Konzert Filter

KILLING JOKE – LIQUID GOD

Ort: Hamburg - Grünspan

Datum: 03.10.2010

Wir schreiben den 03.Oktober 2010. Ganz Deutschland ist beseelt von unbändiger Freude, Zufriedenheit oder auch Verzweiflung ob dem 20. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung. Ganz Deutschland? Nein! Ein mittelgroßer Hamburger Club hört nicht auf, der politischen Trunkenheit erbitterten Widerstand zu leisten. Und wer könnte einen besseren Soundtrack dazu liefern als die mittlerweile legendären KILLING JOKE?

Bevor es dazu kam, hatten die bis dato noch spärlich gefüllten Reihen allerdings die Aufgabe, knappe 30 Minuten lang den heimischen Support namens LIQUID GOD über sich ergehen zu lassen. Übergroße Begeisterung kam angesichts dieser unabwendbaren Tatsache nicht gerade auf, viel mehr als Höflichkeitsapplaus konnte die sich redlich bemühende Combo nicht für sich verbuchen. Dabei wäre die durchaus ambitioniert wirkende Mischung aus teilweise altbackenem Thrash Metal und progressiv anmutendem Endzeit-Psychedelic gar nicht mal unspannend, doch muss man dem Vierer aus St. Pauli leider einen deutlichen Mangel an Eingängigkeit und spielerischer Präzision attestieren. Darüber konnten auch die enthusiastischen Anfeuerungen des Frontmanns nicht hinwegtäuschen. Aber sei’s drum…
Zur Prime Time um kurz vor halb neun war es dann soweit und die mittlerweile leicht ergrauten Herren von KILLING JOKE betraten unter großem Getöse die Bühne des Grünspan. Es würde der extrem solide agierenden Band nicht wirklich gerecht, sie auf eine One-Man-Show zu reduzieren, aber es steht außer Frage, dass die wohl dunkelste Lichtgestalt (sic!) des Postpunk, Mr. Jaz Coleman, die unumstrittene Identifikationsfigur und das schillernde Aushängeschild der Band darstellt. So auch an diesem Abend. Stimmlich in Hochform (und der Mann hat ein wirklich kraftvolles Organ), gekleidet im schwarzen Overall, weiß getünchtes Gesicht, nur überstrahlt von dem bedrohlich überdimensioniert wirkenden Weiß in den Augen… der Wahnsinn hatte (mal wieder) eindeutig Methode. Spätestens ab dem dritten Song „War Dance“ hatten es KILLING JOKE dann auch geschafft, das mittlerweile sehr gut gefüllte Grünspan vollends auf ihre Seite zu ziehen und konnten in der Folge eigentlich tun und lassen, was sie wollten. Und sie wollten offenbar vor allen Dingen unter Beweis stellen, dass sie auch nach 31 Jahren im Geschäft noch in der Lage sind, frisch klingende, neue Songs zu schreiben und zu präsentieren. So gab es denn auffallend viele Stücke vom neuen Album „Absolute Dissent“ zu hören. Mutig, wenn man bedenkt, dass selbiges gerade mal wenige Tage auf dem Markt war und einem nicht kleinen Teil des Publikums aller Wahrscheinlichkeit nach noch nicht komplett bekannt. Das Publikum nahm das Gebotene dennoch sehr wohlwollend auf, und das völlig zu Recht, zumal sich herausstellte, dass sich das Songmaterial wunderbar als Rahmen für die gelegentlich eingestreuten Klassiker eignete. Und auch wenn Letztere natürlich vor allem bei den älteren Semestern im Auditorium für besonders laute Jubelstürme sorgten („The Wait“ oder die erste von zwei Zugaben „Complication“ seien hier als Beispiele genannt), so war es doch alles in allem ein sehr homogen wirkendes Set, was dem geneigten Fan hier um die Ohren gepfeffert wurde, optisch untermalt von einem immer wieder soldatisch über die Bühne marschierenden Coleman, dessen roboterhafte Bewegungen und wahnwitzige Zuckungen gelegentlich gar an OZZY OSBOURNE erinnerten, mit dem kleinen aber gewichtigen Unterschied, dass dieser sie wohl kaum noch absichtlich herbeiführt. Nach etwa einer Stunde legte die Band dann noch mal eine kleine Härte-Schippe drauf und zu den Klängen des grandiosen „Asteroid“ entstand ein wilder Moshpit vor der Bühnenmitte, was den Protagonisten auf den Brettern sichtlich gefiel und dazu anspornte, den etwa 30-minütigen (incl. Zugaben) Rest des Konzertes diesen doch recht hohen Energielevel zu halten, so dass dann nach 90 Minuten auch ausschließlich zufriedene, schwitzende Menschen das Grünspan verließen.

Fazit: Großartige Band, tolles Konzert und ein im Vergleich zu früheren Tourneen bewundernswert agiler Berufsverrückter, der auch heute noch einiges an Unmut in die Welt herauszuschreien hat. Auch wenn ich sicherlich nicht der Einzige war, der nichts gegen den wohl bekanntesten Hit der Band „Love Like Blood“ in der Setlist einzuwenden gehabt hätte…

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu KILLING JOKE auf terrorverlag.com

Mehr zu LIQUID GOD auf terrorverlag.com