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KATZENJAMMER – UNNI WILHEMSEN

Ort: Osnabrück – Rosenhof

Datum: 07.05.2011

Ausverkauftes Haus und tropische Temperaturen im Rosenhof – das waren die Voraussetzungen an diesem sommerlichen Samstagabend. Der Grund (zumindest für die 800 Besucher) waren vier Damen aus Norwegen. Die Rede ist von Turid Jørgensen, Solveig Heilo, Marianne Sveen und Anne Marit Bergheim – besser bekannt als KATZENJAMMER. Bereits seit sechs Jahren macht das Quartett einen ungemein temperamentvollen Mix aus Rock, Folk, Country, Chanson, Jazz und Balkan-Musik, der sich live zudem dadurch auszeichnet, dass die Mädels bei nahezu jedem Song die Instrumente wie Bass-Balalaika, Akkordeon, Mandoline, Klavier, Schlagzeug, Geige, Mundharmonika, Banjo, Trompete, Glockenspiel, Kazoo oder auch Waschbrett wechseln. Hübsch anzusehen sind die Nordlichter außerdem noch und waren zu guter Letzt in weiblicher Begleitung nach Osnabrück gekommen.

Den Anfang machte um 20.15 Uhr nämlich eine weitere Norwegerin namens UNNI WILHELMSEN, die mit ruhigem Singer-/ Songerwriter-Stuff durchstartete. Die sehr sympathische und fleißige (sieben Platten in 13 Jahren) 40-jährige erklärte, sie sei von KATZENJAMMER verpflichtet worden, um die Zeit zu überbrücken, die die Truppe benötigte, um sich aufzubretzeln, aber ihre Mucke war zweifelsohne besser als belanglose Pausenüberbrückungsmusik und kam im ehemaligen Lichtspielhaus am Rosenplatz hervorragend an. Zwar war die Geräuschkulisse meines Erachtens recht laut, jedoch freute sich Unni darüber, wie aufmerksam das deutsche Publikum auch dem Support lausche und wunderte sich gleichzeitig, dass die Germanen sich ganze Konzerte in norwegischer Sprache anhören, obwohl sie kein Wort verstehen und die Musik mögen. Einen Song in ihrer Muttersprache brachte die blonde Multiinstrumentalistin, die in ihrer Heimat mit ihrem Folk, Pop und Jazz eine ziemlich große Nummer ist, auch zu Gehör, ehe sie erneut vom Saiteninstrument ans E-Piano wechselte, wo sie mit „Orange“ ein Lied ihrer aktuellen Platte „7“ spielte, die Ende Juni auch hierzulande erscheinen wird. Nach einer knappen halben Stunde beendete ein JONI-MITCHELL-Cover den netten Einstieg in den Abend und es gab „Both Side of You“ in einer wirklich hörenswerten Version auf die Ohren, die wie die übrigen Lieder mit viel Applaus bedacht wurde.

Nun galt es noch eine kleine Umbaupause zu überbrücken, in der das sehr gemischte Publikum, das mitunter ungewöhnlich reich an Jahren war, versuchte, Flüssigkeitsverluste auszugleichen und sich nahezu vergeblich Luft zufächerte. Da war es zumindest für die ersten Reihen eine Wohltat, dass KATZENJAMMER gleich zu Beginn ihrer Show um kurz nach 21.00 Uhr ihr Publikum mit Wasser nass spritzten, bevor es mit „A Kiss before You Go“ los ging. Der Sound erinnerte an altertümliche Jahrmärkte und wurde abgelöst vom beschwingten „Cocktails And Rubyslippers“, ehe „Ouch“ ein bisschen Country-Feeling ins Spiel brachte. Währenddessen wechselten die Vier permanent ihre Positionen an den Instrumenten und Mikros, das in diesem Fall Marianne federführend übernommen hatte. Gesegnet mit einem äußerst kraftvollen Organ und einer Frisur, die etwas mit dem Griff in eine Steckdose zu tun haben muss, ließ die dralle Schönheit es gemeinsam mit den Kolleginnen krachen, ehe der „Demon Kitty Rag (vom 2008er Debüt „Le Pop“ – bei uns erst im letzten Jahr erschienen) einen Hauch Dixieland Jazz offerierte. Nach dem Sommer soll es übrigens ein neues KATZENJAMMER-Album geben, von dem es bereits einige vielversprechende Kostproben zu hören gab, wie etwa das sehr tanzbare „Rock Paper Scissor“, das in Nashville entstanden ist und dem man sich kaum entziehen konnte. Überhaupt glich das Konzert einer einzigen großen Party, wenngleich „Lady Marlene“ mitsamt Glockenspiel, Piano und Banjo auch mal ruhigere Töne anschlug. Meistens durfte jedoch ausgelassen getanzt werden (insofern der Platz dazu reichte). So wie beim fröhlichen „Cherry Pie“ oder der flotten Polka „Laughter“, die bereits als zukünftiger Hit der kommenden Platte angekündigt wurde. Ganz offensichtlich waren auch einige Wiederholungstäter im Auditorium, die mit den Gesangsprocedere von „To The Sea“ vertraut waren. Zunächst war der Publikumsgesang bei diesem Kracher noch etwas dünn, aber unter der Anleitung der dunkelhaarigen Anne Marit klappte auch das zunehmend besser, so dass die Nummer schließlich unter tosendem Applaus endete. Auch den Protagonisten auf der Bühne war sichtlich warm geworden, sodass Turid entschied, sich von ihren Schuhen zu trennen, die auch Solveig immer mal wieder ablegte. Skandinavische Melancholie gepaart mit ein bisschen französischer Schwermut wurde mit „Mother“ zum Polka-Stomper in Slow Motion, um schließlich mit dem gelungenen GENESIS-Cover „Land of Confusion“ in die Vollen zu gehen. In der Darreichungsform der vier Norwegerinnen gefällt mir der Track ganz eindeutig viel besser und auch die neue Punk-Polka „Loathsome M“, wusste vermittels voller Breitseite uneingeschränkt zu gefallen. „Le Pop“ ist nicht nur der Titel des KATZENJAMMER-Erstlings, sondern auch so etwas wie die Erkennungsmelodie des quirligen Quartetts, das erneut Zirkus- und Jahrmarkt-Atmosphäre versprühte, um mit „Der Kapitän“ und natürlich „Hey Ho“ fulminant nachzulegen. Der Rosenhof hatte sich nunmehr endgültig in einen Hexenkessel verwandelt – leider markierte der grandiose Song nach einer Stunde aber auch das Ende des regulären Sets, dem natürlich noch ein Zugabenblock folgte.

„God’s Great Dust Storm“ begann a cappella und erhielt erst spät Unterstützung von den Drums, was jedoch absolut okay war. Der Track ging unter die Haut und zauberte einen Hauch Gospel-Stimmung, ehe die Mariachi-Polka „A Bar In Amsterdam“ zum Tanzen aufforderte. Solveig griff hier erneut zur Trompete und sowohl auf als auch vor der Stage wurde noch einmal alles gegeben, bevor „Ain’t No Thang“ den Reigen in Bluegrass-Manier beendete. Für das große Finale holten KATZENJAMMER schließlich noch UNNI WILHELMSEN zurück auf die Bühne, die mit einem Schifferklavier bewaffnet „Das Rock“ unterstützte, mit dem der schweißtreibende Abend schließlich um 22.30 Uhr schloss.

Ein Magazin hat mal geschrieben, KATZENJAMMER klängen nach Montmartre in Paris, nach russischem Zirkus, Zigeuner-Jahrmärkten und düster-verrauchten Whiskey-Bars in Oslo und es gab auch schon Vergleiche mit den Bühnenshows von GOGOLL BORDELLO, den DIXIE CHICKS und den LENINGRAD COWBOYS. Fest steht, dass die Mädels eine unglaubliche Energie versprühen, äußerst sympathisch rüberkommen, mit ihrer Musik und ihrem Auftreten jeden in ihren Bann ziehen und zu hoffen bleibt, dass sie weiterhin so fleißig wie in den letzten sechs Jahren durch die Lande ziehen. Dass der neue Silberling eine Granate sein muss, haben sie jetzt schon bewiesen.

Setlist KATZENJAMMER
A Kiss Before You Go
Cocktails And Rubyslippers
Ouch
Demon Kitty Rag
Rock Paper Scissor
Lady Marlene
Cherry Pie
Laughter
To The Sea
Mother
Land of Confusion (GENESIS-Cover)
Loathsome M
Le Pop
Der Kapitän
Hey Ho

God’s Great Dust Storm
A Bar In Amsterdam
Ain’t No Thang (Blues’n)

Das Rock (mit UNNI WILHELMSEN)

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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