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KEINOHRHASEN (SCHAUSPIEL)

Ort: Münster – Boulevard Theater

Datum: 23.09.2011

Der Film „Keinohrhasen“ steht auf Platz 10 der erfolgreichsten deutschen Filme und kann auf über 6,5 Millionen Zuschauer zurückblicken. Über diese Komödie von und mit Til Schweiger muss ich wohl nicht viele Worte verlieren. Herr Schweiger spielt den Boulevard-Reporter Ludo, der mit seinem Freund und Paparazzo-Kumpel Moritz ständig auf der Jagd nach brisantem Material und auflagenstarken Stories ist. Leider bricht Ludo bei dem Versuch, die geheime Klitschko-Hochzeit auszuspionieren, durch das Hotel-Glasdach – dummerweise auch noch nackt – und landet mitten in der 1,50 m hohen Hochzeitstorte. Und wenig später auch noch vor Gericht, wo er zu 300 Sozialstunden in einem Kinderhort verdonnert wird. Kein Spaß für den arroganten Ludo, der sich für DAS Geschenk an die Damenwelt hält, denn die Leiterin der Kindertagesstätte ist Anna, die in ihm schnell den verhassten Nachbarsjungen wiedererkennt, der ihr wegen ihrer dicken Brillengläser und der Zahnspanne einst das Leben zur Hölle gemacht hat.

So weit die Geschichte, an die sich auch die Theateradaption von Gunnar Dreßler hält, die an diesem Abend im Münsteraner Boulevard Theater Premiere hatte. Die Rolle des Ludo übernahm Alexander Kruuse Mettin, der die nötige selbstverliebte Überheblichkeit mitbrachte, um Cornelia Kupferschmidt als Anna zunächst in den Wahnsinn und nach allerlei Irrungen und Wirrungen in den siebten Himmel zu treiben. Während die beiden sich nach allen regeln der Kunst kabbeln, stehen den beiden Hauptprotagonisten zudem Agnes Jaworek als Annas Freundin Miriam und Magnus Heithoff als Fotograf Moritz zur Seite. Des Weiteren hatte Heithoff die nicht ganz einfache Aufgabe zu bewältigen, die wunderbare filmische Anfangssequenz mit Joachim Vogel auf der Stage darzustellen. Am Bühnenrand prangte sozusagen als Vorlage ein Konterfei des grandiosen Mimen mit den charakteristischen Zahnlücken, der in der Person von Magnus mit blonder Langhaarperücke, perfektem Gebiss und Pobacken-Implantaten zum gefakten Interviewtermin mit Ludo auftauchte. Ein schöner Einstieg, wobei die Klasse des Originals erwartungsgemäß nicht erreicht werden konnte. Im Übrigen wussten die Darsteller die Dialoge jedoch pointiert umzusetzen und hatten so manchen Lacher auf ihrer Seite.

Die 121 Plätze im Theater in der Königspassage waren mit einem sehr gemischten Publikum besetzt, sodass möglicherweise nicht alle Anwesenden die filmische Vorlage kannten. Die Cineasten im Saal werden jedoch bemerkt haben, dass die Texte sich sehr nah am Zelluloid bewegten, was auch durchaus Sinn machte, denn der bissige Schlagabtausch zwischen Anna und Ludo macht nun einmal den wesentlichen Charme der Geschichte aus. Sehr schön anzusehen war überdies die fast schon akrobatische Bettszene, die Alexander Kruuse Mettin und Agnes Jaworeck (jetzt in der Rolle einer nymphomanen Kindergarten-Mami) hinlegten. Große Begeisterung rief ebenso Magnus Heithoff als Zauberbär Bello hervor, ehe Anna und Ludo sich zu den Klängen von TIMBALANDs „Apologize“ wie im Kino endlich kriegten.

Unter der Regie von Theaterdirektorin Angelika Ober lieferten die vier Schauspieler eine kurzweilige und romantische Komödie ab, die Spaß machte und vermutlich dafür sorgen wird, dass auch der Film noch einmal den Weg in die DVD-Player der Besucher findet. Wer sich lieber die reduzierte Bühnenfassung ansehen möchte, hat dazu bis zum 28. November Gelegenheit. Alle Termine und Infos unter www.boulevard-muenster.de

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