Konzert Filter

JUICY BEATS 16

Ort: Dortmund - Wesfalenpark

Datum: 30.07.2011

Obstzeit im Pott! Die Vorzeichen sahen zunächst nicht allzu erfreulich aus: Erst die schlechten Wetterprognosen, dann sagte auch noch kurzfristig Headliner BETH DITTO aus familiären Gründen ab. Aber der partyerprobte Multivitamin-Fan lässt sich davon natürlich nicht abschrecken. So machte sich auch 2011 wieder ein gut gelaunter, heterogener Menschenstrom auf in Richtung Westfalenpark und schaffte es locker, die Stimmungs-Segel herumzureißen – das Wetter inklusive, denn bis auf ein paar Tropfen blieb es durchwegs trocken.

Einen angemessenen Kickstart legen am Mittag VS. ROME auf der FZW-Stage hin. Nach leichten Soundproblemen am Anfang setzen sie sich mit ihrem Post-Core souverän gegen die etwas ungünstigen Windverhältnisse durch. Spätestens nach drei Songs gibt der Wettergott erschöpft auf und die Dortmunder pusten den Weg für die nachfolgenden Bands frei. Die Absage von Miss Ditto ist anscheinend auch ein großes Thema für Kevin Hamann von CLICK CLICK DECKER: „Ich wollte so gerne ein Foto von mit und Beth Ditto. Hände hoch, wer noch!?“ So gehen Hamburger mit schlechten Nachrichten um, und als schließlich alle Finger in der Luft sind, haben alle Anwesenden vergessen, dass da irgendjemand nicht kommen wird.

Mit SAALSCHUTZ stehen dann die ersten Audiolith-Vertreter des Tages auf der Bühne und bringen die Menge zum Tanzen und Kopfnicken. Allerdings scheint das Beats-Samples-Parolentext-Konzept allmählich ausgereizt und abgelutscht. Zu oft ist diese Mischung mittlerweile angewendet worden, als dass der Funke komplett auf die Menge überspringen mag. Aber es ist auch noch früh am Tag, die Kräfte müssen schließlich sorgfältig eingeteilt werden.

THE THERMALS bringen dann wieder Gitarre und Bass ins Spiel. Die charmanten Indiepunks hüpfen wie Flummis über die Bühne: „Hardly Art“, „How We Know“ und zum Abschluss „A Pillar Of Salt“ – die Melodien fliegen einem nur so um die Ohren. Die poppigeren Stücke vom letzten Album „Personal Life“ sorgen für Abwechslung in dem bunten Indiepop-Strauß. Immer wieder beeindruckend, was die drei Bandmitglieder auf der Bühne abzufackeln vermögen. Als die Publikumslieblinge BONAPARTE ihre durchgeknallte Show starten, ist es dann an der Zeit, sich einmal auf dem Gelände umzusehen.

Das Besondere am Westfalenpark ist ja, dass das Gelände so unfassbar viel zum Entdecken hergibt: Festivallichter und Blumenmeere, Getränkestände und Gartenteiche, DJ-Pulte und Skulpturen – alles fügt sich zu einem riesigen Vergnügungspark zusammen. Überall wird gefeiert, gegessen, getanzt und gechillt. Ohne Karte ist man schnell aufgeschmissen. So kommt es zu den typischen Juicy-Beats-Gesprächen an den Übersichtstafeln: „Wir wollen zur Ananas! Wisst ihr, wie man dahinkommt?“.

Die Konzerthaus-Stage liegt etwas abseits am See. Hier treten kleine, vermeintlich unscheinbare Band-Perlen auf: Der Berliner Songschreiber NORMAN PALM bewegt mit leiseren Indiegitarren eine kleine, überschaubare Fangemeinde zu Freudentränen. Und während auf der Hauptbühne die Asi-Spaßrapper K.I.Z. die Massen zum Kochen bringen, stehen hier im kleinen Kreis die famosen Schweden von GOLDEN KANINE und sorgen mit ihrer ganz eigenen, euphorischen Interpretation von Indiefolk für Verzückung.

Auf der Hauptbühne sind die Audiolith-Stars FRITTENBUDE als Quasi-Headliner eingesprungen und kaum jemand anderes hätte diesen Job so gut erledigen können wie die Elektropunks aus Geisenhausen. Umso nahtloser dann auch der Wechsel zu BOYS NOIZE, bevor dann schließlich mit den zahlreichen DJs bis in den frühen Morgen weitergefeiert werden kann. Man kommt natürlich nicht annähernd dazu, alle Acts und DJs zu sehen, aber es geht auch weniger darum, von Bühne zu Bühne zu hetzen und unbedingt die eigenen Favoriten abzuklappern. Vielmehr fordert das abwechslungsreiche Konzept dazu auf, einfach eine gute Zeit zu haben. Die To-do-Liste abhaken kann man woanders.

Insgesamt war die 16. Auflage vom Juicy Beats also wieder eine glänzende Veranstaltung, bei der man es wie immer hingekriegt hat, die unterschiedlichsten Menschen zusammenzubringen und viele kleine und große Partys feiern zu lassen. Die Pluralität auf den Bühnen wirkt sich durchweg positiv auf die Gäste aus. Dem Einzelnen wird es leicht gemacht, über den jeweiligen Tellerrand zu blicken und sich einfach einmal etwas Neues anzusehen.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu CLICK CLICK DECKER auf terrorverlag.com

Mehr zu FRITTENBUDE auf terrorverlag.com

Mehr zu SAALSCHUTZ auf terrorverlag.com

Mehr zu THE THERMALS auf terrorverlag.com

Mehr zu VS. ROME auf terrorverlag.com