Stimme des Norwegers besitzt einen großen Umfang und variiert von ganz hohem Gesang bis hin zu tiefen Tönen. Gerade wenn in solchen Momenten die unterschiedlichen Spuren erklangen und JARLE BERNHOFT seinen eigenen Background-Gesang machte, war das Publikum begeistert und spendete auch schon einmal mitten im Song großen Applaus. Auch als Entertainer machte BERNHOFT eine gute Figur, wies mit einigen deutschen Brocken auf seine neue CD hin und bat um deren Kauf, denn er sei arm und habe sein ganzes Geld für das schicke Sakko, das er gerade trage, ausgegeben. Insgesamt lieferte JARLE BERNHOFT eine halbe Stunde netter Unterhaltung, baute gegen Ende seines Sets noch das allseits bekannte TEARS FOR FEARS Cover „Shout“ ein und wurde mit großem Applaus von der Bühne verabschiedet, während bei seinem Abgang natürlich noch einige aufgenommene Spuren weiterliefen.

Die nun folgenden Umbaupause von mehr als einer halben Stunde gestaltete sich für die Zuschauer unnötig lange, zumal es nicht wirklich etwas umzubauen gab, denn direkt nach Verlassen der Bühne von BERNHOFT stürmten 6 oder 7 Helfer auf die Bühne, sammelten das wenige Equipment von ihm ein und eigentlich hätte JOE COCKER alsbald nach 5 Minuten beginnen können. Doch als dann bereits die ersten Pfiffe erklangen, ertönte aus den Boxen JAMES BRWON und man sah in einer Projektion auf dem Bühnenhintergrund, der das Design des aktuellen Albums trug, JOE COCKER noch einmal seine Haare richten, bevor erst die 8-köpfige Band und dann der Meiser himself die Bühne betraten und mit „Get on“ starteten. Der erste Teil des Auftrittes lud dann zum Warmtanzen ein und gerade die bekannten Hits wie das LOVIN SPOONFUL-Cover „Summer in the city“, das durch die Interpretation von COCKER im komplett neuen Gewand erklang, hatten es dem Publikum angetan und sorgten für Begeisterungsstürme. Die Band spielte an diesem Abend perfekt und die Interaktion mit den Background-Sängerinnen und den Instrumentalisten lief einwandfrei. JOE COCKERs Stimme präsentierte sich in Bestform, unglaublich, über was für ein Organ dieser Mann verfügt. Gerade auch die ruhigeren Songs zu Ende der ersten Hälfte wie z.B. „Up where you belong“, das er mit seiner Background-Sängerin als Duett präsentierte, sorgten für Gänsehautstimmung. Als dann noch die Band die Bühne verlassen hatte und Cocker allein und nur mit Klavierbegleitung und einer für seine Verhältnisse soften/ ruhigen Stimme „You are so beautiful“ auf einer nur von einer Art Kronleuchter mit herunterhängenden Glühbirnen beleuchteten Bühne sang, hätte man eine Stecknadel fallen hören können. Umso lauter und größer war der anschließende Applaus. Die Songauswahl an diesem Abend war ein bunter Mix all seiner Hits der letzten 4 Jahrzehnte. Als dann nach einem Orgelintro die Melodie von JOE COCKERs wohl legendärstem Song „With a little help from my friends“ erklang, gab es kein Halten mehr. Natürlich wurde der Song live in die Länge gezogen und ausgiebig zelebriert.

Nach rund 90 Minuten verließ JOE COCKER das erste Mal die Bühne, kam allerdings umgehend zurück, um 2 weitere Titel als Zugabe zu präsentieren, „She came in through the bathroom window“ und „Cry me a river“. Ein weiteres Mal verschwand Cocker, ein weiteres Mal kehrte er zurück, bevor er sich dann mit „Thankful“ endgültig verabschiedete. Und wir bedanken uns beim Meister für diesen schönen Abend!

Setlist JOE COCKER
Get On
Feelin’ Alright (TRAFFIC Cover)
The Letter (THE BOX TOPS Cover)
When the Night Comes
Unforgiven
Summer in the City (THE LOVIN’ SPOONFUL Cover)
The Simple Things
Up Where We Belong
You Are So Beautiful (BILLY PRESTON Cover)
Hard Knocks
Hitchcock Railway
N’oubliez jamais
Come Together (THE BEATLES Cover)
You Can Leave Your Hat On (RANDY NEWMAN Cover)
Unchain My Heart (RAY CHARLES Cover)
With a Little Help from My Friends (THE BEATLES Cover)

She Came in Through the Bathroom Window (THE BEATLES Cover)
Cry Me a River (ELLA FITZGERALD Cover)

Thankful

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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