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KMFDM – SWEET SISTER PAIN

Ort: Hamburg - Knust

Datum: 28.06.2010

Mitleid für die „Kein Mitleid Tour“

Wer hatte Schuld an dem mangelnden Andrang beim KMFDM Konzert? Die schlechte Organisation des Knust , das Sommerwetter oder gar die WM? Da sich der Einlass um eine Stunde verzögerte, mischten sich die handvoll KMFDM Fans gezwungenermaßen unter das Fußballvolk, welches sich draußen vor dem Knust um die Fernseher scharrte. Neben Flip Flop-Trägern und Barfuss Schanzenbevölkerung befand sich auch Mark Tavassol, der Bassist von WIR SIND HELDEN, unter dem Publikum. Auch Sascha Konietzko von KMFDM hielt nach „seinem“ Publikum zwischen der Fußballfraktion Ausschau.

Während Soundcheckgeräusche vom Innersten des Knust ins Freie drangen, erlebte man Draußen die Mannschaftsaufstellung Chile/ Brasilien, den Anpfiff und ein paar Ballwechsel, bis endlich kurz nach 21 Uhr die Hamburger SWEET SISTER PAIN vor ungefähr zehn Leuten mit ihrem Gothic/ Dark Wave Set begannen. Zu Beginn wirkte die Sängerin und Cellistin Charlotte von Kracht abgelenkt und ihre Bühnenpräsenz war etwas lau und steif. Gesanglich war sie von Anfang an überzeugend und als sie sich zu dem letzten Song „Off with your head“ von ihrem Cello befreite und verführerisch weiblich schmeichelnd zu tanzen begann, hatte sie auch die letzten Gäste für sich gewonnen. Mit von der Partie der Gitarrist und Sänger Gunther Laudahn, der durch seine charismatische und sympathische Bühnenpräsenz bestach. Highlight war die Coverversion des Songs „Mad World“ von TEARS FOR FEARS . Diesem Song wurde bereits von Michael Andrews und Gary Jules für den Soundtrack zu „Donnie Darko“ neues Leben eingehaucht. Am Rande sei noch erwähnt, dass der Drummer Rudolph Naomi u.a. für KMFDM als Gastmusiker bereits gespielt hatte. Während der Show von SWEET SISTER PAIN standen die restlichen Leute unwissend vor dem Knust und warten auf Godot, denn den Konzertanfang hatten sie, zu ihrem Unmut, bereits verpasst. Knustteam, so nett und sympathisch der Laden auch ist… Hier war nicht wirklich etwas von Organisation zu spüren. Selbst auf der Internetseite war der Einlass mit 22 Uhr angesetzt. Nachfragen ergaben jedoch eine Einlasszeit von 20 Uhr, die sich dann letztendlich, und zum Glück, um eine Stunde verzögert hatte, so dass noch einige Fans rechtzeitig ihren Weg zu dem Auftritt von KMFDM fanden.

Setlist SWEET SISTER PAIN
Amnestic Silence
Truth In Minor
Mad World (TEARS FOR FEARS-Cover)
Hush Hush
Sukiyaki
Annabel Lee
Off With Your Head

Kurz vor 23 Uhr ertönte von der durch einige blaue Spots und Monitordisplays erhellten aber dennoch ansonsten dunklen Bühne der Wiener Walzer. Da dieser bis zum letzten Ton gnadenlos ausgespielt wurde, blieb genug Zeit, um einen Schulterblick ins Publikum zu werfen. Der Raum hatte sich mit Fans, die offensichtlich mit der Band über die Jahre gealtert waren, gefüllt. Vereinzelt mischte sich Jungvolk dazwischen. In den vordersten Reihen sammelten sich die eingefleischten Anhänger, die sämtliche Deutschlandkonzerte 2010 nebst Prag besucht hatten. Den Rekord stellte jedoch der Herr aus Tokio auf, der die Band über zwei Wochen lang begleitet hatte und nun nach diesem Konzert seine Rückreise antrat. KMFDM eröffneten mit der opulenten Anfangssequenz des Stücks „DIY“ ihr Programm. Die gefühlten 50 Zuschauer (mit Sicherheit waren es Hundert) nutzen den Platz, um mit vollem Körpereinsatz vom ersten Ton an mit ihren Idolen den Abend zu feiern. Bei dem Song „Bait + Switch“ hatten die Männer die Möglichkeit, sich von den lasziv tänzerischen Bewegungen Lucias in den Bann ziehen zu lassen. So nutze sie die Bühne voll aus, räkelte sich zwischen den Pulten und bei „Attak/ Reload“ stolperte sie im Rückwärtstanzen über einen Roadie, der gerade dabei war, an den Drums von Andy zu schrauben.

Der Käpt’n K hielt sich während der Show eher an seine Zigaretten, sein Mischpult und im Hintergrund. Der Abend war geprägt von Kontrasten: Fußball gegen Musik, Dark Wave/ Gothic gegen KMFDMs Industrialmusik, Lucias weibliche Vocals traten gegen Saschas harten Männersprechgesang gekonnt an und Industrial traf auf Gitarrengebretter. Die Gitarristen Steve und Jules flankiert Sascha und Lucia, gaben den Songs die volle Metal Härte, insbesondere bei Tracks wie „Tohuvabohu“ oder „A drug against war“ trieben sie das Publikum bis zum Letzten an. Zu „Hauruck“ wurden Fäuste gen Himmel gereckt und zu dem Titel „WWIII“, der ersten Zugabe des Abends, wurde kollektiv mit der Band geklatscht. Die Fußballwelt war wieder in Ordnung, als der Brite Steve bekundete, dass er die deutschen Fans trotz des Fußballergebnisses immer noch liebte.

Nach weiteren KMFDM-Sprechchören gab es noch die Zugaben „Adios“ sowie „Godlike“.
Mit einem erneuten Wiener Walzer wurde das Publikum gegen 0:15 beschwingt in die sommerliche Nacht entlassen und für mich stand fest: Mitleid brauchen nur Diejenigen, die das letzte Deutschlandkonzert 2010 verpasst haben.

Setlist KMFDM
Diy
Bait + Switch
Tohuvabohu
Son Ofa Gun
Hauruck
Looking For Strange
Potz Blitz
Attak/Reload
Saft+Kraft
Megalomaniac
Light
Free Your Hate
A Drug Against War

Wwiii
Adios
Godlike

Copyright Fotos: Sandra Dürkop

1 Kommentar

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