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KERNKRACH FESTIVAL 2008

Ort: Warendorf - HOT

Datum: 08.11.2008

Auch in diesem Jahr gab es mit dem Kernkrach Festival im HOT Jugendzentrum zu Warendorf wieder ein wahres Fest für alle Minimal-Electro Freunde. Noch vor dem Beginn der eigentlichen Konzerte konnte man schon beim Lösen der Eintrittskarte merken, dass hier wieder ein Festival voller Herzblut auf die Beine gestellt worden war. So bekam jeder Besucher für ein leicht höheres Eintrittsgeld eine abspielbare Eintrittskarte in Form einer echten Vinyl-Single. Wer rechtzeitig vor Ort war, konnte übrigens auch noch ein wenig vom Soundcheck mitbekommen.

FAN OF 83

Allzu lang musste man jedoch nicht warten. Gegen 19 Uhr wurde das grelle Licht ausgeschaltet und einige wenige Strahler erhellten die Bühne. Nun begann ein Intro, das ca. 20 min alle Stimmungen durchlief, die man mit Ambient erzeugen kann. Doch dann sollte es endlich richtig losgehen. FAN OF 83 enterte die Bühne. Kopf und Sänger des Projektes Denzing wurde an den Synthies von Kid Monoton unterstützt (beide zusammen agieren übrigens auch unter dem Namen 83BIT, außerdem soll es sich gerüchteweise beim Kid um einen Terror-Rezensenten handeln :). Geboten wurden von Beginn an sehr eingängige und unbeschwerte Synthi-Pop Sounds, die den Einfluß der geliebten 80er Jahre natürlich nicht verbargen. Man fühlte sich angenehm in jene Zeit zurückversetzt. Dass FAN OF 83 auch Humor haben, bewiesen “täuschend echte“ Wal-Imitationen des Sängers während einer Miniatur-„Umbaupause“ oder auch der 2 Sekunden-Track „Was die Frauen wollen, weiß man nie so genau“. Nach dem eigentlichen Programmteil präsentierten die beiden noch einen Track ihres gemeinsamen 83BIT-Projektes, der nicht minder eingängig und tanzbar aber etwas düsterer war. Insgesamt ein gelungener Festivalauftakt.

QEK JUNIOR

Einer kurzen Umbaupause folgend kam dann das Duo QEK JUNIOR aus Simmern auf die Bühne. Dominic Daub und Tobias Dupont konnten mich von Anfang an mit ihrer Mischung aus Minimal, EBM und Wave begeistern. Möchte man schon Vergleiche ziehen, dann evtl. mit den frühen KRUPPS plus einer ganz kleinen Prise DAF, wobei QEK Junior sowohl textlich als auch musikalisch um einiges komplexer erscheinen und einen wirklich eigenen Stil haben. Mit Songs wie „Kopfkino“, „Atomkonsens“ und „Widerstand jetzt“ folgte ein Knaller dem nächsten. Dabei wurde auch eine coole Show geboten. So begann der Sänger z.B. bei „Yoshiwara“ mit einer Flex im Takt Funken zu versprühen. Später wurde auch noch eine Bohrmaschine als Instrument genutzt. Glücklicherweise gab es am Ende noch emsige „Zugaberufe“ aus dem Publikum. So kam man noch in den Genuss einer gelungenen Coverversion des EXTRABREIT-Klassikers „Polizisten“ und einer zweiten Aufführung von „1/0“.

CHARLES LINDBERGH N.E.V.

Während der folgenden Umbaupause hatte man nun Zeit, einmal die zahlreichen Schallplatten-Stände genauer unter die Lupe zu nehmen. „Nanu“, konnte man denken – wurde doch plötzlich beim Stand des Hamburger Labels NLW eingepackt (er wurde später freilich wieder aufgebaut). Aber all das hatte seinen Grund. So gab es an diesem Tag das 25jährige Bühnenjubiläum vom NLW-Label-Chef Haiko Herden mit seinem Projekt CHARLES LINDBERGH NEV zu feiern. Glücklicherweise hatte er sein Casio-Keyboard dabei und konnte so spontan drei geniale Minimal-Ohrwürmer plus Zugabe präsentieren. Auch die Tanzwütigen waren nun endlich aufgetaut, um die schon von Beginn an gute Stimmung noch weiter zu steigern.

ADN’ CKRYSTALL

Extra aus Frankreich angereist war das Electronica/ New Wave – Projekt ADN’ CKRYSTALL. Bemerkenswert war, dass Sänger und Keyboarder érickrystall Moncollin wirklich alles live spielte. Lediglich die Drums kamen aus der Rhythmusmaschine. Dazu wurde er von Jeff Carrere auf dem Bass begleitet. Der Sound von dem sympathischen Duo wirkte dabei äußerst ausgefeilt, flott und trotzdem sphärisch, ja teilweise sogar psychedelisch. So wurden bei mir genreübergreifende Erinnerungen an Bands wie HAWKWIND wach. Dazu passend war auch das Outfit der Band. So trug Bassist Jeff einen lustigen Hut mit Augen auf dem Kopf. Nahezu jeder Song ging sofort ins Ohr und ließ die Leute vor der Bühne nicht mehr aufhören zu tanzen. Nach 10 Songs und 3 Zugaben ging dieses ebenfalls sehr gelungene Konzert seinem Ende entgegen.

In der knapp 40-minütigen Pause hatte man die Chance, den nun wieder aufgebauten NLW Stand zu sondieren oder auch noch ein schmackhaftes Bier zu schlürfen. Ein Lob an dieser Stelle an die extrem fairen und günstigen Preise vor Ort.

DAS M

Vor dem eigentlichen Höhepunkt des Abends, gab es eine weitere Überraschung. DAS M ließ sich am Mischpult nieder und präsentierte aus der Konserve 10 seiner Tanzflächenfüller. Dazu sprangen zwei in Luftpolstertüten gehüllte Gestalten auf die Bühne und zappelten im Kreis umher. Wer mochte das wohl sein, der da zu schönen Minimal-Songs umherhüpfte? Nachdem man sich der Plastikfolie entledigt hatte, wurde das „Geheimnis“ schließlich gelüftet: Dr. Kernkrach und niemand geringeres als Carsten Vollmer waren die beiden Stimmungsmacher.

PYROLATOR

Etwas später als geplant (gegen 1:15 Uhr) nahte nun der Höhepunkt des Abends. PYROLATOR (u.a. DER PLAN) begrüßte sehr freundlich das Publikum und begann mit einem nicht alltäglichen Konzert. Denn wer jetzt eine Burg an Synthies erwartet hatte, konnte sich wundern. So war PYROLATOR mit einigen kleinen Geräten und Laptop angereist. Auf einem Ständer hatte er ein Gerät, das ich bisher noch nicht live gesehen hatte. Dieses war auf ihn gerichtet und er bewegte zwei kleine Leuchtsticks (wie ein Dirigent) im Takt zu der Musik. Dadurch wurden immer wieder Sounds und Klänge ausgelöst, die von der Art der Bewegung direkt beeinflusst werden konnten (ähnlich einem Theremin). Musikalisch wurden Stücke zwischen Ambient, Lounge, Experimental und House im Rahmen einer ungewöhnlichen, aber beeindruckenden Performance geboten. Den Auftritt von PYROLATOR konnten wir leider nicht mehr ganz bis zu Ende sehen, da wir schon abreisen mussten. Aber ich bin mir sicher, dass auch danach noch kräftig weitergefeiert wurde.

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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