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KLEE

Ort: Osnabrück - Rosenhof

Datum: 28.02.2009

Es war kurz vor 20 Uhr und vor dem Rosenhof sammelten sich wahre Menschenmassen. Alles Raucher? Sollten KLEE etwa inzwischen so viele Leute ziehen, dass fast eine Stunde nach dem Einlass immer noch lange Schlangen draußen stehen? Leider nicht, die Türen hatten sich noch gar nicht geöffnet, da die Band aufgrund von Problemen mit ihrem fahrbaren Untersatz (technische Schwierigkeiten, wie Frontfrau Suzie Kerstgens später erläuterte, sie sei tags zuvor gefahren…) erst spät angekommen war und der Soundcheck noch gemacht werden musste. Wie gut, dass zumindest der ganztägige Nieselregen endlich aufgehört hatte und es fast schon frühlingshaft mild war. Irgendwann durften die rund 400 Fans dann auch das ehemalige Kino in Beschlag nehmen. Wie es scheint, gestaltet es sich einfach ein bisschen schwieriger, wenn die Kölner in Osnabrück spielen wollen, denn der erste Termin am 11. Oktober letzten Jahres musste abgesagt werden, weil der Videodreh zu „Berge versetzen“ noch nicht abgeschlossen war.

Kurz nach 21 Uhr war es dann aber endlich soweit: Die Show konnte beginnen! Auf einen Support hatte man verzichtet und so kamen nach einem ausführlichen Intro zunächst die KLEE-Herren auf die Stage, bevor die Dame in ihrer Mitte französisch angehaucht selbige betrat. Ihr Outfit aus Rollkragenringelminikleid, dicker Strumpfhose, Pumps und Baskenmütze war mal wieder recht extravagant, außerdem hat die Gute sich eine neue Kurzhaarfrisur verpassen lassen, die aber unter der Mütze versteckt blieb. Kopfbedeckungen waren überhaupt angesagt, denn auch Drummer Daniel Klingen hatte sich ebenso wie Keyboarder und Pianist Sten eine Schiebermütze aufgesetzt. Im Laufe des Abends sollten es noch exotischere Modelle werden, doch dazu später mehr. Zunächst einmal stand nämlich die Musik im Mittelpunkt, zu der Suzie mit ihren bekannt großen Gesten über die Bühne tanzte. Geboten wurde ein bunter Abriss der KLEE-Discografie, natürlich mit einem Schwerpunkt auf Songs des letztjährigen vierten Albums „Berge versetzen“. Genauso wenig durften jedoch auch liebgewonnene Klassiker wie „Zwei Fragen“ vom 2004er „Jelängerjelieber“ fehlen, mit dem das Quintett schon kurz nach Beginn des Gigs den ersten Höhepunkt ablieferte. Im Anschluss wechselte Sten vom Keyboard ans Klavier, wo er auch erst einmal eine ganze Zeit verweilen sollte. Zum emotionalen „Weil es Liebe ist“ setzte im nicht ganz so jungen Publikum spontane Pärchenbildung ein, zum Schluss erlaubte Frau Kerstgens allen, sich zu küssen und gab auch einem weiblichen Fan in der ersten Reihe einen Schmatzer, bevor sie die Anwesenden aufklärte, dass sie als Kind nur schlecht einschlafen konnte, wenn sie nicht ein wenig Licht durch den Türspalt sehen konnte. „Ich lass ein Licht für dich an“ lautet deshalb immer noch ihre unbedingte Devise, die musikalisch mit viel Drive umgesetzt wurde, was visuell noch mit einer riesigen Wunderkerze im sonst fast dunklen Rosenhof Untermauerung fand. Für das eingängige „Du und ich“ griff Gitarrist Tom Deininger zum Akkordeon und Suzie gemeinsam mit Sten in die Tasten, dann schloss sich mit „Für alle, die“ auch schon das nächste Highlight an. Das Auditorium sparte nicht am Applaus, tanzte, klatschte und sang kräftig mit. Daran änderte sich auch nichts, als Herr Servaes wieder an die Keys zurückkehrte, denn „Tausendfach“ ist einfach eine wunderbare Nummer, die zelebriert werden will. „Standard kompakt“ vom KLEE-Debüt „Unverwundbar“ ging unmittelbar ins Bein, Suzie hüpfte über die Bühne und Sten spielte im Stehen, das übertrug sich natürlich auch auf die Fans, die für Osnabrücker Verhältnisse geradezu enthusiastisch reagierten, im Anschluss jedoch einen Moment auf die blonde Fronterin verzichten mussten. „Die Königin“ stand nämlich auf dem Programm und Ihre Durchlaucht musste erst den Hermelinumhang holen, um sich ihren Untertanen angemessen zu präsentieren. Allerdings fiel der samtrote Mantel mit langer Schleppe schnell wieder, wahrscheinlich störte das vermutlich ziemlich schwere Teil beim Tanzen zum treibenden Sound des Stückes, das zeitweilig was von KISS’ „I Was Made For Loving You“ hatte. Ein besonderer Moment dürfte es schließlich für Hardcore-Fan Ralf aus Bielefeld gewesen sein, als er eigenhändig von der Königin des Abends gekrönt wurde. Zumindest hat er die ihm verliehene Krone nicht mehr abgesetzt, ob er sie auch behalten durfte, ist mir allerdings nicht bekannt. Mit „Zwei Herzen“ ging die Party umgehend weiter, dann hantierte die erstaunlich maulfaule Kölnerin auch schon mit zwei Taschenlampen, was nur bedeuten konnte, dass „Lichtstrahl“ auf dem Programm stand. Schöner hätte das reguläre Set nicht enden können. Der Track ist ohne Zweifel ein fantastischer Gänsehauthammer der Kappelle, die ganz hervorragend umgesetzt wurde, nicht zuletzt als Suzie ihre Mitstreiter einzeln anstrahlte, während diese jeweils ein Solo spielten. Da wunderte es nicht, dass frenetisches Klatschen und Stampfen das fünfblättrige KLEEblatt hinter die Bühne begleitete, auf dass die Rheinländer schon bald wieder zurückkehrten und mit „Erinner dich“ einen weiteren Alltime Fave raushauten. Und dann kam Suzie Kerstgens doch noch ins Quatschen: Sie lobte die Retro-Optik der Konzertstätte, wunderte sich über den realschulmäßigen Linoleumbodenbelag, der ihr allerdings auch das Gefühl gab, wieder sehr jung zu sein. Dann noch ein Toast auf das Publikum und spontane Entschlüsse und schon wurde mal eben eine Flasche Bier geext. Die Stimmung war hervorragend im Saal, „Nicht immer aber jetzt“ wurde von allen Anwesenden abgefeiert, Sten spielte erneut stehend und Tom lag zum Schluss gar Suzie zu Füßen, ganz so, wie die Osnabrücker auch, die wenig später mit „Gold“ einen grandiosen Höhepunkt erlebten. Bei dieser Nummer durfte natürlich nicht die Goldflitterkanone fehlen, die unzählige güldene Schnipsel auf die begeisterten Zuschauer regnen ließ, die den Refrain des Liedes immer noch sangen, nachdem die Combo, die ursprünglich mal unter dem Namen RALLEY gestartet war, bereits gegangen war.

Das konnte es um 22.30 Uhr doch noch nicht gewesen sein? So viel Einsatz musste doch belohnt werden? Und tatsächlich kehrten KLEE noch einmal zurück. Fräulein Kerstgens erklärte nach der hervorragenden Gesangseinlage ihrer Fans Osnabrück zum „Goldenen Osnabrück“ und verkündete, sie habe der Hasestadt zu Ehren eben ganz schnell hinter der Bühne einen passenden Track komponiert. Das konnte selbstredend nur „Die Stadt“ sein, übrigens der einzige Song vom vorletzten Longplayer „Zwischen Himmel und Erde“, der heute gespielt wurde. Stattdessen gab’s stakkatoartige Riffs mit viel Schmackes, die zu „Wunschfrei“ gehörten, um im Finale noch einmal zu etwas Neuem zu punkten. Dafür setzten sich Sten und Suzie ans Klavier, während der Rest irgendwo im Off verschwand. Während die Pianovirtuosen sich zu „Wie das Wetter“ im Zwiegesang übten, staffierten sich Tom (erneut mit dem Schifferklavier bewaffnet), Daniel und Bassist Stefan „Pele“ Götzer (ex-ASTRA KID) mit dicken Pelzmützen und Schals aus, denn der Winter war nach Südniedersachsen zurückgekehrt. Möglich wurde dies durch zwei große Ventilatoren und ganz viel Konfetti, welches Suzie mit vollen Händen in den Luftstrom warf.

Zweifelsohne ein großer Showdown, der mit verdient euphorischem Beifall belohnt wurde. KLEE haben 100 Minuten feinste Popmusik, die dank einer agilen Rhythmusgruppe durchaus zu rocken wusste, an den Mann und die Frau gebracht und eine Liveshow offeriert, die fast keine Wünsche offen ließ. Wer allerdings Suzie schon mal erlebt hat, wenn sie so richtig Quasselwasser intus hatte, dem dürfte ein Hauch Unterhaltung gefehlt haben. Ein Umstand, der vernachlässigt werden kann, denn auch so hat sie gemeinsam mit ihren Jungs wieder für einen tollen Abend gesorgt.

Setlist
Wie weit
Unverwundbar
Zwei Fragen
Zwischen Glauben und Vertrauen
Weil es Liebe ist
Sieben Schritte
Ich lass das Licht für dich an
Berge versetzen
Du und ich
Für alle, die
Tausendfach
Standard kompakt
Die Königin
Zwei Herzen

Erinner dich
Nicht immer aber jetzt
Gold

Die Stadt
Wunschfrei
Wie das Wetter

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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