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KELLERMENSCH – ANTLERED MAN

Ort: Münster - Sputnik Café

Datum: 01.11.2011

Eigentlich standen die sieben KELLERMENSCHen ja schon am 01. September ganz dick in meinem Terminkalender, aber leider sind wir zu diesem Gig in Osnabrück nicht zusammengekommen. Da traf es sich gut, dass die Dänen an Allerheiligen erneut in terrorrelevantes Gebiet kamen und mir in Münster eine zweite Chance zuteil wurde. Leider wussten diese Gelegenheit nur gut 30 Leute zu nutzen, so dass das Auditorium im kleinen Sputnik-Cafe sehr überschaubar war. Dabei ist die Band, die sich nach einer Figur aus dem Roman „Aufzeichnungen aus dem Kellerloch“ von Fjodor Michailowitsch Dostojewski benannt hat, insbesondere live eine absolute Granate. Im Juni begeisterte das Septett hierzulande bereits beim Rock am Ring bzw. Rock im Park und konnte bei diesen Aufritten schon erhebliche Zuschauer für sich gewinnen, weshalb ich mit mehr Zuspruch gerechnet hätte. Bevor es den explosiven Mix aus Metal und Indie jedoch tatsächlich zu hören gab, übernahmen zunächst vier Herren aus Great Britain das Zepter.

Mangelnde Leidensfähigkeit und lange Entscheidungswege kann man ANTLERED MAN aus London nun wirklich nicht vorwerfen. Ziemlich kurzfristig hatten sich Danny Fury (Gitarre), Damo Ezekiel Holmes (Vocals), Sam Ray (Bass) und Oliver Parker (Drums) in ihren Ford Transit gesetzt, um KELLERMENSCH auf ihrer Deutschlandtour zu begleiten. Dass dabei gar keine Übernachtungsmöglichkeiten eingeplant waren, nahm das Quartett sportlich, schließlich hatte man gerade ein paar Auftritte mit AND SO I WATCH YOU FROM AFAR absolviert und das eine oder andere Mal den Van als Schlafplatz in Anspruch genommen. So viel Engagement musste natürlich honoriert werden, weshalb ich kurzerhand zur Herbergsmutter mutierte. Als Dankeschön wurde mir das psychedelisch gefärbte „Outrages 1 Ta 3” verehrt, nachdem die Truppe pünktlich um 21.00 Uhr die Stage geentert hatte und mit dem krachenden „Platoono of Uno“ gleich mal mit verqueren Sounds in die Vollen ging. Musikalisch wird die 2009 gegründete Kapelle irgendwo zwischen LED ZEPPELIN, SYSTEM OF A DOWN, QOTSA, KORN, MELVINS, MYLUSKY und den DEAD KENNEDYS verortet, tatsächlich picken sich die Jungs allerhand schrägen Stuff aus dem musikalischen Orkus und wussten das Publikum durchaus zu fesseln, auch wenn die Westfalen den Sicherheitsabstand mal wieder sehr großzügig bemessen hatten. Sänger Damo bespielte dabei seine vor ihm liegende Langaxt, insofern er nicht gerade wie beim lärmenden „Buddhist Soup“ einer Flöte liebliche Töne entlockte. Kollege Danny griff zu der kruden Haudrauf-Nummer nicht nur in die sechs Saiten, sondern pfiff ebenso beherzt ins Mikro wie er auch seine Sangeskünste unter Beweis stellte. Während Oliver die Felle bearbeitete und gemeinsam mit Bassmann Sam für einen wummernden Start des verschwurbelt-avantgardistischen „Misruly Roo“ sorgte, rüstete sich die zweite Bandhälfte fürs große Schrammelfinale und gemeinsam bescherte man den Münsteranern einen wirklich hörenswerten Start in den Abend, der alles andere als gewöhnlich fortgesetzt wurde.

Setlist ANTLERED MAN
Platoono of Uno
Surrounded By White Men
Outrages 1 Ta 3
Buddhist Soup
Misruly Roo

Bis auf und neben der kleinen Bühne alles präpariert war, vergingen noch einmal 40 Minuten, dann übernahmen KELLERMENSCH mit dem wunderbaren NEIL-YOUNG-Cover „Dirt In The Ground“ das Sagen. Für den Kontrabass und seinen Player John Laursen war dabei allerdings auf der Stage kein Platz mehr, aber auch Fronter Christian Sindermann schien in der erhöhten Position nicht genügend Entfaltungsmöglichkeiten zu haben und unternahm beim rasanten „The Day You Walked“ einen ersten Ausflug vor die Bühne. Zwischendurch konnte es auch durchaus immer mal wieder passieren, dass seine Gitarre mehr oder weniger heftig auf den Betonboden knallte und der exaltierte Anzugträger wild mit dem Mikroständer rumfuchtelte. Zweifellos machte es an diesem Abend Sinn, auf Abstand zu bleiben. Letztlich wusste die seit 2006 agierende Combo auch auf eine gewisse Entfernung zu fesseln, wie dies bereits mit dem unterkühlten „Rattle The Bones“ vom selbstbetitelten Debüt aus 2009 (bei uns erst seit diesem Jahr erhältlich) der Fall war. Auf der überwiegend in rotes Licht getauchten Bühne war dafür schlicht und ergreifend der Teufel los. Ganz gleich, ob ein cooler Stomper wie „Black Dresses“ rausgehauen wurde oder „All Time Low“ zunächst ruhiger startete. So was muss bei KELLERMENSCH eh nichts heißen und natürlich brach auch hier schon bald ein wahres Inferno los. Sebastian Wolff, der nicht nur für Orgel und Krachlatte zuständig war, sondern auch die gegrowlten Parts übernahm, griff hier zusätzlich noch zur Flüstertüte, die neben viel Geschrei und Dramatik auch bei „Dead End“ zum Einsatz kam. Dank „Narcissmus“ ging’s zwischendurch mit einem getragenen Kontrabass für einen kurzen Moment tatsächlich ein wenig ruhiger zu, wenngleich die Nordlichter es zu keiner Zeit am nötigen Drive fehlen ließen. Brandneu und vergleichsweise zahm präsentierte sich „The Pain of Salvation“. Ebenfalls mit einem prägnanten Kontrabass versehen, ließen es die Herrschaften mit dieser eingängigen, aber keinesfalls mainstreamigen Songperle wieder amtlich krachen. Zum besonderen Gelingen des Tracks trug in erheblichem Maße der Herr an der Violine bei, der auch dem folgenden „Mediocre Man“ den letzten Schliff verpasste. Insgesamt blieb der Sound hier etwas reduzierter und es gab sogar cleanen Gesang von Herrn Wolff zu hören, bevor die werten Mucker mit „Army Ants“ einmal mehr steil gingen. Cooler als mit „Moribund Town“ hätte das Konzert wohl kaum enden können, obschon die Skandinavier ruhig noch einen Nachschlag hätten liefern dürfen. Stattdessen verschwand Rampensau Christian ziemlich sang- und klanglos im Backstage, während die Mannschaft bis auf Schlagzeuger Anders Trans und Bassist Claudio Suez ihren Sechssaitern noch ein paar jaulende Akkorde entlockte, um schlussendlich nach einer knappen Stunde unter verdientem Applaus die Segel zu streichen.

Hauptsache, die Jungs haben dem guten Claudio dann auch sofort was zu essen gegeben. Denn mal davon abgesehen, dass er seinen Stahlsaiter praktisch in Brusthöhe spielte, sah Suez wirklich extrem verhungert aus. Hätte ich noch Platz gehabt, hätte ich ihn ebenfalls unter meine Fittiche genommen und ihn erstmal mit jeder Menge Aufbaunahrung versorgt. So mussten sich jedoch nur die Gentlemen von ANTLERED MAN ins Osnabrücker Outback vorkämpfen und bekamen immerhin noch ein paar Rehe zu sehen, die den Weg der vier Männer mit Geweih auf ihrer Suche nach ihrem Matratzenlager kreuzten. So kam es dann auch, dass der Abend nach einem zwar vergleichsweise kurzen (aber umso intensiveren) Live-Gig für mich noch lange nicht endete und stattdessen noch ein kleines Aftershow-Sit-in mit der sehr netten Band auf dem Programm stand.

Setlist KELLERMENSCH
Dirt In The Ground (NEIL-YOUNG-Cover)
Rattle The Bones
The Day You Walked
Black Dress
All Time Low
Narcissus
Dead End
The Pain of Salvation
Mediocre Man
Silver Coins
Army Ants
Moribund Town

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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