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KNIFELADDER – JOY OF LIFE – ANDREW KING – WHILE ANGELS WATCH – IN THE NURSERY

Ort: Leipzig WGT Kuppelhalle

Datum: 10.05.2008

Tag 2 brach an und es war wieder schönstes Wetter in Leipzig. Heute verschlug es uns in die wohl beeindruckendste Lokalität des gesamten Wave-Gotik-Treffens, die Kuppelhalle vom Volkspalast. Das 1913 erbaute und vor einigen Jahren prunkvoll sanierte Gebäude ist Bestandteil der alten Leipziger Messe. In der 28 Meter hohen Kuppel herrscht ein außergewöhnlicher Klang und dieser erschafft zusammen mit der optischen Erscheinung ein einmaliges Ambiente. Zu Hören gab es hier und heute Neofolk, aber davon eher die weniger typischen Vertreter.

Los ging es mit IN THE NURSERY und etwas Verspätung gegen 15:30 Uhr. Der Saal war überschaubar voll und blieb es auch den ganzen Tag über, was wohl daran lag, dass dieses Jahr keine wirklichen „Größen“ des Genres auftraten, und daher viele Besucher, die die vergangenen Jahre nur wegen dieser Musik nach Leipzig gekommen sind, ausblieben. Das sah man auch daran, dass viel weniger „uniformierte“ Gäste anwesend waren. Das englische Duo IN THE NURSERY zählt auch schon zu den Urgesteinen der Gothic- und Dark-Wave-Szene. Mit dem Mix aus Neoklassik und elektronischen Elementen haben sie sich ein großes Publikum erspielt und auch Fans aus ganz anderen Szenen für sich gewinnen können. Einer der beeindruckendsten Auftritte war vergangenes Jahr beim Wave-Gotik-Treffen im Rahmen des „Monumentum II“. Bei dieser Eröffnungsveranstaltung spielten IN THE NURSERY die Musik zu der einzigartigen Lichtinszenierung des Völkerschlachtdenkmals. Auch dieses Mal gab es kein Konzert im üblichen Sinne. Vielmehr untermalte das Duo den alten, französischen Stummfilm „The Passion of Joan of Arc“, der in voller Länge im Hintergrund lief. Das Publikum, welches vollständig saß, lauschte ergriffen der Musik und verfolgte gebannt den Film bis zum tragischen Ende, dem Tod von Joan d’Arc auf dem Scheiterhaufen. IN THE NURSERY schafften es mit ihrer elektronischen Neoklassik, die Spannungsbögen akustisch perfekt nachzuempfinden.

Danach war erstmal eine längere Pause, die wir nutzten, um Freunde auf dem agra-Gelände zu treffen. Dadurch verpassten wir bedauerlicherweise die englische Neofolk-Band NAEVUS. Sehr schade, denn das Konzert soll richtig gut gewesen sein. Aber so ist das nun mal auf dem WGT, man ist oft nicht da, wo man sein will, aber da, wo man gerade ist, ist es eben auch schön. Das ist ja auch das Besondere und auch Schöne an diesem Festival, dass man oft ungewollt andere Eindrücke erlebt.

Zu WHILE ANGELS WATCH waren wir dann wieder pünktlich in der Kuppelhalle. Die englischen Neofolk-Urgesteine dürften wie auch die folgenden Bands vor allem bei der älteren Generation für freudige Erinnerung sorgen. Musikalisch mit einer Mischung aus sehr songorientiertem, klassischem Neofolk und immer wieder elektronischen Einlagen, unter anderem in Form von einer mit Bogen gezogenen E-Gitarre boten sie einen sehr schönen Auftritt. Unterstützt wurde die Musik live mit einer Violine.

Zum nächsten Konzert erschien der Sänger in einem weißen Mantel, den er nach einiger Zeit jedoch ablegte. ANDREW KING ist ein englischer Folkmusiker im ursprünglichsten Sinne. Seine Musik, bei der es sich vorrangig um angelsächsische Traditionals handelt, trägt er vornehmlich mit minimaler musikalischer Unterstützung vor. Dennoch steht KING auch für moderne, mit Industrial-Elementen unterstütze Neofolk-Musik. Darüber hinaus ist er bekannt durch Kollaborationen mit SOL INVICTUS und anderen alten Hasen des Genres. Musikalische Unterstützung gab es unter anderem von dem Australier JOHN MURPHY an den Drums. Der begnadete Trommler war und ist Mitglied vieler Bands des Genres wie SPK, WHITEHOUSE, DOGS BLOOD ORDER und schließlich seinem eigenem Projekt SHINING VRIL, um nur einige zu nennen. Das Konzert fiel sehr interessant aus, mit vielen Trommeln und der charismatischen Stimme von ANDREW KING. Mitunter machte dieser sogar seine Späßchen mit dem Publikum und forderte dieses zum Applaus auf, als das Ende eines Songs als solches noch nicht zu erkennen war. Der Auftritt endete mit einem sehr ruhigen, tragenden Stück und verließ der King die Bühne.

Ebenfalls aus dem DEATH IN JUNE-Umfeld hervorgegangen ist die englische Neofolk-Band JOY OF LIFE. Hier fanden sich auch einige Musiker von WHILE ANGELS WATCH mit ein und so standen schließlich sechs Leute auf der Bühne. Zu Hören gab es richtig schönen Neofolk, der teilweise wie SOL INVICTUS klang, andererseits aber auch relativ recht poppig war. Auf jeden Fall war es mit viel Trommeleinsatz und Geige ein sehr schönes Konzert.

JOHN MURPHY die Zweite. Diesmal mit seiner Band KNIFELADDER. Dabei waren noch eine gut beleibte Gitarristin und ein Keyboarder in Fleischerschürze, der abwechselnd mit MURPHY am Schlagzeug sang. KNIFELADDER nennen ihre Musik selber „Voodoo Industrial Power Electronics“. So krass ging es dann doch nicht daher. Musikalisch beschreiben könnte man das Konzert als sehr experimentellen Neofolk mit viel Industrialanleihen. Die Sicherheitsleute an der Bühne zeigten sich jedenfalls leicht verwirrt aufgrund des musikalischen Erlebnisses. Alles in allem war es aber ein sehr gutes und vor allem sehr interessantes Konzert.

Inzwischen war es durch die leichte Verspätung der Konzerte schon 1 Uhr. Als letztes spielten noch mal IN THE NURSERY. Aber da es sich um das gleiche Konzert wie am Nachmittag handelte, das wir schon gesehen hatten, ging es dann zur Party.

Copyright Fotos: Kai-Uve Altermann

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