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JOY OF LIFE/ APOPTOSE – DECADENCE – ARGINE

Ort: Leipzig WGT Felsenkeller

Datum: 21.05.2010

Endlich hat das Warten ein Ende: Das 19. Wave Gotik Treffen hat begonnen und das erste Konzert stand ins Haus. Nach der gestrigen Eröffnungsparty in der Moritzbastei und einem warmen und schönen Tag (ein Wunder, nachdem es die vergangenen Tage kalt und regnerisch war) ging es gegen 19:30 Uhr in den Felsenkeller im Leipziger Westen. Diese Location ist zwar nicht neu beim WGT, aber dieses Jahr fand erstmalig das Neofolk-Festival hier statt. Nachdem die letzten dieser Veranstaltungen im Anker fast schon übervoll waren, scheint sich die Treffen-Organisation für einen Umzug entschieden zu haben. Der Felsenkeller, ein imposantes, in der Mitte des 19. Jahrhunderts erbautes ehemaliges Ballhaus ähnelt im Inneren sehr dem Anker und schaffte mit seinen seitlichen Bogengängen ein angemessenes Ambiente für den bevorstehenden Abend.

Bevor wir ankamen, spielten bereits das italienische Neofolk-Projekt ROSE ROVINE A AMANTI und die Ethereal-Folk-Formation HIDE & SEEK aus Frankreich.

Als erstes Konzert des Treffens erlebten wir dann gleich einen sensationellen Auftritt der italienischen Neofolk-Band ARGINE. Völlig zu Unrecht ist dieses Quartett bisher an mir fast spurlos vorbeigegangen. Auf der Bühne überzeugten Sänger und Gitarrist Corrado Videtta, Bassist Michele de Finis, Drummer Alessio Sica und nicht zuletzt Violinist Edo Notarloberti, der auch sehr erfolgreich auf Solopfaden mit seinem Instrument wandelt, von der ersten Minute an mit feinstem Neofolk. Waren die Songs anfangs noch relativ ruhig, so wurden sie im Laufe des Konzertes immer druckvoller und energischer, was da Publikum sichtlich begeistert aufnahm. Auch Edo Notaloberti verwandelte sich zum wahren Teufelsgeiger, so dass sein Bogen im wahrsten Sinne des Wortes eine Menge (Pferde-)Haare ließ. Zeitweilig kam noch eine schick anzusehende Gastkeyboarderin auf die Bühne, die darüber hinaus auch ein Stück sang. Ein herrliches Konzert vor einem angenehm gut gefüllten Felsenkeller, und das gleich zu Beginn dieses WGT. Wie soll das noch getoppt werden? Meine Sammlung ist nun um ein Paar ARGINE-Platten erweitert, inklusive des nach sechs Jahren Schaffenspause frisch zum WGT veröffentlichten neuen Albums „Umori d’Autunno“.

Als nächste Band spielte DECADENCE aus Athen, auf die ich sehr gespannt war. Angefangen hat die Formation mit einem martialischeren Sound und viel Trommeleinsatz, wurde aber mit den Veröffentlichungen auf Hau Ruck! Und zuletzt 2005 auf Cold Meat Industry zunehmend ruhiger und folkiger, was sicherlich auch an der Erweiterung um eine Sängerin lag. Erstaunlicherweise hatte sich der Saal ganz schön geleert. Vermutlich lag das an dem nahenden Auftritt von KIRLIAN CAMERA in der agra-Halle. Vielleicht aber auch an dem Auftritt von DECADENCE selbst. Denn die Erwartungen waren groß und wurden leider nicht ganz erfüllt. Auf der Bühne standen insgesamt fünf Musiker, darunter Sänger Petros und Sängerin Eyphrosyne. Auffällig war schon das Auftreten des Kopfes der Band, Petros. Dieser sah eher aus wie ein BWL-Student, komplett im weißen Schnöseloutfit inklusive auf halb 8 sitzender Wollstrickjacke. Auf der myspace-Seite werden als Einflüsse „love and alcohol“ genannt. Ob es nun am Alkohol oder anderen bewusstseinsverändernden Mitteln lag, warum Petros so altklug und nölig langgezogen gesprochen hat, ließ sich nicht herausfinden. Aber diese Zwischenmoderationen schienen vielen nicht zu gefallen, denn während des Konzertes verließen weitere Besucher den Felsenkeller. Ansonsten war das Konzert gut. Alle anderen Musiker gaben ihr Bestes und bekannte Songs der vergangenen Alben und auch neue Lieder einer nahenden neuen Veröffentlichung wurden gespielt. Abgesehen von zwei bis drei etwas martialischeren Titeln, war der Rest sehr seichter und teilweise poppiger (Neo-)Folk. Zeitweise verließ Petros die Bühne und Eyphrosyne sang alleine ein paar Stücke, was nicht von Nachteil war.

Das letzte Konzert im Felsenkeller gab das englische Urgestein JOY OF LIFE. Obwohl es dieses Neofolk-Projekt bereits seit Mitte der 80er Jahre gibt, existiert leider nur eine sehr überschaubare Diskographie, was eigentlich schade ist. Denn die Musik der derzeit vier Mitglieder ist richtig gut und überzeugte schon auf dem WGT 2008 die Besucher der gut gefüllten Kuppelhalle des Volkspalastes. Auch der Felsenkeller hatte sich wieder ordentlich gefüllt. Das Konzert eröffnete ein sehr ritueller Track, zu dem Dev sang und trommelte. Danach setzte auch Gary mit Gesang und Gitarre ein. Beide Künstler spielen auch bei WHILE ANGELS WATCH. Auch dieses Konzert rockte von der ersten Sekunde an, und das kann man fast wörtlich nehmen, denn es war sehr gitarrenlastig und das Publikum zeigte sich begeistert. Ein Gerücht gab es ja schon seit einigen Tagen, aber mit ein bisschen musikalischer Kenntnis bestätigte sich dieses dann auch mit einem Blick auf ein nicht benutztes, aber auf der Bühne stehendes Keyboard. Dort klebte nämlich ein Sticker mit dem Aufdruck „Bannwald“, dem Titel des neuen APOPTOSE-Albums. Und nach einem tollen Konzert kam dann tatsächlich der weibliche Part von APOPTOSE auf die Bühne und sang eine Version des JOY OF LIFE-Klassikers „Warrior Creed“, bis schließlich auch Rüdiger und der Fanfarenzug Leipzig das Ensemble komplettierte. Bereits vor zwei oder drei Jahren sorgte diese Konstellation für eines der absoluten Highlights der vergangenen Treffen. Und dann ging es los… Wer Trommeln liebt, konnte sich hier im Siebten Himmel wägen. Ein wahrer Ohrenschmaus waren die nun folgenden Stücke. Das begeisterte Publikum forderte nach einer weiteren Zugabe und wurde nicht enttäuscht. An den überraschten Blicken von Dev und Gary zu erkennen, war der folgende „Freestyle“ des Fanfarenzuges nicht geplant. So hätte es noch ewig weitergehen können, aber dann war endgültig Schluss und der Abend endete hier mit Garys Worten: „Now we have finished. It’s time for a German beer.“ Hat er ja auch wieder recht. Ein geniales Konzert.

Copyright Fotos: Kai-Uve Altermann

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