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KETTCAR – HONIG

Ort: Osnabrück – Hyde Park

Datum: 03.11.2012

Seit 50 Jahren gibt es jetzt schon das Tretauto namens Kettcar, das vermutlich in irgendeiner Weise so ziemlich jede Kindheit beeinflusst hat. Und während die Firma das goldene Produktjubiläum ihres Verkaufsschlagers feiern kann, existiert in Hamburg eine Band mit selbiger Bezeichnung, die in diesem Jahr immerhin das zehnjährige Bestehen des eigenen Labels Grand Hotel van Cleef feiern konnte und vor einer Dekade die erste Platte „Du und wieviel von deinen Freunden“ rausgebracht hat. Bei diesem Album ist es natürlich nicht geblieben, so erschien im Februar der vierte Longplayer „Zwischen den Runden“, mit dem es selbstverständlich auch auf Tour ging. Nach der Sommerpause sind KETTCAR jetzt wieder unterwegs und hatten sich für den Auftakt den Osnabrücker Hyde Park ausgeguckt, der bereits vor vier Jahren Ort eines KETTCAR-Konzertes war, wenngleich Fronter Marcus Wiebusch vor etlichen Jahren schon mal mit seiner ehemaligen Kapelle …BUT ALIVE als Support für SLIME im alten Park auf der anderen Straßenseite zu Gast war. Der Gig scheint sich tief ins Hirn gebrannt zu haben, was wohl an der vollen Bierdose liegt, die Marcus gleich zu Beginn an den Kopf bekommen hatte. Mit ähnlichen Übergriffen war heute nicht zu rechnen und auch die Vorband HONIG wurde zwar nicht enthusiastisch, aber doch immerhin freundlich empfangen.

War Bandleader Stefan HONIG im März noch solo mit THEES UHLMANN unterwegs, hatte er jetzt eine vierköpfige Band um sich versammelt, die ihn gekonnt und abwechslungsreich unterstützte. Zu hören gab es ruhigen Singer-/ Songwriter-Stuff, der überwiegend der aktuellen zweiten Langrille „Empty Orchestra“ des ehemaligen Kindergärtners entnommen war. So auch der Opener „Hometowns“, der nach einem verhaltenden Start auch eruptive Passagen kannte oder „The Morning Chorus“, bei dem Julia Kotowski ihr Akkordeon gegen ein Banjo tauschte. Im Folgenden sollte die Dame auch noch zum Xylofon und zur Klarinette greifen, während der Kollege am elektrischen Sechssaiter sein Instrument beim „Song For Julie“ auch schon mal mit einem Geigenbogen bearbeitete. „Look What The Tide Brought In” brachte ein wenig Schwung auf die Bühne (übrigens die größte auf der HONIG während ihrer laufenden Tournee bisher standen) und mit „In Full Makeup” schloss sich ein stiller Vertreter des 2008er Debüts „Treehouse” an, wohingegen mit „Screaming Lessions“ ganz neue, unveröffentlichte Ware im Angebot war. Dass währenddessen irgendein Alarm im Hintergrund schrillte, wird vermutlich nur den ersten Reihen aufgefallen sein, das Problem konnte aber auch schnell behoben werden und so ging es mit „In My Drunken Head“ gefühlvoll weiter. „For Those Lost At Sea” verlegte sich derweil mit viel Rhythmus, einer Quetschkommode und einem zusätzlichen Schlagwerk, das vom Gitarrenmann bedient wurde, auf das Spinnen von Seemannsgarn, wozu das Auditorium „Lalala“-Gesänge beisteuern durfte. Selbiges klang vielleicht ein wenig dünn, aber die Osnabrücker sind nun einmal eher zurückhaltend. Sie zeigten sich jedoch als aufmerksame Zuschauer und spendeten am Ende des 40-minütigen Vortrages auch verdienten Applaus für den Düsseldorfer und seine Mitstreiter.

Setlist HONIG
Hometowns
The Morning Chorus
Song For Julie
Look What The Tide Brought In
In Full Makeup
Burning Down Bookshops
Screaming Lessons
In My Drunken Head
For Those Lost At Sea

Eine halbe Stunde galt es jetzt noch für den Change-over auf der der Stage zu überbrücken, dann wurde es wieder dunkel im ehrwürdigen Park und zum „Zwischen-den-Runden”-Intro nahmen KETTCAR vor dem riesigen Backdrop mit dem aktuellen Plattencover Aufstellung, um mit „Rettung“ vom jünsgten Silberling unter Lichtblitzen loszulegen. Für den Evergreen „48 Stunden“ von der zweiten langrille „Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen“ aus 2005 wurde die Bühne in rotes Licht getaucht und natürlich war der Song genauso schön wie immer und auch die Stakkato-Sounds von „Graceland“ (2008 auf „Sylt“ erschienen) wussten einmal mehr uneingeschränkt zu überzeugen. Live dürfen zudem „Es gibt kein Außen mehr“ und natürlich „Balkon gegenüber“ auf gar keinen Fall fehlen, während sich das emotionsgeladene „Erkenschwick“ von der neuen Platte erst seit Kurzem auf der Setlist befindet. Beim letzten KETTCAR-Besuch im Park stand „Balu“ noch als letzter Song auf dem Zettel, das hat sich zwischenzeitlich geändert, um zu verhindern, dass die Macho-Männer dann bereits alle den Saal verlassen, wenn Lars und Marcus Wiebusch noch für romantische Gefühle sorgen. Jetzt kommt die Nummer mittendrin und die harten Kerle können sich derweil ein Bier organisieren. Nicht minder kuschelig ging es mit „Nach Süden“ weiter, ehe „Money Left To Burn“ das Tempo wieder anziehen ließ. Mit dem Klassiker „Deiche“ machten die Herrschaften hochenergetisch weiter und ernteten viel Beifall, den es auch für „Stockhausen, Bil Gates und ich“ gab. Die Aufmachung des Hyde Park erinnerte Bassist Reimer Bustorff wohl an eine Hamburger Disse, in der er eine Zeitlang aufgelegt hatte und die sich durch ähnlich viel „Tand“ und eine chaotische Geschäftsführung auszeichnete, was auch dazu führen konnte, dass er zur S/M-Party Eighties-Mucke auflegten musste, ganz einfach, weil der falsche DJ zur falschen Veranstaltung gebucht worden war. Aber vielleicht ist BRYAN ADAMS für so eine Gelegenheit auch genau das Richtige?! Für den heutigen Abend waren Songs wie „R.I.P.“ oder auch „Der apokalyptische Reiter und das besorgte Pferd“ die erste Wahl und sogar der erste Crowdsurfer wurde bei dieser Gelegenheit gesichtet. Mit „Im Taxi weinen“ schloss sich ein weitere Oldie but Goodie an, bei dem natürlich die Frage nicht fehlen durfte, wer weiter als 50 km gefahren war, um KETTCAR zu sehen. Der überwiegende Teil der etwa 1.000 Besucher war aus dem näheren Umkreis, einige waren jedoch auch von weiter weg angereist und erlebten wenig später mit „Ausgetrunken“ und „Im Club“ ein temporeiches Finale.

So ganz war es das natürlich noch nicht nach 70 Minuten. KETTCAR waren auf die Zugaberufe selbstredend bestens vorbereitet und so folgten zunächst mit viel Druck das lange nicht mehr live gespielte „Jenseits der Bikinilinie“ und „Ich danke der Academy“, bevor „Am Tisch“ leise Töne anschlug und Gitarrist Erik Langer zum Schifferklavier griff. Einmal ging der Fünfer noch von der Bühne, kehrte jedoch alsbald an seine Wirkungsstätte zurück und beendete den Abend mit zwei Hamburg-Liedern. Den Anfang machte das rhythmusbetonte „Schrilles buntes Hamburg“, um schließlich noch die KETTCAR-Hymne „Landungsbrücken raus“ zum Besten zu geben. Ein gelungener Abschluss, dem nichts mehr hinzuzufügen war und ist.

Setlist KETTCAR
Rettung
48 Stunden
Graceland
Kein Außen mehr
Balkon gegenüber
Erkenschwick
Balu
Nach Süden
Money Left To Burn
Deiche
Stockhausen, Bill Gates und ich
R.I.P.
Der apokalyptische Reiter und das besorgte Pferd
Im Taxi weinen
Ausgetrunken
Im Club

Jenseits der Bikinilinie
Ich danke der Academy
Am Tisch

Schrilles buntes Hamburg
Landungsbrücken raus

Copyright Fotos: Holger Ebert

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