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KATZENJAMMER – PERRY O’PARSON

Ort: Bielefeld – Ringlokschuppen

Datum: 07.03.2015

Wer an diesem Samstagabend rund um den Ringlokschuppen unterwegs war, bekam einen Haufen Autos zu sehen, die kein Bielefelder Kennzeichen hatten. Stattdessen waren Städte und Landkreise vertreten, die durchaus 100 Kilometer und weiter entfernt waren. Der Grund für diese umfangreiche PKW-Ansammlung kam aus dem hohen Norden und bestand aus vier Ladies und einem Haufen Instrumenten. Die Rede ist natürlich von KATZENJAMMER aus Norwegen, die sich zum wiederholten Male in der Leineweberstadt die Ehre gaben. Die Mädels machen inzwischen im zehnten Jahr gemeinsame Sache und das mit zunehmendem Erfolg. Nach „A Kiss Before You Go“ in 2011, ging es jetzt auch mit „Rockland“ in die Album-Top-Ten und nicht nur in Bielefeld war das Konzert ausverkauft – und wir sprechen hier von der großen Halle mit einer Kapazität von 2.500 Personen! Vermutlich wird der Wochenend-Termin sich positiv auf die Vorverkaufszahlen ausgewirkt haben, aber auch anderen Ortes waren für die Gigs unter der Woche schon lange keine Tickets mehr zu bekommen.

Ein Alleinstellungsmerkmal hatte in Bielefeld allerdings der Support für die vier Wirbelwinde, den hier PERRY O’PARSON übernahm, während INE HOEM bis auf Berlin und Dresden (hier eröffneten PART NICK & THE ROUNDABOUTS) diesen Job innehatte. Wer nun bei Mr. O’Parson mit einem rotschöpfigen Iren rechnete, lag deutlich daneben, denn eigentlich heißt Perry Marcel Gein, kommt gebürtig aus dem Südwesten unserer Republik und lebt in Hamburg. Auf die Fahnen hat sich der Mann mit der Akustikgitarre Neo Folk, Alternative Country und Singer-Songwriter-Indie geschrieben und so reichten dem sympathischen Musiker auch ein Mikro und seine Klampfe, um das Auditorium zu unterhalten. Zwar war sich der Mützenträger nicht ganz sicher, ob er nicht in gewissem Maße ein „Zeitverzögerer“ sei und vor lauter Aufregung hatte er sich tags zuvor derart Mut angetrunken, dass er nun mit einem Kater auf der Bühne stand. Dies hielt ihn jedoch nicht davon ab, seine reduzierten Songs mit samtig-sonorer Stimme vorzutragen, wofür er auch mit wohlwollendem Applaus bedacht wurde. Sein Albtraum, seine Hose fiele während des Konzertes runter, wurde nicht wahr, doch brachte ein „Du bist der Hammer!“-Ruf aus dem Auditorium den schluffigen Mittzwanziger derart aus dem Konzept, dass er seinen letzten Song kurz danach ziemlich abrupt beendete. Nichtsdestotrotz waren es nette 25 Minuten mit PERRY O’PARSON, die allerdings stilistisch nicht ganz viel mit dem energiegeladenen Folk-Rock-Crossover aus dem Hause KATZENJAMMER gemeinsam hatten.

Darauf musste die bunt gemischte Zuschauerschaft im alten Industriegemäuer noch mal 25 Minuten warten, doch dann legten Anne Marit Bergheim, Solveig Heilo, Turid Jørgensen und Marianne Sveen sogleich mit Volldampf los. Die Damen waren natürlich erneut mit Massen an Instrumenten nach Deutschland bekommen und wie üblich fand auch heuer ein reges Bäumchen-Wechsel-Dich-Spiel an den einzelnen Positionen statt. So übernahm Anne Marit beim knackigen Opener „Old de Spain“ vom aktuellen Silberling zunächst Gesang und Banjo, während Solveig an den Fellen und sechs Saiten agierte und Turid die große Bass-Balalaika mit dem grinsenden Katzen-Konterfei zupfte, wohingegen Marianne sich an der zweiten Gitarre zu schaffen machte und beim nachfolgenden „Ouch“ zusätzlich den Hauptgesang übernahm. Die Mädels versprühten jede Menge Spielfreude und es dauerte nur einen klitzekleinen Moment, bis die gute Laune auch das Publikum erreicht hatte, welches auch sogleich mitklatschte und beispielsweise bei „Curvaceous Needs“ mit treibenden Drums und countryesken Feelgood-Melodien belohnt wurde. Die wunderbare 2011er Single-Auskopplung „Rock-Paper-Scissors” kam so gut an, dass die Zuschauer sogar kurzerhand ihre Textsicherheit bewiesen – gefremdelt wurde an diesem Abend jedenfalls überhaupt nicht! KATZENJAMMER machten es ihren Fans mit ihrer temperamentvollen Show aber auch leicht. Etwa mit dem flotten „My Own Tune“, bei dem auch ein pinkfarbenes Kinderpiano zum Einsatz kam, bevor Marianne für das eingängige „Flash In The Dark“ in die Tasten eines „erwachsenen“ E-Pianos griff. Blaues Licht umfing die Stage derweil beim coolen „Driving After You“, das es ebenso wie „My Dear“ etwas ruhiger angehen ließ, ehe „I Will Dance (When I Walk Away)“ mitsamt Mundharmonika und Akkordeon abermals Fahrt aufnahm. Dafür ließ sich das „Bad Girl“ ein bisschen Zeit und die empathische „Lady Grey“ erzählte mit viel Gefühl von einer Patientin, die der dunkle Wuschelkopf Marianne während ihrer Zeit als Krankenschwester kennengelernt hatte. Elfengleiche Vocals schenkten die Damen ihrer Fan-Gemeinde mit dem verhaltenen „Rockland“ ebenso wie die Auskunft, dass sie an jedem Tag in Deutschland ein deutsches Wort oder eine deutsche Redewendung lernen wollten. Für heute stand „nicht alle Tassen im Schrank haben“ auf dem Programm – ebenso wie die großartige A-cappella-Performance zu „God’s Great Dust Storm“, für die es verdient ausführliche Akklamationen gab. Dank „Mother Superior“ ging’s wenig später auf den Rummel, zumindest vermittelte die schwungvolle Mucke ein Gefühl von Kirmes-Polka-Walzer, weshalb die Konzertstätte auch alsbald in Schunkellaune geriet. Auch der „Demon Kitty Rag“ ging mächtig steil und mit fettem New-Orleans-Groove umgehend ins Bein, was in gleichem Maße für das rhythmusbetonte „Oh My God“ galt, bei dem erneut die dunkelhaarige Anne Marit Quetschkommode und Mikro übernahm. Für das schwungvolle „Shine Like Neon Rays“ war nochmals das Mini-Tasteninstrument gefragt. Und das deutsche Kinderlied „Der Hahn ist tot“, mit dem Solveig den Gute-Laune-Song einläutete, bevor es DEEP PURPLEs „Smoke On The Water“ in einer sehr schönen Instrumentalfassung auf die Ohren gab. „A Bar In Amsterdam“ vom 2008er Debüt „Le Pop“, das bei uns erst 2010 erschienen ist, übernahm nahtlos und verortete Frau Heilo an die Trompete, ehe die Bühne wenig später im Dunklen lag und düstere Töne von „Hey Ho On The Devil’s Back“ ins Rund geschickt wurden. Schließlich zuckten rote Lichtblitze durch den großen Saal und es herrschte eine wirklich höllisch gute Stimmung, die das Publikum zum ausdauernden Klatschen animierte.

Das brauchte es allerdings auch, denn der Vierer ließ sich nach 95 Minuten Spielzeit ein wenig bitten, um an seine Wirkungsstätte zurück zu kommen. Dann gaben die Damen aber noch mal alles! Angefangen bei Solveig und Marianne, die für das emotionale „Lady Marlene“ gemeinsam am Klavier Platz nahmen und zusammen mit den Kolleginnen an den Saiten perlende Melodien fürs Herz offerierten. Bei so einer Vorlage ließen sich auch die Gäste nicht lumpen, spendeten gebührenden Applaus und waren zudem auch beim Männlein-Weiblein-Schrei-Contest zu „Land of Confusion“ (im Original von GENESIS) mit von der Partie. Höhepunkt der Show war schließlich „Ain’t The Thang“, das leider nach zwei absolut kurzweiligen Stunden dann auch das Konzertfinale markierte. Die Mädels holten ein letztes Mal alles aus ihren Instrumenten raus und insbesondere Kollegin Sveen stellte nochmals ihre Stimmgewalt unter Beweis. KATZENJAMMER verabschiedeten sich mit einem strahlenden Lächeln auf den Gesichtern des Vollblutmusikerinnen-Quartetts und auch im Auditorium sah man sehr zufriedene grinsende Mienen, denn dieser Konzertbesuch hatte sich zweifellos gelohnt. Ein großes Dankeschön an die Norwegerinnen, die sich ihren Erfolg mit unermüdlichem Fleiß, einer enormen Spielfreude, solidem Handwerk und ihrem einnehmenden Wesen über die Jahre erspielt und absolut verdient haben!

Setlist KATZENJAMMER
Old de Spain
Ouch
Curvaceous Needs
Rock-Paper-Scissors
My Own Tune
Flash In The Dark
Driving After You
My Dear
I Will Dance (When I Walk Away)
Bad Girl
Lady Grey
Rockland
God’s Great Dust Storm
Mother Superior
Demon Kitty Rag
Oh My God
Shine Like Neon Rays
Smoke On The Water (DEEP-PURPLE-Instrumental-Cover)
A Bar In Amsterdam
Hey Ho On The Devil’s Back

Lady Marlene
Land of Confusion (GENESIS-Cover)
Ain’t No Thang

Copyright Fotos: Sascha Uding

1 Kommentar

  1. Kai sagt:

    Vielen Dank für den herausragenden Bericht! Es scheint, dass sie ähnlich viel Spaß wie ich an diesem Abend hatten. Das kommt auch in den Fotos deutlich zum Ausdruck, wie z.B. bei der „Mikrofon-Nase“ die sie Anne Marit verpasst haben 😉

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