Konzert Filter

KEITH MINA CAPUTO & THE SAD EYED LADIES – COURTNEY MARIE ANDREWS

Ort: Osnabrück – Kleine Freiheit

Datum: 10.09.2011

Verrückte Welt im Hause Caputo: Aus Keith ist Keith Mina geworden und die SAD EYED LADIES sind durchweg mehr oder minder bärtige Kerle. Wer jetzt nur Bahnhof versteht, weiß vermutlich noch nicht um die wundersame Verwandlung des LIFE-OF-AGONY-Sängers. Via Twitter outete der sich nämlich am 15. Juli 2011 als transsexuelle Frau und ist seitdem KEITH MINA CAPUTO. Entsprechend sind die Haare jetzt lang, das Gesicht sorgfältig rasiert, die Fingernägel lackiert und unter dem schwarzen Shirt blitzt ein roter BH hervor. Die Körpergröße entsprach ja schon immer eher der einer weiblichen Statur und da Hormontherapien und OPs laut eigenem Bekunden nicht geplant sind, bleibt die Stimme die alte, was ich sehr begrüße, denn die hatte es auch diesem schönen Spätsommerabend in sich.

Zunächst war allerdings eine Dame an der Reihe, die ich vor einigen Wochen bereits in anderer Funktion bei JIMMY EAT WORLD gesehen hatte. COURTNEY MARIE ANDREWS aus Seattle war beim AREA 4 als Live-Keyboarderin mit von der Partie, hatte heuer jedoch ihr Tasteninstrument zuhause gelassen und griff stattdessen in die Saiten ihrer Akustikgitarre. Angetan mit einem weißen Spitzenkleidchen und einem Strohhut nahm das Fräulein um 21.00 Uhr auf der Bühne Platz und präsentierte über 40 Minuten Singer-Songwriter-Stuff, dem die gut hundert Anwesenden – wenn doch mit großzügigem Sicherheitsabstand – erstaunlich aufmerksam und andächtig lauschten. Der Aufforderung zum Mitsingen kam das Auditorium nur sehr vereinzelt nach, aber es freute sich ebenso wie die Akteurin auf der Stage über den sommerlichen September-Samstag, der dafür sorgte, dass einige Besucher der Kleinen Freiheit draußen den ruhigen Klängen der Amerikanerin lauschten, die gegen Ende Ihres Gigs eines etwas klagenden Ton anschlug und ein wenig mehr Dramatik ins Spiel brachte, ehe sie sich von ihren Zuhörern verabschiedete und auch noch auf ihre CDs verwies, die sie in ihrem Gitarrenkoffer mit sich führte. Die erste –„Urban Hymns“ hat sie übrigens 2008 im zarten Alter von 18 Jahren veröffentlicht und in den darauffolgenden Jahren „Painters Hand On A Seventh Son“ (2009) und „For One I Knew“ (2010) in die Plattenläden gebracht.

Um 22.10 Uhr war es dann soweit: KEITH MINA CAPUTO bahnte sich mit ihren drei Mitstreitern einen Weg durch die Menge, die sich inzwischen bis an den Bühnenrand getraut und auch etwas zahlreicher geworden war. Empfangen wurden die Osnabrücker mit den leicht sphärischen Klängen von „Home“, die sich bald druckvoll und mit viel Gefühl entladen sollten. Relativ getragen schloss sich dem „Dew Drop Magic“ an, ehe „Razzberry Monkery“ umgehend ins Bein ging und dem Auditorium die ersten krachenden Gitarrenwände bescherte, die natürlich mit reichlich verdientem Applaus bedacht wurden. Mit „Identity“ stand ein neuer Song auf der Setlist (für das kommende Jahr hat die Fronterin eine neue Langrille angekündigt!), der sich in bester KEITH-(MINA)-CAPUTO-Manier als emotionaler Stomper erwies. Ein ähnliches Kaliber war „Yesterday Is An Eternity“. Dieser Schmachter machte mit viel Schmackes ordentlich Druck und auch „Lamb To The Slaughter“ liebte es knackig und erntete viel Beifall. Die Ansage, dass ihr warm sei und sie sich am liebsten komplett ausziehen würde, wurde mit ebenso zustimmenden Akklamationen quittiert; Miss Caputo behielt, Jeans, Shirt und BH jedoch an und legte stattdessen mit „In December“ hochemotional nach, um dann das Mikro an den Gitarristen RYAN OLDCASTLE abzugeben. Der Niederländer performte im Alleingang seinen Song „Blessed March“ und wechselte hierfür vom elektrischen Sechssaiter an die Akustikklampfe, denn auch bei ihm standen eher ruhige Songwriter-Töne auf dem Programm, bevor die komplette Truppe mit „Angry Tree erneut Gas gab. Für „Monkey“ trennte sich schließlich KEITH MINA CAPUTO von seiner akustischen Langaxt und konzentrierte sich ganz auf den Gesang, der bestens mit der hochenergetischen Instrumentalfraktion korrelierte. Ihrem verstorbenen Vater hatte sie das groovende „Fix Pop Bang Shot“ gewidmet, ehe es bei „Songbird“ wahre Walls of Sound auf die Ohren gab. Dabei überließ Caputo die Arbeit an den Krachlatten erneut seinen holländischen Kollegen, die ihre Aufgabe hervorragend erledigten und die Fans ob des intensiven Gitarrengefrickels in Verzückung brachten. Derweil saß die Hauptperson des Abends am Bühnenrand und zupfte gelegentlich mal am Bass von Michiel Rietveld, bevor sie beim zweiten neuen Track „Alaska“ wieder zum eigenen Instrument griff und es die nächste Midtempo-Granate gab. Artig bedankte sie sich im Anschluss, dass die Zuhörer mit ihr in der Wüste ausharrten und fragte, ob nicht jemand Limonade gemacht hätte – es war dem kleinen Energiebündel eindeutig zu warm in der ehemaligen Bahnkantine, weshalb sie nach „Selfish“ wohl auch nach Cola oder Wasser verlangte, um die Stimme für „Hole In The Head“ zu ölen, das erneut solo vorgetragen wurde. Schlagzeuger Jochem van Rooijen hatte sich wohl im Zusammenhang mit Keith Minas Ausführungen zu den Temperaturen eine unflätige Bemerkung erlaubt und wurde deshalb liebevoll ein „fucking drunk drummer“ geschimpft. Ein Song folgte noch in kompletter Besetzung, dann verabschiedeten sich die Vier um 23.45 Uhr ziemlich sang- und klanglos von ihren Fans und nahmen vermutlich erst einmal ein Kaltgetränk und eine Dusche.

Den brettharten LIFE-OF-AGONY-Sound gab’s weniger zu hören, wohl aber energiegeladenen Rock mit einem gerüttelt Maß an Gefühlen. Am Vortrag hat sich nach der „Frauwerdung“ von KEITH MINA CAPUTO wenig geändert und das ist auch gut so. Denn so war es wieder ein vergnüglicher Abend mit exzellenter Musik und großen Emotionen.

Setlist KEITH MINA CAPUTO
Home
Dew Drop Magic
Razzberry Mockery
Identity
Yesterday Is An Eternity
Lamb To The Slaughter
In December
Blessed March (Solo RYAN OLDCASTLE)
Angry Tree
Monkey
Fix Pop Bang Shot
Songbird
Alaska
Selfish
Hole In The Head
?

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu COURTNEY MARIE ANDREWS auf terrorverlag.com

Mehr zu KEITH CAPUTO auf terrorverlag.com