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KONSTANTIN WECKER

Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 30.10.2008

Was habe ich mir da nur angetan, über einen Liedermacher zu berichten? Eigentlich kenne ich den Herrn nur aus den Schlagzeilen, die vor ein paar Jahren über seinen Kokainkonsum berichteten. Ich denke, meine Neugierde führte mich heute zu diesem potentiell langweiligen Liederabend in den großen bestuhlten Saal des RLS.

Auf der Bühne standen sich zwei große Flügel gegenüber und im Hintergrund war das Schlagzeug aufgebaut, davor waren die Gitarren platziert und auch einige Blasinstrumente. Drapiert mit roten Stoffbahnen sah der Saal aus wie ein Salon. Also von einem reinem Liederabend waren wir an dieser Stelle schon mal weit entfernt. Punkt 20.30 Uhr nahmen dann Konstantin Wecker und Jo Barnikel (ihm gegenüber) an den Bösendorfer Flügeln Platz. „Was keiner wagt“ – so das Motto dieser Konzertreise – führte den Münchener Liedermacher, laut eigener Aussage, endlich wieder hinaus aus dem befreiten Bayern. Wecker an das Publikum: „Nach den 5 neuen Ländern hat jetzt auch endlich in Bayern die Demokratie Einzug gehalten“. Das saß! Im Laufe des Abends gab es weiterhin „Spitzen“ gegen bayerische CSU Politiker. Es ist ja bekannt, dass er gerade im Hinblick auf seine politischen Aussagen kein Blatt vor dem Mund nimmt. Auch sozialkritische Botschaften gegen die mittlerweile eingetretene soziale Kälte in Deutschland warf er in den Raum. Aber genug der Politik. Schließlich war dies ein Konzertabend und der 60 Jährige hat nicht umsonst die berühmten Bösendorfer kreuz und quer durchs Land gekarrt. Es gab eine musikalische Werkschau über vier Jahrzehnte seines Schaffens als Musiker und Komponist. Am Start auch Songs vom brandneuem Album „Gut’n Morgen Herr Fischer“, welche vom Publikum sehr gut angenommen wurden. Die gerade vor Tourstart erschienene CD ist ein Mix aus augenzwinkerndem heimatlichen Volksliedergut und WECKER Klassikern. Der Münchener weiß genau, dass das Publikum nur wegen ihm angereist ist, aber er gab seiner Begleitband die Gelegenheit, ihrerseits ihre musikalische Klasse zu zeigen. So kam es zu Soloeinlagen aller Bandmitglieder, die von den Zuhörern mit viel Applaus bedacht wurden. Und diese Beifallsbekundungen waren auch schuld daran, dass die Musiker erst kurz vor Mitternacht den wohlverdienten Feierabend antreten duften. Aber warum gab Konstantin Wecker auch so vielen Zugaberufen nach?

Ein Konzertabend, der mich persönlich sehr überrascht hat, ging nach mehr als 3 Stunden zu Ende. Hier bekam man wirklich noch etwas für sein Geld geboten. Es ist wohl mehr die Abwechslung zwischen Politkabarett und dargebotenen Chansons, die so einen Konzertabend zu einem richtigen Event machen. Auch Selbstkritik gehört zu Herrn Weckers großen Stärken und sein ehrlicher Umgang mit seiner Vergangenheit. Aber das ist Schnee von gestern.

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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