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KASABIAN – PULLED APART BY HORSES

Ort: Bremen – Pier 2

Datum: 24.10.2014

Nachdem man sich im Frühsommer beim Rock am Ring respektive Rock im Park bereits einen ersten Eindruck von der Live-Tauglichkeit der neuen KASABIAN-Songs machen konnte, sind die Herrschaften aus Leicester jetzt erneut für fünf Termine in unseren Gefilden unterwegs, um ihr jüngstes Baby „48:13“ und natürlich auch ältere Songs zu Gehör zu bringen. Den Anfang machten Tom Meighan (Gesang), Sergio Pizzorno (Gitarre & Gesang), Chris Edwards (Bass) und Ian Matthews (Drums), die von Ben Kealey (Keys), Gary Alesbrook (Trompete) und Tim Carter (Gitarre) auf der Stage unterstützt wurden, im gut gefüllten Bremer Pier 2, wo zunächst einmal die Landsleute von PULLED APART BY HORSES die Aufwärmübung übernahmen.

Leider bekam ich vom 2007 gegründeten Alternative-Rock-Vierer aus Leeds nicht viel mit, da ich dummerweise Teil des 10-km-Staus auf der A1 war (in diesem Zusammenhang schicke ich noch einmal ein Stoßgebet gen Himmel, dass die bundesdeutschen Autofahrer irgendwann einmal das Reißverschlussverfahren lernen mögen). Als ich endlich die Location im Bremer Hafengebiet erreichte, waren Tom Hudson (Gesang & Gitarre), James Brown (Gitarre), Robert John Lee (Bass) und Lee Vincent (Schlagzeug) bereits beim finalen „High Five, Swan Dive, Nose Dive“ vom selbstbetitelten 2010er Debüt angekommen. Was ich bei dieser Gelegenheit noch zu hören bekam, ließ mich jedoch vermuten, dass den knapp 2.000 Anwesenden ordentlich eingeheizt worden war und bestimmt gab es auch bereits einen kleinen Vorgeschmack auf die dritte Langrille „Blood“, die in Kürze bei uns erscheinen soll. Auch hier dürfte es sich lohnen, noch ein Ohr zu riskieren.

Um 21.15 Uhr war es dann aber so weit: Die Hauptakteure des Abends nahmen zu den Klängen eines Intros Aufstellung und sorgten mit „stevie“ vom aktuellen Langspieler für einen gelungenen Einstand. Dem schloss sich „Shoot The Runner“ vom 2006er „Empire“ knackig an und auch die flirrenden Synthie-Flächen von „Underdog“ (2009 auf „West Ryder Pauper Lunatic Asylum“ erschienen) wussten uneingeschränkt zu begeistern. Tom trug wie üblich seine Puck-die-Stubenfliege-Sonnenbrille (die er zwischendurch jedoch auch immer mal wieder zur Seite legte) und visuell wurde die hochenergetische Show mit allerlei Lichteffekten unterstützt. So changierte die Bühnenbeleuchtung beim rhythmusbetonten Stomper „Where Did All The Love Go“ zwischen blau und orange und warf zuckende Lichtreflexe auf das tanzende Auditorium, das mit „Days Are Forgotten“ vom vorletzten Studioalbum „Velocirapor!“ aus 2011 sogleich weiter zappeln konnte. Druckvoll und treibend übernahm „eez-eh“ – diesmal mit Sergio abseits seiner Langaxt, stattdessen beschäftigte sich der Strubbelkopf mit einem Instrument, das über Knöpfe und Tasten zu verfügen schien, bevor er für das groovende „Processed Beats“ vom „Kasabian“-Erstling aus 2004 wieder seinen Sechssaiter bearbeitete. „Take Aim“ wurde wenig später von Piano-Geklimper eröffnet und inkludierte einmal mehr auch Trompetenklänge. Was reichlich dramatisch startete, nahm schließlich wieder melodiös Fahrt auf und schickte Mr. Meighan in eine kurze Pause, denn hier übernahm der Kollege Pizzorno das Mikro im Alleingang. Für einen krachenden Übergang sorgten derweil allerlei Lightflashs und jaulende Gitarren, die „Club Foot“ den richtigen Rahmen gaben. Das Publikum honorierte dies mit kräftigem Klatschen, ehe „Re-Wired“ in Bein und Ohr ging und „treat“ sich als coole Frickelnummer entpuppte, die Band-Mitbegründer Sergio a cappella beginnen ließ. Arme wurden gereckt und der Song unter Beifall ausführlich zelebriert. Scheppernde Drums nahmen wenig später bei „Empire“ Fahrt auf, während für „Goodbye Kiss“ eine Akustikklampfe gefragt war. Die 1997 von Meighan, Pizzorno und Edwards aus der Taufe gehobene Kapelle servierten Musik fürs Herz, was die Zuschauerschaft mit hundertfachem Arme schwenken dankte. Mit „Fire“ ging die Truppe auf der Zielgeraden dann noch einmal steil, um am Ende nach 75 Minuten einen kurzen Break einzulegen.

Ohne eine Zugabe konnten die Briten das Pier 2 natürlich unmöglich verlassen und selbstverständlich hatten die Herren auch noch etwas in petto. Blaue Nebelschwaden waberten deshalb einen Augenblick später über die Bühne und ließen die Musiker im Zwielicht nur erahnen. Auf dem Programm stand „bumblebeee“, das zunächst den Kopf zum Nicken brachte und dann alle Extremitäten erfasste. „Vlad The Impaler“ sorgte ebenfalls für ordentlich Bewegung im Auditorium und wurde gebührend abgefeiert, ehe das „Praise You“-Intro vermittels Tasteninstrument erklang. Nach dieser kurzen FATBOY-SLIM-Reminiszenz ging es dank „L.S.F. (Lost Souls Forever)“ abermals in die Vollen, womit KASABIAN ihren Fans nach 2 x 48:13 Minuten einen großartigen Konzertabschluss bescherten.

Okay, ich wiederhole mich, aber ich muss es noch mal sagen: Es wird mir ein ewiges Rätsel bleiben, warum KASABIAN nicht ein ähnlicher Erfolg beschert war wie OASIS. Wahrscheinlich fehlte schlecht die mediale Aufmerksamkeit, weil sich hier niemand geprügelt hat oder sonst irgendwie auffällig wurde. Musikalisch stehen KASABIAN den Gallagher-Rüpeln nämlich in nichts nach. Es war mir deshalb abermals ein großes Vergnügen, sie on stage erleben zu dürfen und das rundum zufrieden wirkende Publikum machte ebenfalls den Eindruck, ähnlich zu empfinden.

Setlist KASABIAN
stevie
Shoot The Runner
Underdog
Where Did All The Love Go
Days Are Forgotten
eez-eh
Processed Beats
Take Aim
Club Foot
Re-Wired
treat
Empire
Goodbye Kiss
Fire

bumblebeee
Vlad The Impaler
L.S.F. (Lost Souls Forever) (mit “Praise-You”-FATBOY-SLIM-Intro)

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