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KETTCAR – GET WELL SOON

Ort: Bielefeld – Kamp

Datum: 11.04.2008

Und noch ein 1LIVE Radiokonzert, das in Windeseile ausverkauft war: KETTCAR stellten im Rahmen von „Eine Nacht in Bielefeld“ eine Woche vor dem Erscheinen ihres dritten Albums „Sylt“ neue Songs vor und hatten natürlich auch eine ganze Reihe alter Sachen dabei, die inzwischen teilweise schon Klassiker-Status haben.

Mit dabei waren außerdem GET WELL SOON. Dahinter verbirgt sich ein Musikprojekt des deutschen Sängers, Songschreibers und Multiinstrumentalisten Konstantin Gropper, der live von Sebastian Benkler (Trompete, Gesang), Timo Kumpf (Bass), Maximilian Schenkel (Gitarre, Trompete), Verena Gropper (Becken, Violine, Gesang), Daniel Roos (Akkordeon, Klavier, Gesang, Glockenspiel) und Paul Kenny (Schlagzeug) unterstützt wurde. Konstantin Gropper studierte an der Mannheimer Popakademie, machte dort auch sein Examen und pendelt heute zwischen seinen Wohnorten Biberach, Dublin und London. An seinem Debütalbum “Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon“ hat Konstantin Gropper drei Jahre im Alleingang gearbeitet, bevor es im Februar dieses Jahres erschien und viel positive Kritik erhielt. Leider fand der Auftritt ohne mich statt, da ich mich zu diesem Zeitpunkt noch bei MANDO DIAO im Ringlokschuppen befand. Wir haben für Euch jedoch einige visuelle Impressionen eingefangen und können Euch zumindest die Setlist liefern:

Setlist GET WELL SOON
You/ Aurora/ You/ Seaside
Christmas In Adventure Parks
People Magazine Front Cover
If This Hat Is Missing I Have Gone Hunting
Witches! Witches! Rest Now In The Fire
I Sold My Hands For Food So Please Feed Me
Tick Tack! Goes My Automatic Heart
Lost In The Mountains (Of The Heart)

Pünktlich zum Hauptact KETTCAR hatte ich mich dann auch auf der Empore des pickepacke vollen Kamp eingefunden, um gespannt den neuen Songs der Hamburger zu lauschen. Äh – Hamburger? Oder doch Berliner? Die Ansage von Sänger und Gitarrist Marcus Wiebusch man sei KETTCAR aus Berlin sorgte da für etwas spaßige Verwirrung. Später berichtigte er sich jedoch, wobei man ja nie wissen kann, schließlich lebt Thees Uhlmann von TOMTE und neben Marcus Wiebusch und Bassist Reimer Bustorff Mitbegründer des Labels Grand Hotel van Cleef inzwischen ebenso in der Hauptstadt wie OLLI SCHULZ, der ebenfalls bei GHvC unter Vertrag war und gebürtiger Hamburger ist. Wie dem auch sei, heute Abend ging es um die Musik und die startete bereits mit dem Opener „Money Left To Burn“ vom Debüt „Du und wie viel von deinen Freunden“ aus 2002 mit einem begeisterungsfähigen Publikum, das lauthals mitsang und die Behauptungen vieler Musiker-Kollegen Lügen strafte, OWL sei ein schwieriges Pflaster. Genau dies hatte Marcus zu hören bekommen, wann immer er als Tournee-Start Bielefeld genannt hat. Doch die Westfalen können auch anders, vor allem, wenn sie live im Radio übertragen werden. Zwischenzeitlich gingen nämlich acht Minuten der Show live über den Äther und da ließen sich zum einen KETTCAR nicht lumpen und hauten gleich mal mit „48 Stunden“ und „Deiche“ zwei absolute Knaller raus, auch die Ostwestfalen bewiesen, dass sie sehr wohl begeisterungsfähig sind und die in Lautstärke umsetzen können. Aber auch bei der ersten Singleauskopplung „Graceland“ zeigte sich das Auditorium sehr angetan. Keine große Kunst, lieferten die Herren Wiebusch (Bruder Lars agierte am Keyboard), Bustorff, Erik Langer an der zweiten Gitarre und Frank Tirado-Rosales am Schlagwerk doch einen sympathischen Song in bester KETTCAR-Manier. Gleich im Anschluss gab es mit „Landungsbrücken raus“ den nächsten Kracher, bevor eine Reihe neuer Stücke zu Gehör gebracht wurde. Den Anfang machte das „Nullsummenspiel“, vor dessen Intonierung Reimer nach den Eheleuten Windgast (oder so ähnlich) fahndete. Es handelte sich um Eltern eines Freundes aus Herford, bei denen der Bassist mal eine Woche übernachtet hat, als er dort auf „Montage“ war. Trotz Gästelistenplatz blieben die Gasteltern jedoch verschollen und haben ein Lied verpasst, das mit geballter Spannung erwartet und im Anschluss mit freundlichem Applaus bedacht wurde. Dann kam „Wir müssen das nicht tun“ – eine geniale Geschichte mit überraschender Pointe am Schluss. Dem schloss sich ein kleiner Ausflug auf die „Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen“ an, der „Stockhausen, Bill Gates und ich“ entnommen worden war. Ein Song, der Mutter Wiebusch sehr überrascht hat, die gar nicht wusste, dass ihr Marcus schon mal mit Bill Gates im Aufzug war. Noch mehr hat sie allerdings überrascht, dass der Text nur ausgedacht war und KETTCAR ihre Fans anflunkern. Wir lassen uns jedoch gern anlügen, besonders wenn die Lüge mit so schönen Instrumental- und A Cappella-Passagen einher geht wie in diesem Fall. Als Belohnung gab’s tosenden Applaus, der mit Marcus Wissen über Bielefeld belohnt wurde. Ob die Leute nun unbedingt hören wollten, dass Arminia Bielefeld der Fußball-Club ist, der am häufigsten abgestiegen ist, wage ich zu bezweifeln. Dass man dank der Präsenz von Dr. Oetker auch von „Puddingtown“ spricht, dürfte da weniger weh getan haben. Auf jeden Fall rechne ich fest damit, dass auch „Kein Außen mehr“ schon bald zu den KETTCAR-Klassikern zählen wird, so gut wie der Track bei den Zuschauern ankam. Als Hommage an GET WELL SOON griff Erik bei der Ballade „Am Tisch“ zum Akkordeon, während Marcus zur Akustikgitarre wechselte, um so das reguläre Set gefühlvoll nach einer guten Stunde zu beenden. Viel zu früh für die Bielefelder, die mit dem flotten „Anders als gedacht“ noch einen Nachschlag erhielten, bei dem sie selbst gefordert waren. Die Mädels wurden zum „Schalala“-Singen verdonnert, während bei den Jungs ein „Oooh“ erwartet wurde. Den Anwesenden machte diese Interaktion ganz offensichtlich genauso viel Spaß wie „Handyfeuerzeug gratis dazu“, mit dem sich die Band von ihren Fans verabschiedete. Zur Freude aller kamen Marcus und Lars jedoch erneut auf die Stage zurück und schickten das ruhige „Balu“ ins Rennen. Hier war Mitsingen natürlich Pflicht, wobei Marcus den Hinweis gab, dass es sich um keinen Stadionsong handelte und entsprechend nicht lauthals gegrölt werden müsse. Auch dies verstanden die Ostwestfalen problemlos umzusetzen, so dass es auf und vor der Bühne nur zufriedene Gesichter gab.

Sprach also nichts dagegen, dass auch KETTCAR nach ihrem gelungenen Tour-Auftakt (es folgen u.a. acht ausverkaufte Konzerte in Hamburg, davon eines auf einem Boot, zwischen dem 14. bis 24. April) noch wie angekündigt steil gehen konnten. Gelegenheit dazu gab es für alle Beteiligten noch in diversen Locations. Für mich endete hier jedoch meine persönliche Nacht in Bielefeld und ich machte mich auf den Weg ins benachbarte Osnabrück, das von der 1LIVE Musikchefin Andrea Schafarczyk im Vorfeld schon mal vorgewarnt worden war, dass es am 11. April etwas lauter werden könnte.

Setlist KETTCAR
Money Left To Burn
Jenseits der Bikinilinie
48 Stunden
Deiche
Balkon gegenüber
Graceland
Landungsbrücken raus
Nullsummenspiel
Wir müssen das nicht tun
Stockhausen, Bill Gates und ich
Kein Außen mehr
Agnostik für Anfänger
Ich danke der Academy
Am Tisch

Anders als gedacht
Handyfeuerzeug gratis dazu

Balu

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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