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KLEE – WOLKE

Ort: Gütersloh - Weberei

Datum: 19.05.2005

Nach all dem Jubel und Trubel auf dem WGT endlich wieder ein kleines, intimes Konzert direkt vor der Haustür. Die Kölner KLEE hatten sich zum 2ten Mal binnen kurzer Zeit in Ostwestfalen angekündigt, und noch mehr als beim letzten Auftritt in Bielefeld war ich bereit, ihrem Ruf zu folgen. Mittlerweile wusste ich doch um die Extravaganz von Suzies Bühnenshow, von der sehr gelungenen Musik mal ganz abgesehen. Kurz nach 20 Uhr erreichten wir die Webe, vor der sich ein kleines Grüppchen Besucher die Beine vertrat, in der Halle war nämlich offensichtlich noch der Soundcheck im Gange. Kurze Zeit später war es aber soweit und die ca. 80 Nasen gaben schon einen etwas besseren Rahmen ab als die wenigen Leutchens im November im Kamp. Mit dabei auch wieder das „besessene“ Pärchen aus Bielefeld, das offensichtlich seinen Idolen hinterher reist, um in völlige Ekstase zu geraten. Ralf, der männliche Part (den Namen verriet Suzie im Laufe des Gigs), trug ein Shirt mit dem Auftritt „In Gedenken an das 42te KLEE-Konzert“, mit Unterschriften aller Bandmember! Da kann man schon von Wahn oder Obsession sprechen (Nachträgliche Anm.: Der weibliche Part ist seine Schwester, die bisher nur 2 Konzerte besucht hat!). Dieses Mal wurden die beiden unterstützt von einem weiteren Paar, mit etwas mehr modischem Bewusstsein, aber kaum weniger extravaganten Bewegungen. Dazu noch das Urgestein Chucky und 3 „Terroristen“, da konnte doch schon nichts mehr anbrennen. Zunächst ward aber noch ein Vorprogramm zu „überstehen“.

Wo der KLEE ist, darf die WOLKE nicht fernbleiben, dachte man sich wohl, und so holte man sich diese ebenfalls aus Köln stammende Formation mit an Bord. „Oliver Minck spielt Bass und singt, Benedikt Filleböck spielt Klavier, dazu eine Beatbox“ – So steht es im Pressetext und genauso präsentierte man sich auch auf der Bühne. Nette deutsche Songs mit Pathos/ Romantik, spärlich instrumentiert und vielleicht am besten in der Bar/ Cocktail Lounge zu genießen. Zu einfachen Harmonien trug Oliver inbrünstig seine kleinen Weisen vor, die teilweise den Rand der Schlagerpersiflage ankratzten und mit dem Attribut „nett“ bestens beschrieben sein dürften. Dazwischen launige Ansagen der Rheinländer, die auch optisch schrullig seltsam daherkamen. Die Stücke stammten von der in Prag aufgenommenen CD „Sušenky“, wie etwa die eigenwillige GUNS `N` ROSES Coverversion „Mein süsses Kind“, der Mini-Mini Hit (O-Ton) „Wir sind da“ oder „Stazione d’Amore“, zu dem der Sänger entrückt auf dem Boden kauerte. Die Zuschauer verblieben weit abseits aber durchaus wohlwollend, irgendwann reichte es aber dann auch, wenn ich ehrlich bin, eben ein netter Happen für zwischendurch.

Nun musste man sich noch ein wenig gedulden, bevor das 5köpfige KLEEblatt mit der Show begann, ein paar „Mutige“ wagten sich jetzt weiter nach vorn. Zuerst enterte die Instrumentalfraktion die Bühne: Gitarrist Tom Deininger, Sten Servaes an der Hammond-Orgel, Daniel „Blade“ Klingen an den Drums sowie Christoph Schneider (Bass) groovten mal eben locker los, bevor Wirbelwind Suzie pünktlich zum Gesangseinsatz von „Für alle, die“ ans Mikrophon hechtete. Wieder in weiß, aber mit einer netten Muschi auf dem Oberteil, ob sie hier wohl Mieze von MIA Konkurrenz machen wollte? 🙂 Bevor sie aber ihre Krallen ausfuhr, schob man mit „2 Fragen“ gleich einen weiteren Hit der „Jelängerjelieber“-VÖ nach. Sollte das „Luxusweib“ etwa heute ohne launige Ansagen auskommen? Aber keineswegs, wie sie alsbald bewies. Die „Menschen in Gütersloh“ wurden begrüßt, der berühmte Hermsburger gelobt, und es wurde die Frage diskutiert, ob das Musikmagazin SPEX denn aus Spexard stamme. Und dann natürlich „Die Wicherts von nebenan“ und die Möbel Union, doch für diese Serie war ein Grossteil der Anwesenden wohl etwas spät geboren. Ein glatzköpfiger Herr durfte dann noch mit der lieben Suzie einen Bierwettkampf begehen, denn dieser überraschenderweise trotz fehlender Übung gewann. Lag vielleicht am Glitzerstaub, der vorher auf die tanzende Menge verteilt wurde. Musik wurde dann auch noch gespielt, und was für welche: „Tausendfach“, die neue Single oder die CURE-Reminiszenz „Unser Film“, aber auch älteres Material von der „Unverwundbar“. Bei „Lichtstrahl“ gab es wieder das nette „Licht aus – Scheinwerfertanz“-Spiel und es dauerte nicht lange, bis im Auditorium ordentlich das Tanzbein geschwungen wurde. Das aggressive „Nicht immer aber jetzt“ sowie der Überhit „Gold“ (spätestens durch Raab wohlbekannt) beendeten einen bereits sehr anmutigen Hauptteil mit knisternder Stimmung.

Nach für die Menge der Anwesenden geradezu orkanartigen Zugabeforderungen waren die Glückskinder auch schon wieder zurück und jetzt sollte das „Spiel“ erst richtig beginnen. Musikalisch waren „Wunschfrei“, „Keine 10 Pferde“ und das sensible „Über mir die Sterne“ schon launig genug, aber Frau Kerstgens drehte jetzt richtig auf und organisierte ein Spiel mit ihren Mannen. Jeder musste eine Band empfehlen und im Zweifelsfall auch gleich noch ein entsprechendes Solo liefern. Dabei wurde deutlich, dass Herr Deininger gelinde gesagt ein paar Startschwierigkeiten mit den SMITHS hatte und ihm simple Melodien vielleicht etwas besser liegen:-) Sogar der Mischer durfte seinen aktuellen Fave verraten: BEREND, mit Schneider und Klingen im Line Up! Auf ASTRA KID als Geheimtipp hätte man allerdings gerne verzichten können, das sind in meinen Augen nur Schnarchnasen… Mittlerweile war es sehr spät geworden in der Webe, man bereute aber keine der mitgebrachten Sekunden, da die Mischung aus Musik, Comedy und Laszivität an diesem Abend keine Wünsche unerfüllt ließ!

Setlist KLEE
Für alle, die
2 Fragen
Wenn es so wäre
Unverwundbar
Erinner dich
Lichtstrahl
Tausendfach
Unser Film
Solang du lebst
Mein Geheimnis
Standard Kompakt
Nicht immer aber jetzt
Gold

Wunschfrei
Keine 10 Pferde
Über mir die Sterne

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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