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KING’S X – KLONE

Ort: Hamburg – Knust

Datum: 17.04.2011

Mit KING’S X tourt dieser Tage wieder einmal eine dieser Bands durch heimische Gefilde, die zwar nie den ganz großen kommerziellen Durchbruch geschafft hat, aber doch schon seit weit mehr als 20 Jahren für gleich bleibende Qualität auf hohem Niveau sowohl in konserviertem Zustand als auch auf der Bühne steht. Und das Konzert in Hamburg sollte ein bemerkenswertes werden. Aber der Reihe nach:

Pünktlich um 21.00 Uhr bestiegen die Franzosen KLONE die Bühne des Knust. Die sechs Herren aus Poitiers stehen gerade mit ihrem dritten Album „Black Days“ in den Startlöchern und sind, was ihre Songstrukturen betrifft, eindeutig dem Progressive-Bereich zuzuordnen. Soweit folgerichtig also ihre Rolle als Support dieser Tour. Allerdings konnten sie an diesem Abend eindrucksvoll untermauern, dass sie ihre rhythmisch vertrackten Kompositionen um einiges aggressiver und moderner in Szene setzen als viele ihrer vermeintlichen Genre-Kollegen. Man konnte fast meinen, dass SPINESHANK zu Proggies mutiert sind. Die wuchtigen Gitarrenriffs schallten schon sehr Groove-betont aus den Boxen und der zwischen voluminöser Rockstimme und harschen Metalcore-Vocals wechselnde Gesang des energetischen Frontmanns Yann Ligner tat ein Übriges. Leider litt die spannende und vor allen Dingen tight und kompetent dargebotene Melange unter einem sehr mittenlastigen und alles andere als transparenten Sound, der dem Ganzen ein wenig den Druck von unten nahm. Dennoch konnten KLONE durchaus positive Resonanzen für sich verbuchen, die sie sich auch redlich verdient hatten.

Nach einer kurzen Umbaupause war es dann um kurz nach 22 Uhr soweit: KING’S X enterten die Bretter, die für sie heute Abend sicherlich die Welt bedeuteten. Das texanische Trio kann mittlerweile auf einen amtlichen Backkatalog zurückgreifen, in dem sich so einige Songperlen verbergen, die man üblicherweise nicht unbedingt auf einem Standard-KING’S X-Konzert (falls es so etwas überhaupt gibt) zu hören bekommt. Da es dieser Tage kein aktuelles Release zu promoten galt, bot sich eine gute Gelegenheit, einige dieser Nummern aus der Mottenkiste zu hervor zu kramen und dem (restlos begeisterten) Publikum zu präsentieren (siehe Setlist). Eröffnet wurde der bunte Reigen mit dem knackigen „Groove Machine“, der sofort unmissverständlich klar machte, warum KING’S X schon seit ihren Anfangstagen als eine der unterbewertetsten und hochklassigsten Bands ihrer Richtung und obendrein als Inspirationsquelle für viele junge Bands gelten. Wohl kaum eine andere Band schafft es, soviel, vor allem von Bassist und Sänger Doug Pinnick zelebrierten Soul auf der einen und so viele Reminiszenzen an die großen Idole der viel zitierten BEATLES auf der anderen Seite in eigentlich eher traditionell und vor allem vergleichsweise simpel gehaltenen Hardrock-Songs unterzubringen wie die drei Amerikaner. Das rappelvolle Knust honorierte diese Tatsache und die unbändige Spielfreude der Protagonisten mit wahren Begeisterungsstürmen, die von Applaus auf offener Szene bis hin zu Sprechchören in Richtung „Jerry!!“ (Gaskill, drums), „Ty!!“ (Tabor, guitars & vocals) und „Doug!!“ (Pinnick, bass & vocals) reichten, und in dieser überschwänglichen Form wohl auch die Band selbst überraschten. Diese dankte es ihren Gönnern wiederum mit ausgedehnten Jams und einer Bühnenpräsenz, die ihres Gleichen suchte und die doppelte Portion Spaß von der Bühne direkt in die Reihen der Zuschauer und wieder zurück übertrug. Dieser Spaß erreichte vor allem dann immer wieder seinen Höhepunkt, wenn sich das Auditorium als textsicher erwies und bei Songs wie „Pillow“ oder „Pray“ lautstark mitsang. Als dann die erste Zugabe, das balladeske „Goldilox“ kurzerhand komplett von den Hamburgern übernommen wurde, so dass sich die Herren auf der Bühne eine gesangliche Pause gönnen konnten, war es dann endgültig an der Zeit, die Band UND sich selbst einfach nur noch zu feiern, was dann zu „Over My Head“ und „Visions“ auch geschah.

Alles in allem ein fantastisches Konzert einer sehr sympathischen und durch jahrzehntelanges Touren in der gleichen Besetzung hervorragend aufeinander eingespielten Band, dessen einziger Wermutstropfen am Ende der auch später noch etwas drucklose Knust-Sound war. Ansonsten galt und gilt ohne Einschränkung: „Music, music, I hear music, music over my head!“

Setlist KING’S X
Groove Machine
The Train
What Is This?
Complain
Black Flag
Alright
In The New Age
Pillow
Pray
Dogman
Go Tell Somebody
Summerland
We Were Born To Be Loved

Goldilox
Over My Head
Visions

Copyright Fotos: Wiebke Tamke

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