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NO MORE – KISS THE ANUS OF A BLACK CAT

Ort: Leipzig - KH87

Datum: 07.02.2015

Gut ein Jahr gibt es den Leipziger Veranstalter White Circles jetzt. Seitdem haben sie regelmäßig erlesene Acts der Minimal-/ Synth-/ Wave-Szene und darüber hinaus in die Messestadt geholt. Zum Auftakt für 2015 wurden NO MORE und KISS THE ANUS OF A BLACK CAT geladen. Wie schon das Geburtstagskonzert mit den legendären CLOCK DVA im vergangenen November war der Veranstaltungsort im Club KH87, einer sehr passenden, morbid-charmanten Underground-Location im Leipziger Westen. Für ein Konzert relativ spät gestaltete sich der Einlass ab 22 Uhr. Die musikalische Darbietung sollte eine Stunde später beginnen. Als wir gegen 22:30 Uhr ankamen, war es noch erschreckend leer. An der Bar und auf den Sitzgelegenheiten tummelten sich eine Handvoll Besucher und der DJ im Konzertraum nebenan spielte noch für sich alleine. Erfreulicherweise füllte sich das KH87 aber noch auf eine angenehme Menge. Mit einer halben Stunde Verspätung ging dann der erste Auftritt los.

KISS THE ANUS OF A BLACK CAT haben vor fünf Jahren ihr erstes Album veröffentlicht. Vier weitere folgten und damit haben sich die Jungs aus Gent in der Szene schon einen guten Ruf aufgebaut. Der ungewöhnliche Name, der einem mittelalterlichen Hexen-Ritual geschuldet ist, dürfte sein Übriges dazu beigetragen haben. Für mich war es der erste Auftritt, der Belgier. Da Freunde schon geschwärmt hatten, war die Spannung entsprechend hoch. Mit den Hörproben bei Youtube fühlte ich mich halbwegs vorbereitet auf das Bevorstehende, wurde aber schnell eines Besseren belehrt. Statt beschaulichen, aber markanten und ausdrucksstarken Dark Folk spielten KISS THE ANUS OF A BLACK CAT treibenden Post Punk. Obschon das Line Up eigentlich 4 Musiker aufweist, standen die Belgier nur zu dritt auf der Bühne. Sänger Irritant mit Gitarre und zweit weitere Herren an den Synths und gelegentlich am Bass. Der Drummer fehlte, hätte aber auch so seine Probleme gehabt, auf der kleinen Bühne Platz zu finden. Stattdessen kamen die sehr fetten und druckvollen Percussions aus der Konserve. Der klanglichen Qualität macht das aber nichts aus. Irritant, mit einer sensationellen, tiefen Stimme begnadet, trieb die Pegel auf die Spitze und brachte beinahe seine Schlagadern zum platzen. Tolle Stimme, toller Sound, fette Drums… mit diesem leider nur etwa 45 Minuten andauernden Konzert haben KISS THE ANUS OF A BLACK CAT mindestens einen neuen Fan gewonnen. Dem Publikum hat’s gefallen.

Auch wenn einem die Band vielleicht nicht gleich auf Anhieb etwas sagt, an einen Hit von NO MORE kommt wohl keiner vorbei, der auch nur im Entferntesten mit der Szene etwas zu tun hat. Die Rede ist von „Suicide commando“ aus dem Jahre 1981. Nach diesem Titel hat sich auch die gleichnamige Industrial-Formation aus Belgien benannt. Selbst außerhalb der Szene hat dieser Song Dank eines Remixes von DJ HELL seine Spuren hinterlassen. Dabei steht er nur für einen Teil des Soundspektrums der Kieler Band, die sich bereits im Sommer 1979 gegründet hat. Der Großteil der Musik ist von der Charakteristik eher im Post Punk/ No Wave angesiedelt. 1986 war dann erst einmal Schluss mit gemeinsamer Musik. 20 Jahre später fanden sich Sänger, Gitarrist und Bassist Andy A. Schwarz und Tina Sanudakura (Synthesizer) doch wieder zusammen und brachten inzwischen auch wieder ein neues Album namens „Sisyphus“ auf dem Markt, was im Grunde da anschließt, wo 20 Jahre vorher ein Ende war. Soviel zur Geschichte. An diesem Abend ging es auch bei den „alten Herrschaften“ gleich richtig zur Sache. Der erste Teil des Auftrittes war sehr gitarrenlastig. Toller Sound mit einem Sänger, der nicht nur optisch an NICK CAVE erinnert. Tina Sanudakura bediente neben ihrem Synthesizer auch ein Theremin, welches durch Handbewegungen elektrische Schwingungen erzeugt. Der zweite Teil wurde durch „Suicide commando“ eingeläutet: es wurde elektronischer und die Gitarre auch mal zur Seite gelegt. Die folgenden Stücke kamen auch beim Publikum etwas besser an, wobei man sagen muss, dass der erste Teil auch schon vorzüglich war. 36 Jahre Musikerfahrung hinterlassen halt ihre Spuren. Angesichts des Fabrikkeller-Charmes des Konzertsaales, der improvisiert wirkenden Bühne, dem nicht existierenden beziehungsweise nicht beachteten Rauchverbots und natürlich vor allem aufgrund der zeitlosen Musik hatte man doch fast das Gefühl einer Zeitreise zu den Anfängen der Gothic-Szene. Ein schönes Gefühl, was natürlich nach der einen oder anderen Zugabe schrie, die auch bereitwillig gegeben wurden. Irgendwann war es den beiden Musikern dann aber zu blöd, immer die Bühne zu verlassen und wieder zurückzukommen. Schwarz meinte nur „Tina will jetzt nicht nochmal hoch und runter. Wir bleiben jetzt gleich oben.“ Sind ja nicht auch nicht mehr die Jüngsten. Und so gab es noch einen letzten Kracher und dann war es leider schon vorbei.

Zwei absolut sehenswerte Konzerte, die auch bestens aufeinander abgestimmt waren. An dieser Stelle ein Hoch auf den fantastischen Abend und die mutige Auswahl der beiden Bands. Denn das NO MORE immer noch Musik machen und sich die Chance auf ein Konzert bietet, hätte ich ohne White Circles nie vermutet. Und in einem Monat haben die Leipziger mit KING DUDE, CULT OF YOUTH und DEATH OF ABEL schon wieder einen aparten Konzertabend in Planung.

Copyright Fotos: Kai-Uve Altermann

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