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KEITH CAPUTO – RICKY WARWICK

Ort: Bielefeld - Forum

Datum: 07.05.2008

An diesem sommerlichen Mai-Abend hatten sich im Bielefelder Forum gleich 2 überaus interessante Künstler eingefunden, die in ihren „Anfangstagen“ noch integriert in „richtige“ Bands für Furore gesorgt hatten. Die Rede ist natürlich von KEITH CAPUTO (LIFE OF AGONY) und RICKY WARWICK (THE ALMIGHTY), die mittlerweile als Solisten eher etwas leiseren Klängen frönen. Das wollten sich gut 200 Besucher nicht entgehen lassen, die zunächst überwiegend noch ein Bad in den letzten warmen Sonnenstrahlen des Tages nahmen. Schön auch der schwer tätowierte Rocker, der ganz artig mit einem lang gezogenen Basset über den Forums-Parkplatz flanierte. Gegen 21 30 Uhr wurde es dann langsam betriebsam auf der Bühne – aber nicht hektisch, denn Herr Warwick performte allein mit seiner Akustikgitarre (und hin und wieder Mundharmonika). Kurz etwas zur Vita des ebenfalls mit vielen bunten Bildchen verzierten Herren. Geboren in Belfast griff er zunächst für kurze Zeit als NEW MODEL ARMY-Tourgitarrist in die Saiten, bevor er die große Metal/ Rockhoffnung THE ALMIGHTY ins Leben rief und mit nicht eben unbedeutenden Combos wie IRON MAIDEN, MEGADETH und ALICE COOPER durch die Lande zog. Der Sound wurde im Laufe der Zeit grungiger/ punkiger, der ganz große Durchbruch allerdings blieb aus. Privat war der Herr längere Zeit mit Vanessa Warwick liiert, ihres Zeichens Moderatorin der legendären Headbanger’s Ball Metalshow bei MTV. Doch das alles ist 2008 Geschichte, genauso wie die Tatsache, dass ich dereinst THE ALMIGHTY zusammen mit PARADISE LOST und MORBID ANGEL beim Waldrock in Bergum erleben durfte (1992, wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt).

Nun steht der Herr mit Mütze vor einem aufgeschlossenen aber noch etwas zögerlichem OWL-Publikum und trägt Singer Songwriter Kompositionen im Stile von SPRINGSTEEN, PETTY oder CASH vor, letztgenanntem wurde (zumindest zur Hälfte) auch der Song „Johnny or Elvis?“ gewidmet, der mit einer kleinen Anekdote eingeleitet wurde. Dabei handelt es sich um den Opener der 2005er Scheibe „Love Many Trust Few“, von der auch die sehr eigenwillige MAIDEN Coverversion „Running Free“ dargeboten wurde. Kaum wiederzuerkennen als Blues/ Americana/ Country-Stück, aber sehr unterhaltsam. Leider zeigten sich auch einige Anwesende von der eher redseligen Seite, was bei der sparsamen Instrumentierung natürlich negativ auffiel und von Ricky einmal auch entsprechend kommentiert wurde. Schließlich verabschiedete sich der Herr, nicht ohne noch auf seine EP „Love owes“ hinzuweisen, die am Merch ein wenig seine Finanzen aufbessern sollte. Bei der Qualität von Songs à la „I can see my Life (from here)“ eine sehr lohnenswerte Angelegenheit. Die 40 minütige Performance wurde dann auch sehr wohlwollend beklatscht.

In der nachfolgenden Pause rückten einige (vor allem weibliche) Gäste nah an den Bühnenrand, um die zu erwartende intensive Darbietung in allen Einzelheiten genießen zu können. Fast auf den Tag genau vor 2 Jahren war Keith schon einmal im Forum, damals im Rahmen einer Visionsparty und auch damals in Begleitung mehrerer niederländischer Gastmusiker, die unter den Namen THE SAD EYED LADIES firmieren. Drummer Jochem optisch fast unverändert, dafür glänzte das Riesenbaby am Bass (Michiel Rietveld) nunmehr mit kurzen blonden Haaren. 2 Gitarristen und ein Herr an der Wurlitzer/ den Keys im Hintergrund komplettierten das Line Up, doch zunächst lag das Augenmerk auf dem nicht gerade hochgeschossenen Fronter, der mit Jesus-Shirt und Mütze sogleich in die Vollen ging. „New York City“ von der „Died Laughing“-Scheibe war aber auch ein perfekter Einstieg ins Set, das zu gleichen Teilen aus gefühlvollen und rockigen Kompositionen bestand. Bzw. gleich beides innerhalb einzelner Stücke, was zu einem äußerst intensiven Hörerlebnis führte. Ausufernde Instrumental Parts ließen den einzelnen Musikern genügend Raum, ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen und Keith zeigte sich in diesen Momenten auch vollkommen uneitel. Vielmehr sah man ihm den Spaß an der Sache jederzeit an, wenn er begeistert mit seinen Kollegen abrockte oder teilweise fast Gedankenverloren seine Texte präsentierte. Siehe etwa „Cobain“, eine Hommage an den NIRVANA-Fronter, komplett mit „Smells like Teen Spirit“-Einlage. Aber natürlich kam auch das aktuelle Album ausführlichst zum Zuge, welches den schönen Titel „A Fondness for Hometown Scars“ trägt („Devil’s Pride“, „Crawling“, „Nothing to lose“). Mit dem ebenfalls neuen „Troubles Down“ verabschiedeten sich Keith und Band fürs Erste und wir uns von ihm, denn es war mittlerweile nach Mitternacht und die Arbeit am nächsten Morgen nimmt uns leider niemand ab. Auf der Setlist wurde aber beispielsweise noch das wunderbare „Selfish“ als Zugabe geführt, ohne dass die begeisterten Fans auch sicher nicht den Heimweg angetreten wären. Und zum Abschluss wurde noch einer der besten LOA-Songs intoniert, wie uns aus sicherer Quelle zugetragen wurde: „Let’s pretend“, zunächst nur mit Keith und dem Keyboarder auf der Bühne, bis dann nach ca. 5 Minuten die restliche Instrumentalfraktion für den krönenden Abschluss sorgte.

Fazit: Ein Abend, 2 Künstler, viele wunderbare Emotionen! Rock pur und unverfälscht!

Setlist KEITH CAPUTO (ohne Gewähr!)
New York City
Monkey
Crawling
Razzberry Mockery
I wanna fly
In this Life
Nothing to lose
Devil’s Pride
Home
Cobain
Son of a Gun
Sad Eyed Lady
In December
Troubles Down

Bleed For Something Beautiful
Selfish
Let’s Pretend

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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