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KETTCAR – MORITZ KRÄMER

Ort: Berlin - C-Halle

Datum: 11.03.2012

Konzerte an Sonntagen funktionieren meist nur bei den ganz Großen oder wenn reichlich Studenten angelockt werden. An diesem Sonntagabend in Berlin kam beides zusammen, denn die Hamburger KETTCAR sollten in der Hauptstadt ihr aktuelles Album „Zwischen den Runden“ live präsentieren.

Schon gut gefüllt war es kurz nach 19:30 Uhr, was wie eigentlich immer zu Problemen an der Garderobe führte. Aber egal, gut gelaunt und voller Spannung erwartete ich das Konzert meiner Lieblingshamburger. Pünktlich startete aber zuvor der Support MORITZ KRÄMER. Im Singer-Songwriter-Stil beeindruckte der schmächtige, unauffällige und sehr jung wirkende Schweizer/ Wahlberliner 30 Minuten lang mit melancholischen Popsongs. Immer wieder erzählte er etwas zur Entstehung oder Bedeutung der Stücke. Das Publikum wirkte interessiert, aber zum Feiern eigneten sich Lieder wie „Wir können nix dafür“ oder „Der kleine Spatz“ leider nicht wirklich. So genoss das Berliner Publikum die Vielzahl der Instrumente der Gastmusiker wie zum Beispiel Cello, Bass, Keyboard, Drums und als besonderer Hingucker erwies sich die Dame, die nacheinander Geige, Posaune und Harmonium bediente. Moritz selbst sang die Songs seines Debüt-Albums „Wir können nix dafür“ immer gefühlvoll, empathisch und spielte dabei Gitarre. Ein warmer und anerkennender Applaus begleitete die Musiker, während sie die Bühne verließen. Vorher wünschte man uns aber noch viel Spaß bei KETTCAR.

Während im Hintergrund schon das Cover zum aktuellen Album „Zwischen den Runden“ zu sehen war, kamen die Hamburger auf die Bühne. Namentlich sind das Sänger Marcus Wiebusch, sein Bruder Lars (Keyboard), am Schlagzeug Christian Hake, an der Gitarre Erik Langer, sowie am Bass Reimer Bustorff. Auffallend ist jedes Mal, wie normal und bodenständig die Jungs im mittleren Lebensalter wirken und trotzdem mit ihrer Aura das Publikum einnehmen. Los ging es direkt mit einem neuen Song, namentlich „Rettung“. Inhaltlich handelt es sich um eine Liebesgeschichte, in der es darum geht, auch in schlechten Zeiten füreinander da zu sein. Natürlich in keinster Weise kitschig, sondern intelligent und auf ganz eigene Art und Weise umgesetzt. Beim nächsten Stück fiel es mir etwas schwer, mich auf meine Foto-Arbeit im Graben zu konzentrieren. Lieber wollte ich einen meiner absoluten Lieblingssongs „48 Stunden“ abfeiern. Es gelang letztendlich doch Beides ganz gut. Absolutes Gänsehautfeeling kam auf, während das Publikum die folgende Textzeile aus vollem Halse mitsang: „Mach immer, was dein Herz dir sagt, da muss viel mehr Weisheit in mich rein, Ich weiß genau dein Herz ist gut, Du weißt ganz genau, meins wird zu Stein, …“ Wunderschön! Zu fast jedem Titel gab Sänger Marcus ein Statement zum Inhalt oder der Entstehungsgeschichte zum Besten. Vor „Graceland“ war es eine nette Anekdote vom Soundcheck in der C-Halle, wo der Brezelverkäufer sagte, dass am Vorabend hier STING gespielt hätte, der nur halb so laut, aber doppelt so gut gewesen wäre. Die Lacher waren auf Marcus´ Seite. „Graceland“, der Song um Jugendwahn rockte richtig los und ließ Bewegung bei den Zuschauern aufkommen. Nach den beiden älteren Liedern „Kein Außen mehr“ und „Balkon gegenüber“ sagte Erik den nächsten Titel „Kommt ein Mann in die Bar“ mit einem Witz an, der von einer Ente handelte, den ich mir aber nicht merken konnte und der eigentlich auch gar nicht so witzig war. Schon kam das nächste Highlight mit „Balu“. Laut Marcus handelt es sich um das Mädchenlied überhaupt und deswegen hätte man ihn nicht an das Ende des Sets gelegt, weil dann alle Männer schon gehen woll(t)en. Kuscheln war also angesagt und ich muss sagen, live ist dieser Song noch um einiges schöner… Ruhig und mit nachdenklichen Tönen wurde „Nach Süden“ ebenfalls vom aktuellen Album angestimmt, wo es um die Rückkehr eines geliebten Menschen aus dem Krankenhaus nach einer Krebserkrankung geht. Wieder mehr zum Abfeiern folgten „Money left to Burn“ und „Stockhausen, Bill Gates und Ich“, wo wir, das Publikum, leider unseren Einsatz bei „der gebrochene Daumen von Carlos Santana, der gebrochene Daumen von Carlos Santana, ich hab den wichtigsten Finger von Carlos Santana…“ völlig verpassten. Die Band nahm es mit Humor. „In Deinen Armen“ erzählte wieder eine Geschichte aus dem Leben, von der Liebe und laut Marcus schrieb das Berliner Stadtmagazin ZITTY, dass er wie der BARRY WHITE des Indie-Rocks klingen würde. Großer Jubel im Publikum bei den ersten Takten zum älteren „Im Taxi weinen“ und mit „Im Club“ endete das reguläre Set der Hamburger. Natürlich wurde nach Zugabe verlangt und gleich zweimal lockte man die Band zurück auf die Bühne. Die neuen Songs wurden geschickt unter die Klassiker gemischt, wobei man nicht den Eindruck hatte, dass diese weniger gut ankämen. „Deiche“ und „Academy“ rockten noch mal richtig los. Man merkte einfach, dass das alles aus tiefstem Herzen kam. Den Refrain von „Schrilles, buntes Hamburg“ nämlich „Es muss immer alles komplett verwertet werden, was komplett verwertet werden kann“ sangen wir alle gemeinsam. Dann war es leider schon Zeit für das letzte Stück des Abends, dem kultigen „Landungsbrücken raus“, wo die Textsicherheit der Berliner dann doch noch bewiesen werden konnte.

Ein wunderbares Ende einer wunderbaren Band für Jedermann, die mich immer wieder mitreißen kann. Weiter so und vor allem mit weiterhin so tollen Ideen bezüglich Konzertaktionen, wie dem Sonnenaufgangskonzert, den von Streichern unterstützten Auftritten oder ganz aktuell dem Gratis-Konzert in Hamburg gegen die absurden Schwarzmarktpreise.

Setlist KETTCAR
Rettung
48 Stunden
Schwebend
Graceland
Kein Außen
Balkon
Kommt ein Mann in die Bar
Balu
Nach Süden
Money left to burn
Stockhausen, Bill Gates und Ich
R.I.P.
Wäre er echt
In Deinen Armen
Im Taxi weinen
Ausgetrunken
Im Club

Deiche
Academy
Am Tisch

Schrilles, buntes Hamburg
Landungsbrücken raus

Copyright Fotos: Cathie Niemann

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