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KATZENJAMMER – UNNI WILHELMSEN

Ort: Bielefeld – Ringlokschuppen

Datum: 12.11.2011

Kurzfristig ergab sich für mich die Möglichkeit, KATZENJAMMER im Bielefelder Ringlokschuppen live zu erleben und da ich von den jungen Norwegerinnen bisher nur Gutes gehört hatte, war ich sehr gespannt auf das Konzert. Dabei hatte ich nicht die Ausmaße bedacht, die die ganze Sache annehmen würde. Hatte ich mit einem intimen Liveerlebnis vor gut 300 Zuschauern gerechnet, wurde ich schnell eines besseren belehrt. Die große Halle des Ringlokschuppens war nahezu ausverkauft und hier und da wurde es kuschelig eng.

Bevor aber die Protagonistinnen des heutigen Abends die Bühne entern durften, betrat zunächst UNNI WILHELMSEN eben diese. Bewaffnet mit einer Gitarre und einem Herrn mit Bass im Schlepptau, sollte die Dame, ebenfalls aus Norwegen, uns auf KATZENJAMMER einstimmen. So zart sie in ihrem Gewand aussah, umso derber war ihr Humor. Gleich nach dem ersten Song, für den sie reichlich Applaus erntet, machte sie die Zuschauer darauf aufmerksam, dass das aber etwas wenig war und 300 Norweger die knapp 2000 Bielefelder locker übertönen könnten. Diese und weitere Ansagen dieser Art versüßten uns den Abend und machten UNNI WILHELMSEN ausgesprochen sympathisch. Wobei ihre Musik durchaus auch nicht zu verachten war. Stellenweise erinnerte sie mich an ihre Landsfrau ANE BRUN. Den Abschluss machten ein norwegischer Titel, ein JONI MITCHELL-Cover (was mich irgendwie an den Film „Tatsächlich Liebe“ denken ließ) und erneute Werbung für ihr inzwischen 7. Album, die noch mal durch hochgehaltene Pappschilder mit dem Albumcover unterstrichen wurde.

Nach einer kuzen Umbaupause, viel war ja nicht zu machen, denn die unzähligen Musikgeräte waren bereits auf der Bühne platziert, legten Anne Marit, Marianne, Solveig und Turid mit dem recht ruhigen und kurzen Intro “ A Kiss Before You Go“ vom gleichnamigen aktuellen Album los. Das war aber die Ruhe vor dem Sturm, denn mit „Ouch!“ ging es fulminant weiter und KATZENJAMMER rissen die anwesenden Fans sofort mit. Um es vorweg zunehmen: die energiegeladene Show der spielfreudigen Damen konnte die Superstimmung des sonst so verhaltenen ostwestfälischen Publikums die ganzen 90 Minuten über halten. Dass keine Langeweile auf der Stage aufkam, dafür sorgten die Mädels selbst, denn nach jedem Song wurden die Instrumente und dementsprechend auch die Positionen getauscht, wobei Anne Marit auch schon mal 3 Instrumente gleichzeitig spielte. Als Blickfang diente neben den Girls selbst der mit einem Katzengesicht bemalte Kontrabass-Balalaika. Diesen haben sie nach eigenen Aussagen in einem Osloer Pub gefunden und ist seitdem ein treuer Begleiter und das fünfte Mitglied der sympathischen Norwegerinnen. Auch gesanglich wechselten sich die Musikerinnen ab, wobei Marianne doch den größten Part hiervon übernahm. Sehr gelungen ist ihre gefühlvolle, teils laszive Interpretation vom GENISIS-Hit „Land Of Confusion“ und „Hey Ho On The Devil’s Back“ kam wie eine Mischung der 60/70er Ikonen NICO und JANIS JOPLIN rüber. Natürlich fehlten auch nicht „A Bar In Amsterdam“, mit der schmetternden Trompete von Solveig und die aktuelle Single „I Will Dance (When I Walk Away)“. Es wird mit Sicherheit einfacher sein zu beschreiben, welche Musikrichtung nicht im Repertoire von KATZENJAMMER vorkommt, als aufzuzählen, welche Stilrichtung dort auf der Bühne performt wird. Ganz viel Folk, Pop und Rock, ein bißchen Country, ein Schuß Blues zelebriert das Quartett. Es scheint auch, dass es sich bis Norwegen herumgesprochen hat, dass Bielefeld ja gar nicht existiere. Die Mädels mußten sich erst beim lautstarken Publikum vergewissern und kamen zu dem Schluß, dass es diese Stadt im Teutoburger Wald wohl doch gibt. Das hätten sie aber auch vorher wissen können, denn vor anderthalb Jahren spielten sie doch noch im – wesentlich kleineren – Bielefelder Kamp. Zur letzten Zugabe holten sie sich dann noch Verstärkung von UNNI WILHELMSEN auf die Bühne und entließen die Fans, die eigentlich immer noch nicht genug hatten, in die kalte Novembernacht.

Irgendetwas muß ja dran sein an KATZENJAMMER. Wenn selbst die alterwürdige ZDF Sendung „Aspekte“ der Band 5 Minuten Sendezeit widmet. Auch auf anderen guten Musikkanälen kommt man eigentlich nicht an ihnen vorbei. Deshalb ist es auch kein Wunder, dass sich das Publikum, das sich dieses Spektakel auf der Bühne live ansehen will, im letzten halben Jahr fast verdreifacht hat. Das verdient schon Respekt. Oder wie Marianne während des Gigs dem Publikum auf dem Weg gab: „Buy our CD and go at home and have sex“. In diesem Sinne.

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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