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KILLING JOKE – TREPONEM PAL

Ort: Berlin - Columbia Club

Datum: 25.09.2008

Es gibt sicherlich viele Gründe für Bands gemeinsam auf Tour zu gehen. Freundschaften, neue Alben… Die Liste ist lang. TREPONEM PAL und KILLING JOKE hatten allerdings keinen so angenehmen Grund. Die Trauer um Paul Raven ist es, die uns diese Tour beschert hat. Als TREPONEM PAL ihr aktuelles Album aufnahmen, war Raven mit dabei. Leider starb er während der Aufnahmen an einem Herzinfarkt. Sein Verlust hat viele Menschen wieder zusammengebracht. Ich muss sagen: Es wurde emotional.

Als TREPONEM PAL auf die Bühne kamen, waren noch nicht wirklich viele vor der Bühne versammelt. Das änderte sich jedoch recht schnell. Ich habe schon öfter in der Columbia Hall bzw. dem Columbia Club erlebt, dass es ein recht undankbarer Job ist, die Vorband zu sein. Jedes Mal denke ich, die Leute harren nur aus, bis der Headliner endlich auf der Bühne erscheint. Diesmal war das allerdings anders. Auch wenn nicht von Anfang an getanzt wurde, zollte man TREPONEM PAL eine Art liebevollen Respekt. Diese legten auch sofort mit härteren Tönen los. Immer und immer wieder applaudierte Sänger Marco dem Publikum, um zu zeigen wie sehr er es schätzte, nach den Jahren der Pause immer noch angenommen zu werden. Wie weit diese Wertschätzung geht, durfte ich selbst erfahren, als er mir meinen Lieblingstitel „Pushing you too far“ widmete. Die Mischung aus alten und neuen Songs war gelungen, wobei die neuen Titel vom Album „Weird Machine“ doch etwas überwogen. Besondere Highlights waren „Freak Machine“, „Dirty Dance“ und „Planet Crash“. Jedes Stück wurde mit so viel Energie dargeboten, dass sich doch schon recht bald alle nach vorn drängten, um zu tanzen. Es wurde tatsächlich etwas eng. Die roboterhaften Bewegungen des Sängers hatten etwas Hypnotisierendes. Trotzdem hatte die Band eine phantastische Gesamtdynamik. In TREPONEM PAL steckt immer noch genug aggressive Leidenschaft, um damit einen kompletten Saal zu füllen. Dennoch ließ es sich Marco nicht nehmen, einige Worte über Paul Raven zu verlieren. Und für einen kurzen Moment waren alle sehr still und andächtig. Das war ein wahres Stück Verletzlichkeit, das von der Bühne kommuniziert wurde. Und es kam auch an. Nichtsdestotrotz setzte die Band ihr Konzert brachial fort und verließ nach neun Liedern die Bühne.

In der kurzen Umbaupause durfte ich feststellen, dass KILLING JOKE-Fans fast schon etwas von einer Familie haben. Ich war umgeben von Menschen, die aus Baden-Baden, dem Allgäu und Frankfurt angereist waren. Und das gleich für beide Abende. Man konnte jeden einfach so anquatschen und erfuhr Geschichten über Konzerte, die KILLING JOKE bereits 1979 gespielt hatten. So wunderte es auch nicht, dass die kurze Zeit, bis die Band die Bühne enterte, recht schnell vorbei war. Die Spannung im Saal war zu diesem Zeitpunkt schon zum anfassen groß. Es lag mehr in der Luft als nur Erwartung. Nacheinander gingen die Bandmitglieder auf die Bühne. Als Sänger Jaz Coleman wie ein Geist in einem grauen Overall erschien, gab es kein Halten mehr. Die Atmosphäre war so beeindruckend, dass ich die ersten beiden Songs wie in Trance erlebte. Man konnte nicht einmal wirklich realisieren, dass das Konzert bereits angefangen hatte, die Eindrücke waren zu intensiv. Aus diesem Begeisterungskoma erwachte ich allerdings recht schnell, als man „Love Like Blood“ anstimmte. Das war einer dieser seltenen überwältigenden Konzertmomente, bei denen man weiß man muss sie voll auskosten. Denn so wird man nie wieder empfinden. Genauso gefühlsstark ging es weiter. Man konnte nie die Augen von Jaz wenden, der herumwirbelte und an eine wütende Jesusfigur erinnerte, gezeichnet und verwundet und dennoch „larger than life“. Diese Aura nutzte er auch sehr gezielt aus, als er ein paar kritische Worte in die Menge brüllte, um direkt danach zu schreien „Money is not our God“. Die Fans kannten alle Songs auswendig und waren voll dabei, egal ob zu „Change“ oder zu „Eighties“. Auch „Wardance“ und „The Wait“ wurden gespielt. Den größten Applaus allerdings gab es als die Band zum ersten Mal seit 1979 „Turn to Red“ in Berlin performte. KILLING JOKE schleiften ihr Publikum an diesem Abend durch das gesamte Gefühlsregister. Und als es vorbei war, ging man heraus mit dem Eindruck, gereinigt worden zu sein.

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