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JUICY BEATS 19

Ort: Dortmund - Westfalenpark

Datum: 26.07.2014

Sonne, Party, ausverkauft: Die 19. Ausgabe des JUICY BEATS brachte alles mit, was man sich von einem gelungenen Festival wünscht. Nur einen Wermutstropfen gab es für Kurzentschlossene: Zum ersten Mal in seiner fast 20jährigen Geschichte war das Festival 2014 bereits im Vorfeld ausverkauft. Insofern ging das sowieso schon seit Jahren bewährte Konzept mit diesem Mal besonders gut auf. Bemerkenswert ist dies vor allem auch deswegen, weil auf die ganz großen Namen verzichtet wurde. Das JUICY BEATS ist längst auch über die Grenzen des Ruhrgebiets hinweg als absolutes Partyevent etabliert, das vor allem durch sein Flair zu überzeugen weiß. Insbesondere in diesem Jahr trat der Westfalenpark als optimale Location hervor. Durch die Großzügigkeit des Geländes hatte man als Besucher jederzeit die Wahl, ob man es sich auf einer abgeschiedenen Bank gemütlich machen wollte, oder sich kopfüber mitten ins Partygetümmel vor einer der Hauptbühnen stürzen wollte. Als Tagesfestival geht es schon ab zwölf Uhr mittags direkt los: Keine Atempause, Party wird gemacht!

EGOTRONIC betreten um 13.00 Uhr als erste Band die Hauptbühne und stehen alles andere als vor einer leeren Festivalwiese. In Dortmund hat der Auftritt der Berliner Elektropunks natürlich einen besonderen Wert. Schließlich hat hier die rechte Szene in letzter Zeit verstärkt für negative Schlagzeilen gesorgt, denen jetzt einträchtig mit Stücken wie „Raven gegen Deutschland“ entgegengegangen wird. Frontmann Torsun macht zudem ausdrücklich Werbung für die Dortmunder Antifa und holt ein paar Vertreter auf die Bühne. Auch so kann Politik gemacht werden.

WALLIS BIRD bietet mit ihren energetischen Indiefolk-Songs ein musikalisches Kontrastprogramm zum elektronischen Schwerpunkt des Festivals, der dieses Jahr ein ganzes Stück gewichtiger als in den vergangenen Jahren in Szene gesetzt wurde. Die Irin hat aber keinerlei Probleme, sich auf der zweitgrößten Bühne des Festivals Gehör zu verschaffen.

Die Temperaturen haben mittlerweile ihren Höhepunkt erreicht, überall hängen die Besucher an den kostenlos zur Verfügung gestellten Wasserhähnen. Nichtsdestotrotz zieht es die Leute in die pralle Sonne zu WEEKEND, die als Vorheizer für das kommende Programm auf der Hauptbühne dienen. Hier wird es sich heute nicht mehr beruhigen: Die Massen feiern zu FRITTENBUDE, MILKY CHANCE, ALLIGATOAH und BOYS NOIZE. Letzterer beweist, dass er den Slot als Hauptact mehr als ausfüllen kann. Alexander Ridha zieht das Publikum mit harten Beats, Samples aus allen musikalischen Stilrichtungen und fulminanten Visuals. Viel besser hätten die CHEMICAL BROTHERS auch nicht funktioniert.

Das Besondere am JUICY BEATS ist ja die schiere Anzahl an Stages und Floors. Während vor der Hauptbühne permanent der gewaltige Kochtopf brodelt, veranstalten die Pariser Electro-Popper LA FEMME auf der Worldbeat Stage eine schräge Strandparty, die auch bequem vom Liegestuhl aus verfolgt werden kann – anschließende Autogrammstunde inklusive. Am späteren Abend machen CALEXICO dann noch die Freunde entspannter Gitarrenklänge glücklich, die den Abend mit Mariachi-, Western- und TexMex-Klängen ausklingen lassen wollen. Ein weiterer gelungener Kontrapunkt zum vorwiegenden Elektro-Halli-Galli, der am lauen Sommerabend besonders gut wirkt. Parallel dazu beenden die HUNDREDS aus Hamburg mit stilvoller Elektronik den Abend auf der kleinen Konzerthaus Stage. Hier gibt es eine eindrucksvolle Band aus nächster Nähe zu genießen, die das Publikum mit ihrer Indietronic-Performance dermaßen beeindrucken, dass sie nicht ohne Zugabe von der Bühne gelassen werden – keine Selbstverständlichkeit auf einer Festivalbühne.

Insgesamt lässt sich das JUICY BEATS 2014 mit den einleitenden drei Worten am besten zusammenfassen: Sommer, Party, ausverkauft. Dieses Jahr bedeutete in zweierlei Hinsicht eine Zeitenwende für das etablierte Festival. Einerseits sollte man sich von nun an unbedingt frühzeitig um ein Ticket bemühen, andererseits findet das Event zum 20jährigen Jubiläum im nächsten Jahr erstmals an zwei Tagen statt.

Copyright Fotos: Oliver Schröder

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