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KILLSWITCH ENGAGE – 3 INCHES OF BLOOD – MAINTAIN

Ort: Herford - X

Datum: 01.08.2008

„Alle Jahre wieder kommt KILLSWITCH ENGAGE“ – okay, wenngleich diese Zeile sicherlich genau so zweckentfremdet wie auch unpassend ist (wenn man bedenkt, dass der August gerade angebrochen ist und draußen Asphalt statt Schnee schmilzt) steckt dennoch durchaus ein Fünkchen Wahrheit darin. Nach 2005 und 2007 beehrten die Mass-Metaler nämlich auch in diesem Jahr wieder das „X“ in Herford, nur um einen Tag darauf das Wacken Open Air zu rocken. In den Zeitungen als „Aufwärmprogramm“ bezeichnet, scheint es den Jungs aber dennoch eine Freude zu sein, dort immer mal wieder vorbei zu schauen. „Die Freude ist ganz meinerseits“ dachten sich deshalb auch wieder so um die 1500 Besucher, die das X gut ausfüllten und dort für jede Menge Stimmung sorgen sollten.

Jene Stimmung sollte dann Vorab schon mal von den Hamburger-Jungs MAINTAIN angeheizt werden. Doof nur, dass die Hansastädter bereits bei meinem Betreten des Clubs um 19:20 Uhr im vollen Gange waren – dabei war der Beginn laut Internetseite auf 19:30 Uhr festgelegt. Da es nur gestattet war, während der ersten drei Songs Fotos zu machen, hatte sich das Thema also erst mal erledigt. So musste ich also mit dem noch verbleibendem Rest ihres Auftritts vorlieb nehmen, der sich aber ähnlich gestaltete wie der vor gut vier Monaten, als man AS I LAY DYING in selbigen Räumlichkeiten supportete. Auch dieses Mal wusste die durchaus gute Mischung aus PARKWAY DRIVE und MAROON zu gefallen, deren Vortrag mich live allerdings irgendwie immer noch nicht so wirklich endgültig zu überzeugen vermag. Man weiß und sieht, dass die Jungs ja mit ihren Geräten umgehen können – besonders Schlagzeuger Christoph malträtiert sein Gerät aufs vortrefflichste und bläst Doublebass-mäßig ganz gut was weg. Der Sound jedoch klang erneut oftmals merkwürdig verwurschtelt und kam nicht wirklich fein an, worunter die Struktur der Songs ein wenig litt. Dafür hatten die Fünf aus der Hafenstadt aber wieder ordentlich Posing im Gepäck und wussten mit diversen Breakdowns wie in „Too many fuckwits“ und „In Twilight’s Embrace“ die Menge zu bewegen. Man hat zwar selbst in Herford schon größere Circle Pits gesehen, dennoch gab Shouter Timo seine Bemühungen nicht auf. Die Aufforderung im Takt mitzuklatschen schenkte wurde da schon vermehrter angenommen und auch ansonsten bereiteten MAINTAIN den Mosh- und Bangwilligen einiges an Spaß, bis sie dann um 19:45 Uhr die Bühne verließen.

Gab es das Paket MAINTAIN und AS I LAY DYING wie erwähnt bereits Ende April diesen Jahres, ist das Duo nun wieder zusammen als Support für KILLSWITCH ENGAGE unterwegs – nur nicht an diesem Abend in Herford. Die Formation aus San Diego wurde vertreten von 3 INCHES OF BLOOD, die mit ihrer Mischung aus Metal, Thrash und ein wenig Hard Rock um 20 Uhr in den Abend starteten. Und das, womit sie starteten, war dann eindeutig eine reine Geschmackssache. Sorgte das Schlagzeug hauptsächlich für den Thrash-Faktor, wurde die Metalflagge von den Saiteninstrumenten hochgehalten, während Vokalist Cameron Todd Pipes mit seinem Falsett-Gesang losheulte. Dabei erinnert er stimmlich ein wenig an die frühen Sachen von Udo Dirkschneider (ACCEPT/ U.D.O.) – eine Tatsache, die man nicht unbedingt sooo bei einer Band willkommen heißt, die AS I LAY DYING vertritt. Entsprechend wenig wusste deshalb auch die mehrheitlich anwesende Metalcorefraktion damit anzufangen und bedachte das Liedgut anfänglich mit einigen Buhrufen. Doch nach und nach schien man sich damit entweder abgefunden zu haben oder fand sogar Gefallen daran, jedenfalls wurden die Buhrufe weniger und der Applaus dafür lauter. Der Sound klang wesentlich besser abgestimmt und die Arbeit an den Klangwerkzeugen saß auch sehr ordentlich. Solo um Solo feuerte man ins Publikum, welches mit kreisenden Mähnen entgegnete. Der rockig groovende Sound von Songs wie „Trial of Champions“ kam dabei ebenso gut an wie die Speed Metalschiene bei beispielsweise „Demon’s Blade“. So gewannen die kanadischen „Vikinger“ trotz ihrer „True“-Attitüde von Lied zu Lied immer mehr an Akzeptanz, allerdings brach die Mehrheit dann nicht in Tränen aus, als um 20:30 Uhr schon wieder Schluss war für 3 INCHES OF BLOOD.

Schließlich waren sich wohl alle der hier Versammelten einig, das KILLSWITCH ENGAGE nicht früh genug loslegen konnten, was dann auch um 21 Uhr geschah. Der schier unglaublichen Hitze in der Halle trotzend, kannte die Euphorie kaum Grenzen – und das obwohl die letzten beiden Auftritte des Bostoner Quintetts wie anfangs erwähnt gar nicht mal so lange her sind. Songs wie „A Bid Farewell“ werden immer noch total partyhungrig verschlungen und kompromisslos abgefeiert. Übersättigung? Fehlanzeige! Und so zeigten sich auch die Vorzeige-Metalcorer von ihrer besten Seite und hatten sichtlich Spaß an ihrem Tun. Besonders der einfach unglaubliche Adam Dutkiewicz, der leider beim letzten Mal aus gesundheitlichen Gründen nicht dabei war, ist es einfach Wert, den Jungs zuzusehen. Das ja ursprünglich als Schlagzeuger der Band gestartete und dann zur Gitarre gewechselte Musikgenie lebt einfach Musik und strahlt eine so enorme Energie und Freude dabei aus, wie sie wirklich einmalig ist. Können und Performance so zu vereinen – schlichtweg großartig! Doch auch seine Kollegen zeigten wieder mal, dass sie zu den ganz Großen ihrer Zunft gehören. Absolut souverän zockte man die Klangwerke herunter und das bei sehr ausgelassenem Posing und reichlich Bewegung auf der Bühne, die man in ihrer vollen Größe nutzte (was im „X“ ja auch nicht die Welt ist – aber immerhin!). Auch der Sound war ganz ordentlich abgemischt – mittlerweile weiß man in Herford aber auch sicher, wie man sich auf diese Band technisch einzustellen hat. Sänger Howard schien extrem gut gelaunt und trat vor allem nicht wie bei den vorherigen Auftritten gesundheitlich angeschlagen auf. So trällerte und shoutete er Knaller wie „Breath Life“, „Life To Lifeless” und “This Is Absolution” sauber und locker von der Leber bzw. Lunge weg und das begeisterte Publikum tat es ihm gleich. Wie aus einem Munde schallte auch „This Fire“, obwohl das ja eigentlich nur auf der Special Edition von „As Daylight Dies“ zu finden und/ oder Wrestlingfans ein Begriff ist. Der Song ist im Set sicherlich sehr gut aufgehoben und lockert dieses auch ein wenig auf, da es sich ja nun doch auch langsam festgefahren hat. Aber sein wir mal ehrlich: Sind wir Brecher wie „Rose Of Sharyn“, „Fixation on the Darkness“, „When Darkness Falls“ oder „The Arms Of Sorrow“ leid? Das eindeutige „Nein“ war anhand der Stimmung mehr als deutlich zu erkennen, doch die Ankündigung bald mit den Arbeiten an einem neuen Album zu beginnen, wurde natürlich auch sehr begrüßt. Doch leider bedeutet das, was Howard ebenfalls erwähnte, dass KSE deshalb für eine längere Zeit nicht touren werden. Wurscht, kommen sie hält statt im nächsten im übernächsten Jahr wieder, dann auch gerne zweimal! Ja ich weiß, man soll es nicht übertreiben, doch man darf ja ein wenig träumen. Die Fans nutzten die Ankündigung jedenfalls als Anlass, noch (!) eine Schippe drauf zu legen und ließen sich zu diversen Circle Pits und zu einer Wall Of Death nicht zweimal bitten. Die Herren Musiker versuchten erst gar nicht ihr Grinsen zu verstecken und waren auch zu einigen Späßen aufgelegt. Nach der obligatorischen Frage, wer denn bei den letzten Malen schon dabei gewesen sei und wer noch nie, rief Howard zu einem fröhlichem Nachgröhl-Spielchen auf, bei dem er jeweils vorlegte und das Publikum ihn daraufhin imitieren sollte. Adam klinkte sich mit ein, als Howard langsam die Ideen ausgingen und entlockte seiner Gitarre erschreckend real klingende Schreie – diese sollten natürlich ebenfalls nachgemacht werden. Als sich dann Howard von einem Lachanfall erholt hatte, ging es dann auch wieder mit Musik weiter und Hits wie „My Last Serenade“ und „The End Of Heartache“ durften genau so wenig fehlen wie das mich sehr erfreuende und abschließende DIO-Cover „Holy Diver“. So ging um 22:25 Uhr ein äußerst stimmungsvoller und mehr als gelungener Auftritt zu Ende und man hinterlies den nun einströmenden Disco-Besuchern (an einem Freitag wie diesem sind Charts und Clubhits im X angesagt), die sich durch die Horde von verschwitzten Metal-Fans zu kämpfen versuchten eine gut vorgeheizte Räumlichkeit.

KILLSWITCH ENGAGE sind live einfach immer wieder eine Freude, so auch dieses Mal. Man spielte das „Pflicht-Programm“ mit allen Hits und bekannten Songs, was man irgendwo bemängeln könnte – andererseits will man aber auch genau diese Titel hören. Dass es „This Fire“ und „Holy Diver“ nun auf die Setlist geschafft haben, ist dabei dennoch durchaus positiv anzumerken. Man darf wirklich gespannt sein, was die Jungs dann in nächster Zeit im Studio so zusammen rocken – und dann hoffe sicher nicht nur ich sondern mit sehr großer Sicherheit auch alle anderen, die an diesem Abend anwesend waren, auf ein baldiges wiedersehen. Bis in spätestens zwei Jahren dann!

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