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JULI – MIKROBOY

Ort: Dortmund – FZW

Datum: 24.11.2010

Endlich Dortmund! Nachdem wir vor Wochenfrist beim ALICE COOPER-Konzert aufgrund diverser Widrigkeiten nicht mal in die Nähe der Ruhrgebiets-Metropole kamen, gestaltete sich die Hinfahrt an diesem Mittwoch Abend schon deutlich entspannter. Und das, obwohl in direkter Nachbarschaft ein Champions League Spiel terminiert war. Das FZW (FreizeitZentrum West) war mir bis dato kein Begriff, wenngleich dort bereits einige Terrorkollegen eine Visitenkarte abgeben hatten. Ein relativ zentral gelegener Laden mittlerer Größe mit relativ ordentlicher Parkplatzsituation. Gegen 19 Uhr hatte sich eine etwas längere Schlange vor dem Einlass gebildet, die aber zügig abgearbeitet wurde, was angesichts der Kälte auch durchaus angenehm war. Das Publikum fiel wenig überraschend überwiegend weiblich, überwiegend jung aus. Sogar einige Familien wurden gesichtet, deren Väter sich alsbald als menschliches Podest beweisen mussten. Insgesamt fand ich den Zuschauerzuspruch aber etwas enttäuschend für eine Band, die alle 3 Alben in den Top 5 der Charts platzieren konnte. Nun sei’s drum, das sollte den Unterhaltungswert des Abends nicht schmälern.

Bevor wir aber musikalisch in die Sommer-Monate entführt wurden, galt es noch einen Support zu goutieren, der an diesem Abend auf den Namen MIKROBOY hörte. Die Truppe sollte eigentlich jedem ein Begriff sein, der Raabs letzten Bundesvision Song Contest verfolgt hat. Dort trat man nämlich für das Saarland an und holte schlussendlich nur den vorletzten Platz, obwohl die Leistung in meinen Augen gar nicht so schlecht war. Natürlich wurde der entsprechende Titel „Nichts ist umsonst“ auch präsentiert, so wie einige andere des bisher einzigen regulären Albums „Nennt es, wie Ihr wollt“ aus dem Jahre 2009. Netter Indie Pop mit elektronischen Einsprengseln, denn der Vierer um Bandchef Michael „Michi“ Ludes zelebrierte, man ließ sich auch von technischen Problemen zu Beginn nicht irritieren. Seine Stimme erinnert vom Timbre ein wenig an RIO REISER, ohne dass man ansonsten große Parallelen ausmachen kann. Songs wie die überlange benamste Single „Raus mit der schlechten Luft, rein mit der guten“ konnten zwar leidlich unterhalten, zu mehr als dem Prädikat „nett“ reichte es aber nicht und so war nach einer guten halben Stunde auch schon wieder Schluss mit den MIKROBOYs.

Während sich direkt vor uns die örtliche Musikpolizei postierte, die wohl eher um des Gesehen-werdens vor Ort war, wurden nun auf der Bühne die letzten Vorbereitungen getroffen, um den hessischen Headliner in das richtige Licht zu rücken. Die Combo um die sympathische Frontfrau Eva Briegel hat auf ihren 3 Alben einen erstaunlichen Wandel weg von seichtem Pop Rock hin zu fast indie-affinem Elektro Gitarrengeschrammel vollzogen, und das immer mit einer leicht melancholischen Note in Texten und Gestus. Dementsprechend fanden sich auf der Stage gleich 2 elektronische Klangerzeuger der Marken Akai & Moog wieder, die von Simon Triebel und Andreas Herde anstelle ihrer Stamm-Instrumente immer mal wieder bedient wurden. Ansonsten gab man sich schlicht und bodenständig, was Deko (nette Moodlights im Hintergrund) und Klamotten anging, das Outfit von Eva könnten böse Zungen möglicherweise auch als unvorteilhaft und bieder dissen. Hosenträger, Weste, weißes Hemd, wie das nette Mädchen vom Ponyhof nebenan kam die Dame rüber, die aber mit frechen Ansagen und sehr gute Stimme punkten konnte. Natürlich lag der Fokus auf den neuen Stücken vom „In Love“-Album, wie etwa der aktuellen Single „Immer wenn es dunkel wird“ oder dem leicht martialisch vorgetragenen „Maschinen“. Zu „In bin in Love (Paris)“ „verkleidete“ sich Frau Briegel dann auch stilecht als Französin, während sie eine Art „Kinder-Xylophon“ bediente. Der Applaus war warmherzig aber so richtig sprang der Funke nur selten über, z.B. beim sehr clubbigen „Süchtig“ oder natürlich bei der „Perfekten Welle“. Irgendwie schien mir das Auditorium ein wenig lethargisch sein und das sag ich als sturer Ostwestfale. JULI warfen jedenfalls vieles in die Waagschale: Große Bälle über den Köpfen der Zuschauer, eine Konfettikanone in der Zugabe, Hüpfspiele und Animation. Allerdings bremsten Titel wie die wenig eingängige DSDS-Persiflage „Jessica“ die Stimmung ein wenig aus. Nun gut, ansonsten war alles in der Setlist, was dahin gehört und mit dem stimmigen „Dieses Leben“ endete der Hauptpart sehr gefühlig. Logischerweise war das noch nicht alles, das recht LENA-ähnliche „Elektrisches Gefühl“ eröffnete schwungvoll die Verlängerung und wurde von „Wir beide“, einer Hommage an beste Freunde, optimal fortgeführt. Danach setzten wir uns aber so langsam Richtung Heimat ab, was eine weise Entscheidung war, angesichts des einsetzenden Schneesturms in einzelnen Abschnitten der A2. Leider verpassten wir dadurch ausgerechnet meinen Lieblingstitel „Eisenherz“, die perfekte Symbiose aus Zerbrechlichkeit und Noise, doch man kann nicht alles haben im Leben.

Also doch November und kein JULI mehr, eigentlich schade. Das Konzert hatte insgesamt etwas angenehm Unprätentiöses und Vertrautes, Rockstar-Posen und –Gehabe sucht man bei den Giessenern vergeblich. Allerdings gab es auch nur wenige magische Momente, die beispielsweise bei der aktuellen WIR SIND HELDEN-Tour immer wieder durchblitzen. Wohlig und nett unterhalten wurde man aber allemal.

Setlist JULI
Immer Wenn Es Dunkel Wird
Maschinen
Geile Zeit
Du nimmst mir die Sicht
Du Lügst So Schön
Zerrissen
Regen und Meer
Mit Verbundenen Augen
Am besten sein
Süchtig
Jessica
Ich Bin In Love (Paris)
Wer von euch
Perfekte Welle
Ein neuer Tag
Dieses Leben

Elektrisches Gefühl
Wir beide
Eisenherz

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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