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KAKKMADDAFAKKA – PICKERS

Ort: Osnabrück - Kleine Freiheit

Datum: 05.10.2011

Allein schon dieser Bandname: KAKKMADDAFAKKA! Was ja so viel wie „Party Animal“ heißen soll und der Geheimsprache der Bergener entlehnt ist, die da Ballabang heißt. Gleich mit acht Mann waren KAKKMADDAFAKKA aus ihrer Heimat Norwegen angereist, um den deutschen Teens und Twens mal zu zeigen, wie im hohen Norden gefeiert wird. Vielleicht sind die Jungs aber auch nur hier, weil bei uns der Schnaps deutlich billiger ist, denn wenn man die Truppe auf der Bühne erlebt, fragt man sich schon, wie viel Alkohol da im Vorfeld fließen muss, um so einen strangen Mix aus Rap, Funk, Disco, Jazz, Rock und Pop hinzubekommen, der dann auch noch in einer derart aberwitzigen Performance an den Mann und die Frau gebracht wird. Angesichts der zahlreichen Besucher in der Kleinen Freiheit war auf jeden Fall schon mal klar, dass die fünfköpfige Band, die live auch schon mal auf 12 Mann aufgerüstet wird, kein unbekannter Geheimtipp mehr ist. Dazu haben zweifellos Festival-Gigs beim Melt!, dem Dockville und Area 4 beigetragen und auch die erste internationale Langrille „Hest“ fand hierzulande eindeutig Anklang.

Nach Osnabrück waren die Norweger nicht allein gekommen und so schickten die Jungs zunächst einmal ihren Support aus Berlin auf die Stage, um den Abend um 21 Uhr sehr treibend starten zu lassen. Die PICKERS sind vier Kumpels aus dem saarländischen St. Wendel, die ihre Kapelle 2007 gegründet haben und im Spätsommer des letzten Jahres gemeinsam in die Hauptstadt umgesiedelt sind. Lutz P. Rodenbüsch (Gesang & Gitarre), Alexander Moore (Leadgitarre & Backing Vocals), Robert Ring (Bass & Backing Vocals) und Joshua Bright (Schlagzeug & Backing Vocals) wussten mit energiegeladenen Songs wie „1989” und „Control” ihr Publikum zu fesseln und auch wenn es „Bright Eyes“ ein wenig ruhiger angehen ließ, lud die Nummer doch immer noch zum Tanzen ein. Einflüsse der ARCTIC MONKEYS waren nicht zu überhören; der Sound präsentierte sich jedoch gleichzeitig eigenständig genug, um neugierig auf mehr zu machen und so ging es mit „No One Else“ auch schon bald knackig und mit viel Tempo weiter. Gelegentlich mischte sich auch ein wenig Country-Feeling in die rhythmusbetonten Beats, wenn denn nicht gerade heftig geschrammelt wurde, wobei hier auch schon mal die HIVES einen skandinavischen Rock’N’Roll-Gruß schickten. So vergingen die ersten 30 Minuten wie im Fluge und das Auditorium machte keineswegs den Eindruck, als hätte es diese halbe Stunde nur unwillig über sich ergehen lassen. Die jugendlichen Hasestädter zeigten sich vielmehr begeisterungsfähig, wobei zweifelsohne auch eine gewisse aufgeregte Spannung in der Luft lag, was denn wohl bei KAKKMADDAFAKKA noch passieren würde.

Bevor dieses Geheimnis gelüftet werden konnte, sollten zunächst allerdings noch 35 Minuten vergehen, dann enterten die beiden Brüder Axel (Gitarre & Gesang) und Pål Vindenes (Cello & Gesang) mit ihren Schulfreunden Jonas Nielsen (Klavier & Gesang) und Stian Sævig (Bass & Gesang) sowie Kristoffer van der Pass (Drums) und den drei Backgroundsängenr und –Tänzern zu Hip-Hop-Klängen die Stage. Nach diesem Einzug in die ehemalige Bahnkantine gingen die Acht sogleich in die Vollen und auch das Auditorium zeigte sich alles andere als zurückhaltend. Zu groovenden Sounds kreisten schon bald zahlreiche Finger in der Luft und zelebrierten den KAKKMADDAFAKKA-Circle-of-Love, während Jonas in Adiletten in die Tasten haute und die Hupfdohlen im Hintergrund sich im Ausdruckstanz übten. „Crazy On The Dancefloor“ war zweifelsohne das Motto des Abends und konnte problemlos noch um den Zusatz „Crazy On Stage“ ergänzt werden. Die Positionen an den Mikros wurden gern mal zwischen Axel, Pål und Jonas durchgetauscht, der ebenso wie Pål zu diesem Zweck auch schon mal seinen Arbeitsplatz verließ. Es konnte jedoch auch genauso gut sein, dass Herr Nielsen fast vom Klavierhocker fiel oder auf selbigem zu stehen kam, während sich der Saal mehr und mehr in einen Hexenkessel verwandelte. Die Truppe legte ein ordentliches Tempo vor, da war es ganz gut, dass „Is She“ einen Gang runterschaltete. Während Cellist Pål den Song zum Vortrag brachte, nutzten die Dancer die Gelegenheit ihre weißen Hemden und Fliegen gegen kurze Sporthosen und T-Shirts zu tauschen. Mit deutlichem Reggae-Einschlag schloss sich „Gangsta“ an, um nach einer Weile im „Standbild“-Modus zu verharren. Da in der Kleinen Freiheit aber jede Menge alt gediente Fans versammelt waren, wussten diese ohne besondere Anweisungen was zu tun war und setzten sich kollektiv hin, um am Ende auf Kommando und mit KAKKMADDAFAKKA-Rufen (von denen es an diesem Mittwoch etliche gab) aufzuspringen. Im Übrigen bewiesen die Anwesenden eindeutig Textsicherheit und es wurde vor und auf der Bühne nach allen Regeln der Kunst gefeiert. Da konnte es zwar vorkommen, dass ein Zuschauer im Eifer des Gefechts gegen den Mikroständer knallte und das Mikrophon dann auch gleich mal wurfgeschossgleich den armen Axel torpedierte. Der hatte auf diese Weise wohl ganz schön was auf die Nase bekommen, machte aber tapfer weiter. Einen neuen Song hatten die Jungspunde, die sich 2004 zusammengefunden haben, auch im Gepäck. Hier war noch mal eine kleine Verschnaufpause angesagt und auch „Self Esteem“ ließ sich etwas Zeit, um auf Touren zu kommen, doch dann waren KAKKMADDAFAKKA endgültig nicht mehr zu stoppen. Es brodelte gewaltig in der nahezu ausverkauften Freiheit und mit „Restless“ gab’s dann gar kein Halten mehr. Dieser Song war als letzte Nummer angekündigt worden, aber da die Tanzmannschaften auf beiden Seiten noch nicht müde waren, gab’s nach 65 Minuten regulärer Spielzeit noch eine Verlängerung.

Der Achter ließ es ein weiteres Mal amtlich grooven und auf der Zielgeraden gab’s einmal mehr die volle Breitseite. Ich will mich nicht festlegen, aber irgendwie kam es mir so vor, als hätten wir den vorletzten Track schon mal früher am Abend gehört, der guten Stimmung tat dergleichen aber eh keinen Abbruch und beim letzten Streich war sowieso nur noch eine einzige große Party angesagt. Mit viel Druck und Drive legten KAKKMADDAFAKKA sich zu guter Letzt abermals richtig ins Zeug und sparten zudem nicht am Lob für ihr feierwütiges Publikum. Die gefürchtete Zurückhaltung, die man sonst häufig bei Konzerten in unseren Breitengeraden erlebt, war auf jeden Fall heuer kein Thema und so wurde auch das selige Lächeln, das sich in Jonas’ Mimik praktisch eingefräst hatte, auch bei diversen Gästen der Kleinen Freiheit gesichtet.

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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