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JUPITER JONES – MY GLORIOUS

Ort: Osnabrück - Haus der Jugend

Datum: 24.03.2011

Gestern Abend also endlich wieder JUPITER JONES. Endlich wieder zurück in Osnabrück. Das letzte Mal habe ich sie anno 2009 in der Kleinen Freiheit gesehen, das letzte für November angekündigte Konzert wurde verschoben. Was seitdem geschah? Neue CD, Radiohit, TV-Auftritte, die Clubs wurden (viel) größer, Sänger Nicholas wurde (viel) dünner. Und ansonsten?

Aber von vorne und ganz langsam. Die Enttäuschung über das abgesagt Konzert Ende 2010 war groß, die Vorfreude auf den Nachholtermin am gestrigen Tag umso größer. Dann die logische Konsequenz auf den neuen Erfolg der Band: Das Konzert wurde von der Lagerhalle in den Rosenhof verlegt und war dann tatsächlich auch ausverkauft. Respekt und Glückwunsch!

Als Vorband hatte man sich MY GLORIOUS aus Wien für einige Konzerte mit auf Tour genommen. Das Trio begann seinen Indie-Rock von der ersten Minute an sehr überzeugend. Man hat es schwer, in dem Genre das Rad neu zu erfinden und viele Parallelen und Vergleiche kamen einem beim Anblick der Ösis in den Sinn, aber dennoch war dann im Endeffekt kein Vergleich so passend, ihn hier nennen zu wollen. Also doch ein großer Schuss Eigenständigkeit und vor allen Dingen eine riesengroße Portion Spielfreude. Die Ansagen kamen etwas unverständlich rüber – aber dank des Dialektes mit einer Menge Charme. Der Auftritt von MY GLORIOUS machte Spaß, steigerte sich stetig und konnte mehr und mehr JUPITER-Fans überzeugen. Eine Percussion-Einlage, bei welcher die gesamte Band das Schlagzeug bediente und dann gegenseitig die Sticks der anderen bearbeitete, wurde perfekt eingebaut und konnte vollends überzeugen. Auch die folgende Single „You should be dancing“ hatte Potenzial und ein abschließender Country-angehauchter Titel, bei dem der Drummer sein Kit verließ und lediglich den Rest der Band auf einer Stand-Tom begleitete, wurde bestens angenommen. Auf jeden Fall hinterließen MY GLORIOUS einen sehr guten Eindruck und langweilten zu keiner Zeit.

Dann gab’s eine erfreulich kurze Umbaupause und damit endlich die Band, die für ein ausverkauftes Haus gesorgt hatte. Man begann etwas holprig mit dem Song „Ansage“, schob gleich das markante „Hey! Menetekel“ hinterher und schmiss dann sofort mit „Das Jahr in dem ich schlief“ den ersten Hit ins Feuer. Das Publikum bedankte sich alsgleich und sang lauthals den gesamten Song mit und begann schon mal, etwas ausschweifender zu tanzen. Leider folgte dann eine kleine Durststrecke mit bedächtigeren Stücken. Doch auch diese wurden gut angenommen. JUPITER JONES haben ja seit jeher bewiesen, dass sie sowohl schnell, punkig und dreckig als auch ruhig und gefühlvoll können. Was Gitarrist Sascha auch konnte, waren „Westerland“ und „Verdammt lang her“, was er gleich auf seinem Instrument unter Beweis stellte. Etwas schwierig zu bewerten bleibt das gestrige Konzert dennoch. Wenn man die Band aus überwiegend kleinen Clubs voller „Die-Hard-Fans“ kennt, die textsicher ALLES mitgrölen und dafür sorgen, dass ab dem dritten Song der Schweiß von der Decke kondensiert, hätte man gestern sicher etwas enttäuscht sein können. Aber will man zu den Leuten gehören, die allen Freunden begeistert von dieser unbekannten, aber supergeilen Combo erzählen und der Truppe, sobald diese bekannter wird, dann Sell-Out vorwerfen? Sicher nicht. Und schließlich beweist die neue CD auch eher eine Rückbesinnung auf rockigere Anfangswerke.

Die Band wurde es an diesem Abend auf jeden Fall nicht leid, von ihrem letzten Konzert in Osnabrück, gleichzeitig Tourende 2009, zu erzählen und sich bei allen für die Unterstützung zu bedanken. Das taten sie in der Folge mit „Wir sind ja schließlich nicht Metallica“ was wieder gnadenlos abgefeiert wurde und schickten dann den Grund des neuen Erfolges raus. Mit „Still“ folgte der bis dato erfolgreichste Titel in der Bandgeschichte, den Sänger Nicholas seiner Mutter widmete. Mit der schnellen Punkversion von „Auf das Leben“ und dem „Jupp“-Nachfolger „Hier oben“ beendete die Band nach nur 1 Stunde ihr reguläres Set, nicht jedoch ohne anzukündigen, dass dieses Verhandlungsbasis sei. Natürlich wollte niemand lange verhandeln und entsprechend laut und vehement wurden die Musiker zurückbeordert und begann die Zugabe folgerichtig mit dem alten, echten und einzig wahren „Jupp“.

„Spontan“ entschieden sich die JUPITERs nicht nur, die beiden Zugaben der Setlist zu spielen, sondern noch 2 Songs draufzupacken und hauten noch „Immer für Immer“ sowie „Du und Jörg Haider“ raus bevor dann mit „Landjugend“ endgültig das letzte Lied erschallte. Zum Schluss des Songs wurde dann im Kanon nochmal richtig mitgegrölt. Und scheiße ja, JUPITERS, genau DAS ist es was wir wollten und weshalb wir da waren und wiederkommen werden: Das Bier hochrecken und die Songs brüllen und uns dank der sehr genialen Texte dabei nicht so scheiße fühlen wie bei… anderen Bands! Also nächstes Mal bitte wieder ein bisschen mehr davon! Denn was gestern am meisten gefehlt hat, war was am meisten gezählt hat, das muss wohl überall so sein.

Setlist JUPITER JONES
Ansage
Hey! Menetekel
Das Jahr in dem ich schlief
Im Januar, im Schlaf
Nordpol / Südpol
Stück vom Weg
Wir sind ja schließlich nicht Metallica
Still
Berlin
Kopf hoch und Arsch in den Sattel
Sonne? Scheint!
Auf das Leben!
Hier oben (…Jupp)

Jupp
Immer für Immer
Du und Jörg Haider
Landjugend

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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